UBS-Kantonsranking
Trotz tiefer Büromieten bietet der Kanton Solothurn Unternehmen kein ideales Kostenumfeld

Der Kanton Solothurn hätte eigentlich ziemlich gute Voraussetzungen. Doch obwohl er sich im UBS-Kantonsranking so stark verbessert hat wie kein anderer Kanton, nutzt er sein Potenzial noch lange nicht. Wo er ansetzen könnte.

Sébastian Lavoyer
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Die Kosten für Büromieten (Symbolbild) sind in Solothurn im interkantonalen Vergleich tief. Trotzdem schneidet er im Bereich Kostenumfeld unterdurchschnittlich ab.

Die Kosten für Büromieten (Symbolbild) sind in Solothurn im interkantonalen Vergleich tief. Trotzdem schneidet er im Bereich Kostenumfeld unterdurchschnittlich ab.

Martin Ruetschi/ Keystone

Der Schein trügt. Zwar hat sich kein anderer Kanton im UBS-Ranking der relativen Wettbewerbsfähigkeit der Kantone so stark verbessert wie Solothurn. Doch die UBS-Studie zeigt auch, dass der Kanton am Jura Südfuss sein Potenzial noch immer nicht ausschöpft. Um das zu verstehen, muss man einen Schritt zurück machen.

Zug und Basel sind die wettbewerbsfähigsten Kantone

Rang Kanton Rangverschiebung zu Vorjahr Wettbewerbsindikator 2021
1Zug0100
2Basel-Stadt097,9
3Zürich094
4Aargau177,8
5Schwyz277,1
6Waadt–275,9
7Baselland274,7
8Luzern074,6
9Genf172,1
10Nidwalden–470,7
11Schaffhausen169,8
12Thurgau–166,9
13St.Gallen166,2
14Solothurn362,4
15Obwalden062,3
16Freiburg–360,2
17Appenzell Ausserrhoden–159,1
18Glarus058
19Bern257
20Appenzell Innerrhoden256,4
21Tessin–153,3
22Neuenburg–353,2
23Uri051,2
24Graubünden046,1
25Wallis042,9
26Jura033

Der Kantonale Wettbewerbsindikator (KWI) basiert auf der Bewertung von acht unterschiedlichen Bereichen (Wirtschaftsstruktur, Innovation, Humankapital, Arbeitsmarkt, Erreichbarkeit, Einzugsgebiet, Kostenumfeld, Staatsfinanzen). Die Werte dieser Einzelbereiche wiederum werden aufgrund unterschiedlicher Faktoren errechnet. Nehmen wir das Beispiel Erreichbarkeit: Da fliessen unter anderem die Reisezeit zum nächsten internationalen Flughafen mit dem Individualverkehr oder die Reisezeit zum nächsten Metropolraum mit Individual- und öffentlichem Verkehr ein.

Wichtig ist dabei, dass zahlreiche Faktoren nicht veränderbar sind (wie in den beiden Beispielen oben). Studienleiterin Katharina Hofer sagt:

«Berge lassen sich nicht versetzen.»

Anders formuliert: Die Geografie eines Kantons, die zum Beispiel grossen Einfluss auf die Erreichbarkeit und damit die Wettbewerbsfähigkeit hat, ist gegeben. Zugleich sind andere Faktoren wie zum Beispiel die Unternehmensbesteuerung, welche die Säule Kostenumfeld massgeblich prägt, politisch veränderbar. Manche kurz-, andere langfristig.

Mit einer anderen Politik könnte der Kanton Solothurn besser dastehen

Nun ist es so, dass sich der Kanton Solothurn im Gesamtranking im Vergleich zur letzten Studie aus dem Jahr 2019 zwar um drei Ränge auf den 14. Platz verbessert hat. Zugleich wird aber auch sichtbar, dass er bezüglich der nicht veränderbaren Faktoren eigentlich auf Platz 11 liegt (siehe Grafik oben). Doch weil die Kantone St. Gallen, Thurgau und Nidwalden besser abschneiden bei jenen Faktoren, die politisch beeinflussbar sind, fällt Solothurn zurück. Studienleiterin Hofer sagt:

«Es ist durchaus noch Verbesserungspotenzial da.»

Um zu sehen, wo ein Kanton über- respektive unterdurchschnittlich performt, haben die Studienersteller einen künstlichen Median-Kanton geformt. Solothurn entspricht ziemlich genau diesem Profil, es zeigt sich aber, dass der Kanton in den drei Bereichen Kostenumfeld, Innovation und Arbeitsmarkt unterdurchschnittlich abschneidet.

ZVG/UBS

Wo der Kanton unterdurchschnittlich abschneidet – und was er verbessern kann

Beginnen wir beim Kostenumfeld. Einige Faktoren wie die Löhne oder Mieten für Geschäftsräumlichkeiten sind hier tiefer als im Landesschnitt, was eigentlich dazu führen müsste, dass Solothurn hinsichtlich des Kostenumfelds besser dastünde als der Rest. Dafür sind die Stromkosten ein bisschen höher als im schweizweiten Schnitt. Der mit Abstand wichtigste Faktor, der dazu führt, dass Solothurn unter dem Landesschnitt abschneidet, ist jedoch die Steuerbelastung. Und das, obschon die Senkung der Unternehmenssteuern Anfang 2020 zu Verbesserung um drei Ränge geführt hat.

Hinsichtlich Innovation wird nicht einfach die Zahl der Neugründungen betrachtet, sondern es geht auch um Dinge wie die Anzahl Vollzeitäquivalente im Bereich Forschung und Entwicklung oder Venture-Capital-Investitionen pro Vollzeitäquivalent. Solothurn hat zwar eine hervorragende Fachhochschule, aber Start-ups mit Wachstumspotenzial kommen meist von den technischen Hochschulen.

Zum Arbeitsmarkt: Obschon Arbeitslosigkeit und Langzeitarbeitslosigkeit hier unterdurchschnittlich sind, schneidet der Kanton schwächer als der Schnitt ab. Und zwar, weil er schlechter abschneidet in allen Faktoren, die auf dem künftigen Arbeitskräftepotenzial basieren.

Fazit: Das grösste Verbesserungspotenzial besteht sicherlich im Bereich Unternehmensbesteuerung. Aber auch ein geringeres Haushaltsdefizit könnte einiges zu einer weiteren Verbesserung beitragen. Schwieriger dürfte der Bereich Innovation zu beeinflussen sein.

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