Kanton

Überstunden und mehr Personal: So erleben die Solothurner Bestatter die Coronakrise

Roland Meyer von Messer Bestattungen muss mit seinem Team seit November Überstunden machen.

Roland Meyer von Messer Bestattungen muss mit seinem Team seit November Überstunden machen.

Die Anzahl der Todesfälle im November und Dezember war im Kanton Solothurn beträchtlich hoch. Dies ist nicht nur den Statistiken der Zivilstandsaufsicht zu entnehmen, sondern fällt auch den Bestattern auf. Sie machen zum Teil Überstunden und stocken Personal auf.

«In den letzten Monaten gab es in der ganzen Schweiz mehr Todesfälle. Der Kanton Solothurn wurde dabei stark getroffen», meint Roland Meyer, Geschäftsführer von Messer Begleitung und Bestattung. Meyer verfolgt die Statistik des Bundes und erlebt dazu die Situation aus seiner Sicht als Bestatter. Die Zahlen der kantonalen Zivilstandsaufsicht bestätigen seinen Eindruck: In den Monaten November und Dezember wurden im Kanton 603 Todesfälle gemeldet, letztes Jahr waren es in den gleichen Monaten nur 372.

Sie hätten momentan doppelt so viele Aufträge wie in anderen Jahren um dieselbe Zeit, berichtet Meyer. Und «so gut wie alle Fälle, die über die übliche Menge herausgehen, sind an Corona gestorben», sagt er. In den Herbst- und Wintermonaten gebe es immer mehr Tote als im Sommer, aber so extrem wie im Moment sei es noch nie gewesen. Meyer und sein Team mussten deshalb seit November oft Überstunden machen – und sind damit nicht allein. Timon Wälchli vom überregionalen Bestattungsdienst Wälchli Bestattungen berichtet Ähnliches. Auch bei ihm haben sich Ende 2020 die Aufträge getürmt und er musste Personal aufstocken. Ausserdem hätten sich die Coronafälle bei ihm im Vergleich zum Frühjahr verdreifacht.

Weniger sterben zu Hause und mehr im Altersheim

Ob die Entwicklung nun mit Corona zusammenhängt oder nicht, ist für Gina Born von Born Bestattungen in Olten schwer zu sagen. «Manchmal wissen wir nicht, was genau die Todesursache war», erklärt sie. «Einige waren zum Beispiel einmal coronapositiv, sind aber erst Wochen später gestorben.» Auch sie hätten aber eine Zunahme bemerkt, besonders im Monat November; inzwischen habe sich die Lage bei ihnen wieder beruhigt. Was ihr auffalle, sei, dass in letzter Zeit weniger Menschen zu Hause sterben und mehr ihm Spital oder im Altersheim. «Die Altersheime hatten es mit der Pandemie wirklich nicht leicht. Das haben auch wir mitbekommen», erzählt sie.

Auch Christa Tinella-Steiner von Charona Bestattungen in Obergerlafingen erwähnt die Situation der Altersheime. Viele ihrer Klienten hätten Angehörige im Altersheim verloren. «Ich habe eine grosse Betroffenheit gespürt, gerade weil es oft sehr schnell ging», sagt sie. Sie findet es vor allem deshalb wichtig, als Bestatterin in dieser hektischen Zeit den Aspekt der Seelsorge nicht zu vergessen. «Ich habe dafür längere Arbeitstage in Kauf genommen und meine Mitarbeiter stärker beschäftigt», sagt sie. «Sodass wir trotz allem immer Zeit hatten zuzuhören und auf die Wünsche der Angehörigen einzugehen.»

Entwicklung nicht überall gleich spürbar

Während alle sieben befragten Bestatter die vermehrten Todesfälle bemerkt haben, sind die Auswirkungen unterschiedlich. Brigitte Zuber vom Bestattungsdienst Zuber in Solothurn sagt zum Beispiel, sie hätten schon etwas mehr Aufträge gehabt, es sei für ihren Arbeitsalltag jedoch unbedeutend gewesen. So auch beim Bestattungsdienst Beat Biberstein. Sie hätten mehr Fälle als noch vor einem Monat, jedoch keine grossen Anpassungen vornehmen müssen.

Derweil hat sich beim Aare Bestattungsdienst schon etwas verändert, allerdings in die gegenteilige Richtung. Sie hätten zwar zwischen 10 und 15 Prozent mehr Todesfälle, sagt Geschäftsführer Daniel Meyer, aber dennoch weniger zu tun. Dies liege daran, dass aufgrund von Corona keine grossen Trauerfeiern mehr stattfinden – im Kanton sind Bestattungen nur noch im engsten Kreis erlaubt. «Die Leute veranstalten entweder etwas im kleinen Kreis oder verschieben die Trauerfeier», erklärt er. Die verschobenen Trauerfeiern fänden dann aber meist nicht mehr statt, so Meyer, weil nach einer gewissen Zeit die Trauer verarbeitet sei und die Feier «keinen Inhalt und keine Kraft» mehr hätte.

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