55'500 unter ihnen verlassen dabei den Kanton, das sind gut 900 weniger als im Vorjahr, aber mehr als in den Jahren zwischen 2010 und 2015. Das häufigste Ziel der Pendler ist der Kanton Bern, in den es 19'019 Leute zieht. Mehr als 15'000 Pendler führt es in die beiden Basel, gefolgt von 12'100 Menschen, die im Kanton Aargau arbeiten. In den Kanton Zürich geht es für «nur» 4'838 Solothurner Pendler, obwohl die Stadt Zürich schweizweit jene Gemeinde ist, die mit Abstand am meisten Zupendler anzieht.

Nicht in jedem Bezirk im Kanton Solothurn pendelt man gleich viel: Im Bezirk Lebern pendeln mit nur 31 Prozent der über 15-jährigen Bevölkerung am wenigsten Arbeitnehmende in eine andere Gemeinde. Im Bucheggberg sind es ganze 45 Prozent, der Stadtbezirk Solothurn liegt mit 38 Prozent im kantonalen Durchschnitt.

Jedoch zieht es nicht nur Solothurner auswärts, sondern es arbeiten auch Pendler aus anderen Kantonen hier, am meisten aus dem Kanton Bern und dem Aargau. Insgesamt sind es fast 41'000 «Auswärtige», die regelmässig an einen Arbeitsort im Kanton Solothurn fahren. Die meisten unter ihnen führt es in die Agglomerationen Olten und Solothurn, 10'000 aber auch ins Gäu. Der Bezirk Bucheggberg verzeichnet am wenigsten Zupendler, insgesamt nur etwas mehr als 1000. Alles in allem bleibt Solothurn aber ein Kanton der «Wegpendler»: 14'566 Personen mehr verlassen den Kanton zum Arbeiten, als Leute aus anderen Kantonen nach Solothurn zur Arbeit kommen. Das sind 4255 weniger als im Vorjahr, der tiefste Negativsaldo der letzten acht Jahre.

Die Tendenz zeigt steil nach oben

Das Bundesamt für Statistik beobachtet gesamtschweizerisch eine Zunahme des Pendelns in den letzten beiden Jahrzehnten. So sind 2016 rund eine Million mehr Arbeiter in eine andere Gemeinde oder einen anderen Kanton gependelt als noch 1990. Die Gründe dafür sind vielfältig: Eine Reihe von Studien nennt die ungleiche Verteilung von Wohn- und Arbeitsorten, genannt «job-housing imbalance» als Hauptursache für den steigenden Pendelverkehr. In anderen Worten bieten Ballungszentren wie Zürich und Bern also mehr Arbeitsplätze als Wohnmöglichkeiten, was dazu führt, dass die Arbeitnehmer gezwungen sind, längere Arbeitswege auf sich zu nehmen.

Auch Faktoren wie die zunehmende Spezialisierung der Fachkräfte, die gesucht werden, und flexiblere Arbeitsverhältnisse sind mitverantwortlich für die Zunahme. Viele Haushalte gewichten auch ein angenehmes Wohnumfeld und günstigere Mieten stärker als einen kurzen Arbeitsweg. Der stete Ausbau des Verkehrsnetzes, sowohl im öffentlichen Verkehr als bei den Autostrassen, sowie die Vergünstigung der Mobilitätspreise verstärken die Tendenz der längeren Arbeitswege ebenfalls.

Viele Pendler leiden unter dem täglichen Hin und Her

Dass das häufige Pendeln nicht ohne Folgen bleibt, liegt auf der Hand. Eine Untersuchung der ETH Zürich nennt diverse Auswirkungen der erhöhten Mobilität: Autobahnen und Zuglinien verursachen Lärmemissionen, die Verkehrsmittel haben einen hohen Energieverbrauch und produzieren Treibhausgase. Das Schienen- und Strassennetz ist zu Stosszeiten meist überlastet, vor allem weil die Pendler sich nicht gleichmässig in der ganzen Schweiz verteilen, sondern in einige wenige Zentren anreisen müssen. Das führt zu Unfällen, Staus, Wartezeiten, übervollen Zügen.

Nicht zuletzt leiden auch die Pendler selbst unter dem täglichen Hin und Her. Die Mobilität kostet, benötigt viel Zeit. Zeit, die in den allermeisten Fällen auf Kosten der Freizeit geht, erschöpft und in vielen Fällen demotivierend wirkt, da sich der Arbeitstag durch das Pendeln künstlich verlängert und man sich am Feierabend noch durch die Pendlerströme kämpfen muss.