Ausbildung

Über 400 Solothurner Lehrstellen sind noch zu vergeben

Im kaufmännischen Bereich werden eher zu viele Lehrlinge ausgebildet. (Archivbild)

Im kaufmännischen Bereich werden eher zu viele Lehrlinge ausgebildet. (Archivbild)

Im Kanton Solothurn sind weniger als einen Monat vor Schulschluss noch über 400 Lehrstellen frei. Bis heute wurden beim Kanton rund 1800 Lehrverträge eingereicht. Am gefragtesten ist weiterhin die Ausbildung zum Kaufmann / zur Kauffrau.

Die Zeiten des Lehrstellenmangels sind schon länger vorbei. Im Moment sind noch rund 430 offene Lehrstellen im Lehrstellennachweis Lena im Kanton Solothurn verzeichnet, und erfahrungsgemäss werden auch etliche bis zum Beginn des neuen Schuljahrs unbesetzt bleiben.

Verkanntes Gastgewerbe

Eher Mühe, alle offenen Lehrstellen zu besetzen, hat man im Gastgewerbe und weiterhin auch bei den Bauberufen. Bei Letzteren sei es halt so, dass rein aufgrund der körperlichen Beanspruchung nicht jede Lehrstelle für jedermann geeignet ist und noch weniger für junge Frauen, weiss Rudolf Zimmerli, Leiter Abteilung Berufslehren im kantonalen Amt für Berufsbildung, Mittel- und Hochschulen.

Beim Gastgewerbe wiederum würden zum Teil die für viele wenig attraktiven Arbeitszeiten abschreckend auf die angehenden Berufsleute wirken, wobei aber auch oft verkannt werde, dass diese Branche sehr interessante Stellen biete und es viele Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten gebe. Mit rund 60 Stellen ist auch das Angebot an noch zu vergebenden Ausbildungsplätzen im Verkauf gross. Bei den Bauberufen sind es ebenfalls gegen 60, im Gastgewerbe aktuell rund 50 noch offene Lehrstellen.

1830 Lehrverträge

Aktuell sind für das kommende Schuljahr 1830 neue Lehrverhältnisse abgeschlossen. Damit liege man in etwa auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr zur gleichen Zeit, sagt Zimmerli. Bis zum Ende des Schuljahrs rechne man mit sicher noch etwa 350 bis 400 weiteren Lehrverträgen, womit man bei gut 2200 Lehrverhältnissen und damit etwa im Schnitt der letzten Jahre liegen wird. Das sieht, gemessen an den offen gemeldeten Stellen, nach einer Ziellandung aus, aber nicht alle Betriebe tragen ihre freien Ausbildungsplätze im Lena-Verzeichnis ein, womit am Schluss doch noch etliche Lehrstellen unbesetzt bleiben dürften.

Über alle Berufe gesehen, ist das Angebot an Lehrstellen heute grösser als die Nachfrage. «Die Vielfalt des Angebots ist da, es gibt in allen Berufsfeldern noch unbesetzte Lehrstellen», so Zimmerli. Wobei sich die Situation nicht in allen Branchen gleich präsentiert. Am gefragtesten ist weiterhin die Ausbildung zum Kaufmann / zur Kauffrau. Im kaufmännischen Bereich würden aber fast zu viele Nachwuchskräfte ausgebildet, so Rudolf Zimmerli. Es zeige sich, dass der Arbeitsmarkt nicht alle Lehrabgänger aufnehmen kann.

Auf Platz zwei hinter den kaufmännischen folgen die Gesundheitsberufe, und hier präsentiert sich die Situation umgekehrt. Die Nachfrage ist grösser als das Angebot an Ausbildungsplätzen zur Fachperson Gesundheit. Am begehrtesten sind die Lehrstellen beim grössten Anbieter, der Solothurner Spitäler AG: Dort ist nichts mehr frei.

Offene Stellen melden aber nach wie vor verschiedene Alters- und Pflegeheime. Auch im Fachbereich Betreuung sind die Ausbildungsplätze rar. «Hier läuft es noch nicht optimal», sagt Rudolf Zimmerli und spielt damit auf die weit verbreitete Praxis in Kindertagesstätten an, Ausbildungsplätze erst nach einem zum Teil ganzjährigen Praktikum anzubieten.

Branche unter der Lupe

Nachdem diese Zeitung Anfang Jahr darüber berichtet hatte, wurde das Thema auch Gegenstand eines Vorstosses von Barbara Wyss Flück (Grüne, Solothurn) im Kantonsrat: Da es für eine sachgerechte berufliche Grundbildung zur Fachperson Betreuung «weder von der Nachfrage noch vom Angebot her» ein Berufsvorbereitungsjahr brauche, lehnt der Regierungsrat eine Reglementierung der Praktikums-Praxis zwar aus grundsätzlichen Überlegungen ab.

Hingegen wurde beschlossen, im Rahmen der Arbeitsmarktbeobachtung die Kita-Branche fokussiert zu kontrollieren. Nach der Auswertung der Ergebnisse der fokussierten Arbeitsmarktbeobachtung in diesem Jahr werde das weitere Vorgehen festgelegt, so die Regierung.

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