Der Anwalt des Schützen von Zuchwil wirkte zufrieden. «Ich bin zumindest nicht unzufrieden mit dem Urteil», sagte Stefan Suter nach dem Prozess. Er spricht von einem Zwischenerfolg.

Die Strafe seines Mandanten, der vom Amtsgericht wegen vierfachen versuchten Mordes zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden war, wurde im Berufungsverfahren reduziert.

Viktor T.* muss wegen mehrfach versuchten Mordes für 19 Jahre ins Gefängnis. Die Strafe wird aufgeschoben durch eine stationäre therapeutische Massnahme, auch kleine Verwahrung genannt. Zudem muss er den Opfern 30 000 respektive 2000 Franken Genugtuung bezahlen.

«Nahe an einer Exekution»

Nachdem er deutlich gemacht hatte, zwei Frauen mit sich in den Tod zu reissen, fuhr er am 18. Juni 2012 zum Sulzer-Areal. «Die Schlampen haben es verdient», schrieb er im Abschiedsbrief. Bevor er sterbe, bringe er jemanden um, aber er komme trotzdem in den Himmel. «Gott wird mir verzeihen.»

Nachdem ihn die junge Frau erneut abgewiesen hatte, zückte er die Pistole und feuerte siebenmal von hinten auf das schutzlose Opfer. Eine Patrone durchschoss ihren Bauch. «Die Tat ist nahe an einer Exekution», sagte Oberrichter Hans-Peter Marti.

Der Racheakt zeuge von extremem Egoismus. Ebenfalls besonders skrupellos handelte der Täter, als er danach nach Olten fahren und eine weitere Frau ermorden wollte, die ihn verschmäht hatte.

«Er war zur Tat entschlossen, ohne Wenn und Aber», sagte Marti. Doch der junge Mann wurde nach einer halsbrecherischen Raserfahrt geschnappt. Mit dabei hatte er, neben der nachgeladenen Pistole, Schlagring, Gasmaske, Schmetterlingsmesser und Kabelbinder. Auch hier handelte er mit direktem Tötungsvorsatz.

Im Gegensatz zur Vorinstanz kam das Obergericht indes zum Schluss, dass T. nicht mit Tötungsvorsatz handelte, als er auf dem Sulzer-Areal auf den Retter der Ex-Freundin schoss.

Dieser zog die schwer verletzte Frau aus dem Schussfeld, sein Hemd wurde durch eine Kugel beschädigt. Dieser Durchschuss könne aber ein Streifschuss sein oder von einem abgesplitterten Projektilteil stammen.

Ebenfalls von keinem Mordversuch geht das Obergericht aus, als T. 2009 mit geladenem Sturmgewehr bei einer Frau vorgefahren war. Weil sie nicht mit ihm zusammensein wollte, hatte er ihr zuvor die Erschiessung angedroht.

Nachdem sie die Tür nicht öffnete, liess er von seinem Vorhaben ab. Für das Gericht gibt es keinen Beweis, dass er wirklich töten wollte.

Eventuell vor Bundesgericht

Dass nicht die Maximalstrafe verhängt wird, erklärte Oberrichter Marcel Kamber damit, dass es noch schwerere Mordfälle gibt. Er verwies auf den so genannten Schenkkreis-Mord in Grenchen, wo die Täter den Opfern Plastiksäcke über den Kopf stülpten, um sie zu ersticken.

Für den Mordversuch in Zuchwil setzte das Gericht eine Freiheitsstrafe von elfeinhalb Jahren an. Zusammen mit den anderen Delikten sprach es eine Freiheitsstrafe von total 19 Jahren aus.

Gemäss einem psychiatrischen Gutachten geht das Gericht von einer depressiven Störung und von einer Borderline-Persönlichkeitsstörung aus. Weil ein deutliches Rückfallrisiko bestehe, falls der Täter nicht therapiert wird, hat das Gericht eine stationäre Massnahme angeordnet.

Diese hat der heute 25-jährige Mann bisher verweigert. Oberrichter Kamber redete ihm ins Gewissen. «Der einzige Weg in ein Leben in Freiheit führt für Sie über die steile Strasse der Therapie. Arbeiten Sie an sich, halten Sie die Belastung aus.» Wenn er sich verweigere, zerstöre er diese Chance.

Dass sein Mandant zweimal vom versuchten Mord freigesprochen wurde, ist für Stefan Suter ein Erfolg. Es sei aber durchaus möglich, dass er im zweiten Fall des versuchten Mordes das Bundesgericht anruft. «Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.»

*Name der Redaktion bekannt