Gewässerschutz

Spezielle Anlagen sollen Unfälle beim Befüllen von Pestizidspritzen verhindern

Baugesuche für neue Füll- und Waschanlagen häufen sich: Landwirte müssen aufgrund von neuen Auflagen in Sachen Gewässerschutz aufrüsten. Spezielle Anlagen sollen verhindern, dass konzentriertes Pflanzenschutzmittel in die Gewässer absickert.

Rückstände von Pestiziden im Oberflächen- und Grundwasser sorgen schweizweit für Schlagzeilen und Diskussionen. Zum Schutz der Gewässer wurden deshalb vom Bund neue Regelungen für das Befüllen und Waschen von Pflanzenschutzmittel-Spritzen erlassen. Davon betroffen sind auch im Kanton Landwirtschaftsbetriebe, die ihre Infrastruktur an die neuen Auflagen anpassen müssen.

Allein diesen Monat gibt es bisher sechs Baugesuche für neue Füll- und Waschanlagen im Kanton. Diese Einrichtungen sollen verhindern, dass konzentrierte Pflanzenschutzmittel in die Gewässer gelangen. «Bis 2021 müssen alle Bauern im Kanton die neuen Auflagen erfüllen», sagt Bruno Schwaller, Landwirt aus Recherswil. Ende Juli hat er den Bau seines Füll- und Waschplatzes abgeschlossen. Da er kein Vieh und deshalb kein grosses Güllenloch auf dem Hof hat, musste er alles neu auf die Beine stellen. Betriebe mit Tierhaltung sind nämlich von den Richtlinien weniger betroffen. Diese verfügen meist über eine dichte Güllegrube, auf welcher sie ihre Maschinen mit Pflanzenschutzmittel befüllen dürfen.

Anlagen sind eine grosse Investition für die Bauern

Unter Schwallers Waschplatz hat es einen Auffangtank. «Von da aus bringen wir das Abwasser zusammen mit der Gülle auf die Felder. Dort wird es entsprechend verdünnt verwertet», erklärt Schwaller. Damit die Funktion des Tanks stets gewährleistet sei, müsse die Anlage überdacht sein.

«So kann der Tank nicht mit Regenwasser volllaufen oder durch Regen Pflanzenschutzmittel in die Umwelt getragen werden», erklärt Schwaller. Für ihn ist das eine grosse Investition. «Wir versuchen stets, uns zu verbessern», ist er der Meinung. Trotz viel Eigenleistung habe der Bau jedoch um die 90000 Franken gekostet. «Ich bin gelernter Schreiner und konnte viele Arbeiten selbst übernehmen», berichtet der 40-Jährige aus Recherswil. Da das Dach komplett neusaniert werden musste, habe es etwas mehr gekostet.

, sagt er.

Seit letztem Jahr können die Bauern finanzielle Unterstützung beim Neubau eines Füll- und Waschplatzes anfordern. Gemäss Andreas Schwab, Stellvertretender Geschäftsführer der Solothurnischen Landwirtschaftlichen Kreditkasse (SLK) mit einem Beitrag von bis zu 50 Prozent an die Gesamtkosten. «Die Gelder kommen zur Hälfte vom Kanton und zur Hälfte vom Bund», erklärt Schwab. Dieses Jahr habe der SLK einige Anfragen bekommen.

«Momentan bearbeiten wir über 10 Anträge», sagt Schwab. Letztes Jahr seien vier Füll- und Waschanlagen mitfinanziert worden. Dafür müssten die Bauern ein separates Gesuch bei der SLK stellen. «Die Beiträge werden erst ausgezahlt, nachdem die entsprechende Schlusskontrolle der fertigen Anlage durch einen SLK-Berater durchgeführt wurde», berichtet Schwab. Die Baukosten seien je nach Platz unterschiedlich. «Für Einleitung eines bestehenden Platzes in die Güllegrube ist mit ungefähr 10'000 Franken zu rechnen. Ein neuer Füll- und Waschplatz kostet bis zu 60'000 Franken», bestätigt Schwab.

Kantonale Entwicklungen im Gewässerschutz

Gemäss Reto Zünd, vom Amt für Umwelt, vergibt der Kanton die Baubewilligungen für die Füll-und Waschplätze. «Der Entscheid liegt beim Kanton, weil es um wassergefährdende Stoffe geht», begründet Zünd. Bei der Kontrolle der fertigen Bauten seien zudem die Gemeinden involviert. «Dazu gehört unter anderem eine Dichtekontrolle der Plätze», sagt Zünd.

Die Abteilung für Abwasserentsorgung arbeite seit 2014 auch im landwirtschaftlichen Bereich an der Kontrolle der Gewässerschutzzonen. Das Hauptziel sei, in diesem Bereich das Gefährdungspotenzial durch Pestizide einzugrenzen. Die Pestizidrückstände im Grundwasser stammen aber nicht nur aus dem Ackerbau. «Das ist sicherlich ein Teil davon. Die Problematik tritt jedoch auch beim Bau und in der Fasadenbehandlung auf», erklärt Zünd. Das grösste Problem sei die punktuelle Eintragung. «Am gefährlichsten für das Grundwasser ist es, wenn bei der Befüllung der Spritzgeräte ein Unfall passiert und das konzentrierte Pflanzenschutzmittel in den Boden sickert», erklärt Zünd.

«Das Projekt, um Pestizide in den Gewässern zu verringern, ist in den Grundwasserschutzzonen S2 und S3 abgeschlossen», bilanziert Zünd. «Nun geht es weiter mit der Kontrolle des Gewässerschutzbereichs und dem Zuströmbereich, wo das Grundwasser hingeströmt wird», erklärt er. Das Nitratgebiet Gäu-Olten sei insbesondere betroffen. «Wir starten mit den grossen Landwirtschaftsbetrieben und arbeiten uns zu den Kleineren durch», so Zünd. Die Anlagen seien lediglich ein Teil des Projektes. «Eine Füll- und Waschanlage ist die sicherste Lösung.»

Hinweis

Bericht Zustand der Solothurner Gewässer 2020

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1