Biberist

«Überleben» – der Ausstellungstitel ist kein Hinweis auf die unsicheren Zeiten von Corona

Mit einer reich bestückten Ausstellung markiert die Visarte Solothurn Präsenz im Schlössli Vorder-Bleichenberg in Biberist.

Mit 36 individuellen künstlerischen Positionen, zahlreichen Arbeiten und in Anlehnung an das Bonmot, wie viel man wissen müsse, um zu wissen, wie wenig man weiss, wird in der Begleitbroschüre zur Visarte-Ausstellung gefragt: «Wie viel muss man sehen, um zu sehen, was man nicht sieht?» Der solothurnische Berufsverband für visuelle Kunst, «Visarte Solothurn», eine kantonale Sektion der Visarte Schweiz, will mit dieser vielseitigen wie vielfarbigen Übersichtsschau aufzeigen, dass es «vor allem bei den Kunstschaffenden auch immer um die optische Vermittlung einer inneren Haltung» geht. Also darum, sich im Zeitgeschehen und in den Zeitläufen zu positionieren: Kunst als gesellschaftlicher Anspruch und nachwirksame Hinterfragung.

Ja, das Kunstschaffen ist und bleibt mannigfaltig, wenn es darum geht, mit Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Objekt, Plastik, Installation, Fotografie oder digitalen Medien eine, ihre gesellschaftliche Relevanz zu bestimmen. Denn die Vielfalt der Gesellschaft schlägt sich auch im kreativen Kunstanspruch nieder als unabdingbarer Teil dieser Gesellschaft, frei von Normen oder Ismen, dafür mit Respekt vor- und füreinander.

«Überleben» ist dabei nicht ein Hinweis auf die unsicheren Zeiten von Corona (der Titel wurde bereits vor einem Jahr festgelegt), sondern definiert generell die situative Notwenigkeit, damit die Kunst leben und überleben, der visuelle Kunstanspruch präsent bleiben kann.

Nicht verstehen, aber hinschauen

«Ist es wichtig, Kunstwerke zu verstehen?», fragte Norbert Eggenschwiler in einer früheren Visarte-Ausstellung mit seinen präzisen Steinbildhauerarbeiten. Und man möchte rufen: Nein! Denn Verstehen ist relativ, aber an- oder hinschauen sollte man schon, den Mut zeigen, zu fragen und hinterfragen und dann vielleicht verstehen.

Hierzu bietet die Ausstellung im Schlösschen Vorder-Bleichenberg reichlich Gelegenheit. Etwas Zeit und Musse sollte man mitbringen für diese entspannt eingerichtete Ausstellung, in der man wie in einem räumlichen Buch blättern kann. Ziel dieser Visarte-Werkschau war es, dass zwei externe Kuratoren mit unabhängigem Blickwinkel die Auswahl aus den eingereichten Dossiers treffen und in der Folge die Ausstellung in den Räumlichkeiten des Schlösschens gestalten.

Für die doch nicht ganz einfache Aufgabe, der Komplexität und der Fülle – um die 100 Arbeiten – so gerecht zu werden, dass sich in diese Werkauswahl meist etablierter Solothurner Kunstschaffender zu einem konsequenten Ganzen fügt, wurden Ruedy Schwyn, Kunstschaffender und Kurator aus Biel, und Hans Jörg Bachmann, Künstler und Präsident der Kunsthalle St. Gallen, eingeladen. Unter ihrer Ägide – die Räumlichkeiten, deren Präsenz und Wirkung wurden genaustens befragt – ist eine vielfältige Ausstellung entstanden, die man als spannend durchorchestriert wie auch harmonisch in den Gegensätzlichkeiten wie in den inneren oder formalen Beziehungen bezeichnen kann.

Werke sind themenbezogen gehängt

Grosszügig gehängt, manche Wandfläche blieb ausgespart, entdeckt man viele vertraute Namen und künstlerische Ansichten, begegnet neuen Sichtungen, individuellen Statements und wandelbarer schöpferischer Neugier, Techniken, Materialien, formalen und chromatischen Möglichkeiten.

Zielsetzung der beiden Kuratoren war, die Werke themenbezogen zu visualisieren und die Räume entsprechend zu inszenieren. Ein Konzept, das es den Betrachtenden leicht macht, sich zurecht zu finden, die kreativen Ideen und Inhalte zu entdecken und wahrzunehmen. Ob nun als Zeitzeichen, Menschen und Gesichter, planetarische oder erdgeschichtliche Momente, Konstruktives im Gegenüber mit Architektur, Bewegtes zwischen abstrakt und figurativ, durchaus auch Erzählerisches, Sinnbildartiges, eigenwillig Installatives – zeitlos-originelle Plastiken im Grünen.

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