Umkleidezeit
Die Klagebereitschaft ihrer Angestellten sollte der soH zu denken geben

Fast 200 Angestellte der Solothurner Spitäler AG wollen ihren Arbeitgeber verklagen – weil die Umkleidezeit aus ihrer Sicht nur ungenügend entschädigt wird. Ein Denkzettel für die soH. Aber auch die Sozialpartner müssen sich kritische Fragen gefallen lassen.

Raphael Karpf
Raphael Karpf
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Blick ins Bürgerspital Solothurn.

Blick ins Bürgerspital Solothurn.

Hanspeter Bärtschi

Fast 200 Angestellte der Solothurner Spitäler AG haben sich gemeldet, um ihren Arbeitgeber zu verklagen. Allein dieser Umstand sollte der soH zu denken geben. Umso mehr, da es «nur» um die Umkleidezeit geht. Keine Frage: Auch dieser Aufwand soll angemessen entschädigt werden. Aber bei der Wahl des Arbeitgebers dürfte die Frage, wie diese zehn Minuten pro Tag vergütet werden, nur selten matchentscheidend sein.

Die Klagefreudigkeit sollte der soH insbesondere deshalb zu denken geben, da die eingeführte Entschädigung von 50 Franken in anderen Kantonen akzeptiert wird. Vielleicht ist nicht nur der Inhalt des Entscheids das Problem, sondern auch die Art, wie er zustande kam und kommuniziert wurde.

Gleichzeitig müssen sich die Verbände die Frage gefallen lassen, ob die geplanten Klagen wirklich der richtige Weg sind. Oder ob damit nicht noch mehr Geschirr zerschlagen wird. Denn auch die Argumente der soH überzeugen: Das Hauptanliegen, die Umkleidezeit mit freien Tagen kompensieren zu können, kann aktuell kaum erfüllt werden. Dadurch würden schlicht die anderen Angestellten zusätzlich belastet werden.

Es sind dies die Symptome eines altbekannten Problems: Die Belastung des Gesundheitspersonals ist hoch. Vor diesem Hintergrund kann die Geschichte auch als Wink mit dem Zaunpfahl verstanden werden, die Pflegeinitiative möglichst rasch umzusetzen. Dann würden sich solche juristischen Streitigkeiten künftig vielleicht erübrigen.