Die Hotellerie in den Solothurner Städten schreibt eine Erfolgsgeschichte: Sowohl in Solothurn, in Olten und in Grenchen ist die Anzahl der Logiernächte seit 2002 massiv gestiegen (siehe Tabelle). Deutlich mehr als in der Gesamtschweiz.

Viele Geschäftstouristen

Für das starke Wachstum gibt es Gründe, die für alle regionalen Zentren gelten. So ist etwa der Anteil des Geschäftstourismus sehr hoch. Stefan Ulrich, Geschäftsführer von Olten Tourismus, schätzt den Anteil auf bis zu 85 Prozent. Noch höher ist der Anteil in Grenchen. «Bei uns liegt dieser bei gegen 95 Prozent», meldet Hotelier John Traub. Er führt seit 1992 das «Airporthotel» als Familienbetrieb und ist Mitglied im Vorstand von Grenchen Tourismus. Und in der Kantonshauptstadt spricht Jürgen Hofer, Direktor von Region Solothurn Tourismus, von «einem tragenden Element».

Der einhellige Tenor: Der Geschäftstourismus ist weniger preissensibel als der Freizeittourismus. Zwar macht der starke Franken die Übernachtung für ausländische Gäste teurer. Die Geschäftsleute sind aber unabhängig der Wechselkurse unterwegs.

Daneben gibt es ganz spezifische Gründe für das hohe Wachstum bei den Übernachtungszahlen. In Solothurn löste das 2006 eröffnete Hotel «Ramada» mit 100 Zimmern «einen Quantensprung» aus, erinnert sich Hofer. Das Hotel generiert rund 20 000 Übernachtungen pro Jahr. Die anderen Hotels hätten nachgezogen, ihre Infrastruktur erneuert und modernisiert. «Das ‹Gesamtpaket› brachte viele neue Gäste nach Solothurn.» Die gleichzeitig gestartete intensive Vermarktung des Bereichs Seminar- und Kongresstourismus habe zum überdurchschnittlichen Schwung beigetragen.

Lage: «Nahezu perfekt»

Auch die Oltner Hotellerie habe von einem Ausbau des Hotelangebotes und der Positionierung als Konferenz- und Kongressstadt profitiert, sagt Stefan Ulrich. Olten sei an den entsprechenden Fachmessen sowie in Fachzeitschriften gezielt präsent. «Das hat sich gelohnt.» Aber stärker als in den anderen Städten ist die geografische Lage von Olten «machtentscheidend». Die Erschliessung mit dem öV und mit dem Privatverkehr sei «nahezu perfekt». Zudem könne die Oltner Hotellerie auch Kostenvorteile gegenüber Städten wie Zürich, Basel oder Luzern ausspielen.

Auch das verbesserte Übernachtungsangebot stärke die Nachfrage. «Praktisch jedes Hotel hat saniert und viel Geld in die Infrastruktur gesteckt.»

Die starke Zunahme der Logiernächte in Grenchen führt Hotelier John Traub ganz direkt auf die Neueröffnung seines Airporthotels 2006 zurück. Das Drei-Stern-Haus verfügt über 44 Zimmer. «Vorher mussten die Firmen ihre Gäste vielfach nach Biel, Solothurn oder gar nach Bern auslagern.» Positiv wirke auch das Velodrome als neues nationales Aushängeschild. Das im Vergleich zu Solothurn und Olten zahlenmässig bescheidene Niveau bei den Übernachtungen will Traub nicht negieren. «Die nahegelegene touristische Konkurrenz mit Biel und dem See sowie Solothurn mit der Altstadt ist gross.» Deshalb sei die Abhängigkeit der Industriestadt von der Konjunktur grösser. So sei die momentane Uhrenkrise spürbar.

Jürgen Hofer gibt sich für die Stadtsolothurner Hotellerie optimistisch. «Die Marke von 100'000 Logiernächten ist zwar ambitiös, aber erreichbar.» Allein in diesem Jahr rechnet er mit der Überschreitung der Grenze von 90'000 Übernachtungen. Dazu beitragen werde die Wiedereröffnung des Hotels «La Couronne» im Mai. Dagegen stuft Stefan Ulrich das Wachstumspotenzial für Olten bescheidener ein. «Wir haben heute ein ansehnliches Niveau erreicht. Wir sind zufrieden, wenn wir kontinuierlich wachsen.»

Raum für Freizeitourismus

Der hohe Anteil des Geschäftstourismus allein kann die Hotels aber nicht füllen. Alle drei Städte verzeichnen eine Auslastung von rund 60 Prozent. Über die Wochenenden und während den Ferienzeiten bleiben viele Betten leer. «Jeweils ab Donnerstag sackt die Belegung brutal ab», sagt der Grenchner John Traub. «Im Segment Freizeittourismus hat es noch Luft nach oben,» heisst es unisono.