Im Kanton Solothurn stehen so viele Wohnungen leer wie seit 1997 nicht mehr. Die Leerwohnungsziffer ist mit 2,98 Prozent die höchste der ganzen Schweiz. Der Leerwohnungsbestand ist trotz moderatem Bevölkerungswachstum innert Jahresfrist (Stand Ende Juni) um 295 auf 4052 Einheiten gestiegen. Banken und institutionelle Anleger vermeiden tunlichst das Unwort Immobilienblase, aber auf eine überhitzte Bautätigkeit scheint das schon hinzudeuten.

Wobei: Auf den zweiten Blick ist das nicht so eindeutig. Die 331 leer stehenden Wohnungen in Neubauten (nicht älter als zwei Jahre) machen nur ein Viertel Prozent des gesamten Wohnungsbestands von knapp 136'000 Einheiten im ganzen Kanton aus. Von den zur Vermietung oder zum Verkauf stehenden Wohnungen befinden sich etwas mehr als 8 Prozent in Neubauten. Das ist weniger als im Schweizer Durchschnitt.

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Grafik: Elia DiehlFullscreen-Modus

(Datenquelle: Bundesamt für Statistik)

In manchen Kantonen wie Zürich oder Zug gehen Neubauwohnungen zwar deutlich besser weg, aber in etlichen Regionen stehen auch deutlich mehr neue Wohnungen leer als im Kanton Solothurn. In Glarus zum Beispiel sind über 25 Prozent der freien Wohnungen brandneu, im Aargau fast 18 Prozent, im Baselbiet befinden sich über 13 Prozent der leeren Wohnungen in Neubauten.

In Solothurn ist alles weg

Auch die immer wieder vorgebrachte These, dass wenn vielleicht auch nicht insgesamt viel zu viel Wohnraum gebaut wurde und wird, aber am falschen Ort, dass ganze Siedlungen im ländlichen Raum leer stehen, scheint auf den Kanton Solothurn nicht zuzutreffen, zumindest nicht so pauschal.

Solothurn ist Boomtown, in der Hauptstadt liegt die Leerwohnungsziffer mit 0,85 Prozent deutlich unter dem kantonalen und auch unter dem gesamtschweizerischen Durchschnitt. Glaubt man der Statistik, war hier Ende Juni keine einzige Neubauwohnung auf dem Markt. Das trifft auch auf 67 andere Gemeinden im Kanton zu, also auf deutlich mehr als die Hälfte. Und darunter finden sich neben Solothurn noch weitere der grösseren Gemeinden wie Balsthal, Oensingen, Hägendorf oder Schönenwerd.

Es scheint also, dass sich Neubauwohnungen trotz insgesamt hoher Leerwohnungsziffer nach wie vor gut an den Mann und die Frau bringen lassen – oder dass sie zumindest vor allem auch dort erstellt werden, wo das der Fall ist. Andere Beispiele finden sich allerdings schon auch. Zum Beispiel Zuchwil mit einer Leerwohnungsziffer von über 8 Prozent und 55 unbewohnten Neubauwohnungen, Neuendorf mit einer Leerwohnungsziffer von 11 Prozent und 21 freien Neubauwohnungen oder Kappel mit einer Leerwohnungsziffer von gut 6 Prozent und 16 neu erstellten Wohnungen, die auf ihre ersten Bewohner warten.

In sieben kleinen Gemeinden war am Stichtag überhaupt keine Wohnung frei: Wer mit einem Umzug nach Balm b. Günsberg, Kammersrohr, Unterramstern, Hüniken, Gänsbrunnen, Hauen-
stein-Ifenthal oder Rohr liebäugeln sollte, hat Pech – Leerwohnungsbestand null.
In kleinen Gemeinden können natürlich schon kleine Bewegungen zu grossen Ausschlägen in der Statistik führen: Drei Familien ziehen zu und der Wohnungsmarkt ist ausgetrocknet, ein Mehrfamilienhaus ist unbewohnt und die Leerwohnungsziffer schnellt in schwindelerregende Höhen.

In der regionalen Betrachtung verteilt sich das Wohnungsangebot aber einigermassen regelmässig. In den Bezirken Wasseramt, Gäu, Olten, Gösgen und Thierstein liegt die Leerwohnungsziffer über 3 Prozent und damit über dem ohnehin schon hohen kantonalen Durchschnitt. Neben dem Stadtbezirk Solothurn ist die Leerwohnungsziffer auch in den Bezirken Lebern, Bucheggberg Thal und Dorneck unterdurchschnittlich tief, im Bucheggberg mit 0,76 Prozent noch tiefer als in Solothurn.

Für ein Haus in den Bucheggberg

Unterschiedlich präsentiert sich die Situation beim Wohnungstyp der leer stehenden Objekte. Über den ganzen Kanton gesehen sind am meisten Dreizimmerwohnungen auf dem Markt, 36 Prozent der leeren Wohnungen. Fünfzimmerwohnungen machen nur knapp 10 Prozent, Einfamilienhäuser nur gut 8 Prozent der freien Wohneinheiten aus.

Wer sich in Solothurn mit dem ohnehin nicht üppigen Angebot an leerstehenden Objekten nicht irgend eine Wohnung, sondern ein Einfamilienhaus mieten oder kaufen möchte, braucht neben dem nötigen Kleingeld auch eine schöne Portion Glück: Laut Statistik waren Ende Juni ganze zwei Einfamilienhäuser auf dem Markt, das entspricht etwas mehr als 2 Prozent des Leerwohnungsbestands.

In Olten waren es drei Einfamilienhäuser, sogar nur ein Prozent des leeren Wohnraums. Im ganzen Bucheggberg dagegen war eine einzige Dreizimmerwohnung in Schnottwil frei, dafür wären 12 Einfamilienhäuser zu haben gewesen. Fast die Hälfte der leer stehenden Objekte im Bucheggberg sind Einfamilienhäuser.