Konkurs

Trotz Verkauf des Namens: Bei Mondia bleibt ein Schuldenberg zurück

Die Marke "Mondia" galt lange als Synonym für Swiss-Made-Fahrräder.

Die Marke "Mondia" galt lange als Synonym für Swiss-Made-Fahrräder.

300 000 Franken lässt sich ein Käufer den Namen «Mondia» kosten. Trotz dieses Erlöses bleibt der finanzielle Schaden des Konkurses hoch. Insgesamt exisiteren zugelassene Forderungen in der Höhe von 1,1 Mio. Franken.

Das Unternehmen ist seit dem Konkurs im vergangenen November definitiv geschlossen, der Name aber bleibt. Das kantonale Konkursamt Solothurn hat für die Fahrrad-Marke «Mondia» einen Käufer gefunden, der die Rechte daran für 300 000 Franken übernimmt.

Die Frist für Angebote ist an diesem Mittwoch abgelaufen. Theoretisch könnte zwar noch ein weiteres Angebot mit Poststempel 13. August auf den Tisch flattern, aber das sei eher unwahrscheinlich, wie Mark Stadelmann, stellvertretender Amtsleiter des Konkursamtes in Oensingen erklärt.

«Es haben sich in der im Handelsamtsblatt publizierten 20-tägigen Frist keine weiteren Interessenten mehr gemeldet.» Wer das Markenrecht kauft, darf das Konkursamt auf Verlangen des Käufers nicht bekannt geben. Keine Namen kann Roland Fuchs vom Branchenverband Fachstelle für Zweiradfragen nennen. «Wir wissen nicht, wer der Käufer der Markenrechte ist.»

Markenrecht ist verpfändet

Trotz des Erlöses bleibt der finanzielle Schaden des Konkurses hoch. Denn die Einnahme aus dem Verkauf der Markenrechte fliesst nicht in die allgemeine Konkursmasse, wie Stadelmann festhält. «Das Markenrecht war durch die Mondia Vertriebs AG an einen Dritten verpfändet, der dem Unternehmen vor längerer Zeit ein Darlehen gewährte.»
Auch der Erlös aus dem Verkauf der beweglichen Gegenstände, die sich noch in den einst vermieteten Produktionsräumen befunden hatten, fliesst nicht in die allgemeine Konkursmasse.

Mondia sei im aargauischen Strengelbach an zwei Standorten eingemietet gewesen und die Vermieter hätten das sogenannte Retentionsrecht geltend gemacht. «Einer der Vermieter, die Titan-Bikes AG, hat vom Konkursamt das gesamte Inventar übernommen und liess im Gegenzug ihre ausstehenden Forderungen als Gläubiger fallen», erläutert Stadelmann.

Es gehe unter anderem um rund 2500 Velorahmen, mehrere Hundert Velohelme und über 100 komplette Mondia-Fahrräder. Der Erlös aus dem Verkauf werde für die ausstehenden Mieten der zwei Standorte eingesetzt. Zudem habe ein dritter Gläubiger, ein Spediteur, ebenfalls das Retentionsrecht geltend gemacht.

Forderungen von über 1 Million

Laut Mark Stadelmann existieren insgesamt zugelassene Forderungen in der Höhe von 1,1 Millionen Franken. Davon entfallen allein 337 000 Franken auf Forderungen der 1. Klasse. «Dabei handelt es sich um ausstehende Löhne und Pensionskassenbeiträge der ehemaligen Angestellten», präzisiert er.

Neun ehemalige Mitarbeitende hätten Forderungen eingereicht. «Diese müssen sich mit einer Konkursdividende von einem Prozent begnügen», zieht das Konkursamt die traurige Bilanz. Für den Rest erhielten die ehemaligen Angestellten zwar Schuldscheine gegenüber der Mondia Vertriebs AG.

«Diese sind aber wertlos, weil die Firma demnächst gelöscht wird.» Im Gegensatz – beispielsweise zu einer Einzelfirma – haftet bei einer AG nicht der Eigentümer, sondern das Gesellschaftskapital. Auch die Gläubiger der 2. Klasse gehen leer aus. Dabei handelt es sich, so Stadelmann, um Forderungen der AHV, der Mehrwertsteuer und der Suva in der Höhe von rund 140 000 Franken.

Die übrigen Gläubiger wie Lieferanten gehen logischerweise auch leer aus. Mit Ausnahme für den erwähnten Darlehensgeber und die Vermieter der Räumlichkeiten bleibt unter dem Strich also nichts übrig.

Einst stolze Firma am Ende

Mit dem jetzt vor dem Ende stehenden Konkursverfahren geht die Geschichte der einst stolzen Fahrradfabrik Mondia definitiv zu Ende, auch wenn die Marke irgendwann wieder auftauchen sollte. Die Jeker-Haefeli & Cie AG startete 1933 in Balsthal mit der Montage und 1946 mit der eigenen Produktion der Fahrräder unter dem Namen «Mondia».

Mitte der 80er Jahre wurde die modernste Fahrradfabrik der Schweiz erbaut. Nach der Übernahme der Marken Allegro und Condor war Mondia mit weit über 20 000 gefertigten Velos die grösste Herstellerin der Schweiz. Ende der 90er Jahre geriet die Firma Jeker-Haefeli wegen grosser Verluste im Immobiliengeschäft in arge Schieflage.

Die Veloproduktion wurde nach einem Management-Buyout in die neue Mondia Fahrrad AG ausgegliedert. 2001 wurde die Produktion nach Strengelbach verlegt und nach dem Konkurs der Mondia Fahrrad AG Anfang 2012 durch die Mondia Vertriebs AG bis im vergangenen Herbst weitergeführt. Zuletzt wurden etwa 4000 Fahrräder hergestellt.
Wie hart der Markt für Schweizer Hersteller geworden ist, zeigen einige Zahlen auf.

Von den 2013 verkauften rund 330 000 Fahrrädern wurden nur gerade rund 10 Prozent in der Schweiz gefertigt, 90 Prozent importiert, wie Roland Fuchs von der Fachstelle für Zweiradfragen erklärt. Noch vor 20 Jahren lag der Importanteil bei 40 Prozent.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1