Stadtbummel Solothurn
Wo's am schönsten ist

Noëlle Karpf
Noëlle Karpf
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Die Aare – das «Meer» von Solothurn.

Die Aare – das «Meer» von Solothurn.

Denis Linine

Der Nebel drückt bis auf die nassen Pflastersteine. Und auf die Stimmung. Die Füsse in roten Schuhen – eher braun, aber mit Rotstich, was wir für diese Geschichte gelten lassen wollen –, die Nase im Schal vergraben, geht’s durch die Altstadt. Bis der Blick auf viel Himmel, Sonnenschein und Meer fällt. Ferien, daran erinnert das farbenfrohe Bild im Schaufenster. Es passt so gar nicht zur Nebelsuppe in der Stadt. Vielleicht wurde es ja gerade deswegen aufgestellt? Um ein bisschen Ferienfeeling zu vermitteln.

Dass noch Ferien waren diese Woche, daran hat das Smartphone immer mal wieder erinnert. Ganz viel Strand, Meer und Sonnenschein haben all diejenigen Glücklichen gepostet, die in Mallorca, Südfrankreich oder Italien die Seele baumeln lassen. Während sich die Hiergebliebenen täglich durch Nebelschwaden kämpfen und die Laubblätter zertreten, die den Spruch am südlichen Aareufer bedecken, der uns eigentlich daran erinnern soll, dass auch Solothurn am Meer liegt.

«Wie Ferien.» Das denke ich jedes Mal, wenn die Sonne im Verlaufe des Tages doch noch auftaucht, auf die Aare fällt und unser Meer glitzern lässt, sodass der eine oder die andere auch im Oktober noch die Sonnenbrille aufsetzt. «Wie Ferien.» Eigentlich komisch. Viel besser fürs Gemüt wär’s doch, gar nicht zu vergleichen – nicht daran zu denken, dass es hier fast so schön ist, wie an Orten, an denen man grade gerne wäre – sondern daran, dass man jetzt grade daheim ist. Und’s hier ziemlich schön ist.

Gar am schönsten, das hat doch Dorothy im «Zauberer von Oz» schon festgestellt. Nachdem der Sturm sie weg von zu Hause in ein Abenteuer geschleudert hatte, an dessen Ende sie dann – dank einem roten Paar Schuhe, deren Hacken sie dreimal zusammenschlagen musste – wieder nach Hause fand. Wo's eben am schönsten ist. Ich bin froh, hab ich nicht 98 Filmminuten inklusive Kampf gegen geflügelte Affen und böse Hexen gebraucht, um das zu schnallen. Die roten – braun mit Rotstich, aber eben: das zählt – Schuhe hätte ich zwar. Aber die Fersen brauch' ich nicht dreimal zusammenzuschlagen.

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