Frage der Woche

Solothurner Ständeratskandidaten nehmen Stellung zum Vaterschaftsurlaub

Die Solothurner Ständeratskandidaten beschäftigen sich mit der Frage zum Vaterschaftsurlaub. Zu viel, zu wenig – oder gar überflüssig?

Showdown nach einer langen und intensiven Debatte diese Woche im Bundeshaus: Der Nationalrat hat sich wie zuvor der Ständerat für zwei Wochen Vaterschaftsurlaub ausgesprochen. Unklar ist zum heutigen Zeitpunkt allerdings, ob die Initianten des Volksbegehrens für vier Wochen ihre Initiative nun zurückziehen werden oder nicht. Dies auch im Bewusstsein dafür, dass im Parlament der Ruf nach grosszügigeren Elternzeitmodellen lauter wird.

Wir fragen die Solothurner Ständeratskandidaten in der ersten Frage der Woche vor den Wahlen am 20. Oktober: zwei Wochen gesetzlicher Vaterschaftsurlaub – viel zu wenig, gerade richtig oder überflüssig, weil es die Wirtschaft selber regelt? Lesen Sie die Antworten unten.

Pirmin Bischof, bisher (CVP)

Pirmin Bischof

Pirmin Bischof

Ein gutschweizerischer Kompromiss! Wenn im Nationalrat zwei Drittel aus CVP, FDP, SP, Grünen, Grünliberalen und BDP bei einer umstrittenen Vorlage Ja sagen, dann stimmt die Richtung. Die Schweiz ist in Sachen Mutterschaftsurlaub, Tagesschulen, externer Kinderbetreuung u.ä. sehr zurückhaltend. Für mich ist auch klar: Mutterschaftsurlaub und zahlbare Kinderbetreuung sind zentraler als der Vaterschaftsurlaub. Zudem muss jede Neuerung finanziell für die Wirtschaft tragbar sein. Aber: Studien belegen eindeutig, dass die Kindheit besonders nachhaltig ist, wenn das Kind eine Beziehung zu Mutter und Vater aufbauen konnte. Der «Preis» von 0,06 Lohnprozenten ist für diese weitreichende Wirkung zugunsten unserer Kinder tragbar. 2 Wochen sind nicht die Welt, aber sie bedeuten nach der Geburt etwas und «s isch besser als nüt». Deshalb ziehe ich auch diese 2 Wochen den von einer Volksinitiative geforderten 4 Wochen vor. Letztere hätte kaum eine Chance und es bliebe ein Scherbenhaufen.

Roberto Zanetti, bisher (SP)

Roberto Zanetti

Roberto Zanetti

Zwei Wochen Vaterschaftsurlaub ist ein erster und wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Wenn wir es aber mit der Überwindung überholter Geschlechterrollen und der Familienförderung wirklich ernst meinen, werden wir in Zukunft nicht um eine deutlich längere Elternzeit herumkommen. Ein Blick ins Ausland zeigt, dass wir familienpolitisch noch in der Steinzeit leben. Unlängst ist mein Göttibub Papi geworden. Da sich das Baby nicht an die Terminvorgaben der Schwangerschaftstechnokraten gehalten hat und ein paar Tage früher zur Welt gekommen ist, konnte sein Papi bloss am Tag der Geburt dabei sein. Am nächsten Tag musste er wieder zur Arbeit. Das war ein bisschen mickrig und gar nicht kinder- und familienfreundlich. Die auf den geplanten Geburtstermin angesetzten Ferien kamen zu spät. Das alles hat aber dem Kleinen nichts anhaben können: Er ist ein strammer Bursche und entwickelt sich prächtig! Mit seinen Eltern und seinem Schwesterlein hat er mich auch schon besucht. Das war ein Freudentag!

Christian Imark (SVP)

Christian Imark

Christian Imark

Elterliche Verantwortung kann nicht dem Staat delegiert werden. Ein Kind gross zu ziehen, benötigt viel Zeit und Willen. Mit Schwangerschaft, Geburt und zwei Wochen Urlaub ist es längst nicht getan. Es liegt in der Pflicht der Eltern, sich diese Zeit zu nehmen, sich zu organisieren und wenn nötig zu verzichten. Der Staat ist in den letzten Jahren bereits mehr als genug gewachsen. Der private Sektor hingegen stagniert. Das kann auf Dauer nicht funktionieren. Während sich grosse Unternehmen neue Regulierungen und Verteuerungen vielleicht leisten können, trifft es das Kleingewerbe doppelt so hart. Ferienplanung, Militärabwesenheiten, Weiterbildungstage, krankheits- und unfallbedingte Absenzen sind eine grosse Herausforderung für eine Unternehmung. Es sind individuelle Lösungen gefragt, die mit den Mitarbeitenden direkt abzusprechen sind. Jedes neue Gesetz, das in Bern entsteht, kostet das Gewerbe und den Mittelstand viel Geld. Aus diesen Gründen sage ich Nein zum Vaterschaftsurlaub.

Stefan Nünlist (FDP)

Stefan Nünlist

Stefan Nünlist

Der beschlossene zweiwöchige Vaterschaftsurlaub ist ein valabler Kompromiss und Zwischenschritt als Gegenvorschlag zur Volksinitiative, welche vier Wochen fordert. Die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein wichtiges Anliegen. Damit werden einem gesellschaftlichen Bedürfnis Rechnung getragen und die Wirtschaft gestärkt. Während grössere Unternehmen eigenständig bereits grosszügigere Lösungen einführen konnten, sind kleinere Unternehmen auf einem klaren Rahmen und eine Abgeltung der zusätzlichen Kosten angewiesen. Besser noch als zwei Wochen für den Vater wäre eine fortschrittlichere Lösung, die den Eltern die Wahl lässt. Der bestehende Mutterschaftsurlaub von 14 Wochen sollte durch einen flexiblen sechzehnwöchigen Elternurlaub ersetzt werden: Die ersten acht Wochen nach der Geburt sind zwingend reserviert für die Mutter. Dann sollen die weiteren acht Wochen flexibel und einvernehmlich auf beide Eltern verteilt werden können.

Felix Wettstein (Grüne)

Felix Wettstein

Felix Wettstein

Der zweiwöchige Vaterschaftsurlaub ist ein erster wichtiger Schritt. Und er ist sehr zu begrüssen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es «die Wirtschaft» nicht selber regelt, obwohl der Bedarf schon lange angemeldet ist. Noch immer gewähren viele Unternehmen und Gemeinwesen für Väter nur gerade das gesetzliche Minimum von einem einzigen freien Tag. Im internationalen Vergleich schneidet die reiche Schweiz allerdings auch mit 10 Arbeitstagen Vaterschaftsurlaub in Sachen Familienfreundlichkeit schlecht ab. Letztlich muss es darum gehen, dass alle Mitglieder der jungen Familie eine tragende Beziehung zueinander aufbauen können und dass von den Erwachsenen niemand den Anschluss an den Beruf verliert. Das ist nicht nur im Interesse der Familie selbst, sondern im dringenden Interesse des Arbeitsmarktes. Darum ist der Weg in die Zukunft auch mit Sicherheit finanzierbar. Er heisst «Elternzeit». Das Maximum soll ein Paar dann ausschöpfen können, wenn sich beide beteiligen.

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