Auf dem Trockenen

Solothurner Kraftwerke produzieren wegen Trockenheit kaum Strom

In den Solothurner Wasserkraftwerken stehen derzeit viele Turbinen still. Der Grund ist die lang anhaltende Trockenheit.

In den Solothurner Wasserkraftwerken stehen derzeit viele Turbinen still. Der Grund ist die lang anhaltende Trockenheit.

Die ausserordentliche Trockenheit im letzten Halbjahr macht den Betreibern von Solothurner Wasserkraftwerken noch immer zu schaffen. In vielen Kraftwerken stehen Turbinen still. Die niedrige Wasserführung drosselt die Stromproduktion.

Endlich fällt Niederschlag! Das zumindest dürften sich die Betreiber von Wasserkraftwerken sagen. Denn seit dem Sommer stockt die Stromproduktion. Schuld daran ist die ausserordentliche Trockenheit, die seit Juni anhielt. Der niedrige Wasserstand macht den Kraftwerksbetreiber im Kanton Solothurn noch immer zu schaffen. Viele Turbinen stehen still. Und das seit Monaten.

«Für die Wasserkraft war 2015 kein gutes Jahr», sagt Gabriel Zenklusen vom kantonalen Amt für Umwelt. Die Rechnung sei einfach: Weniger Wasser gäbe weniger Strom. Fallen dann noch andere Stromquellen aus, könne es einen Engpass geben.

Die nationale Netzbetreiberin Swissgrid warnte im Dezember, dass die Energieversorgung für den Winter angespannt sei. Begründet wurde dies etwa mit fehlender Bandenergie: Laufwasserkraftwerke produzierten weniger, Speicherseen seien unterdurchschnittlich gefüllt, die Atomkraftwerke Beznau 1 und 2 ausser Betrieb. Unterdessen produziert der Block 2 des Atomkraftwerks im aargauischen Döttingen wieder Strom. Das trage zur Entspannung der Lage bei, teilt Swissgrid auf Anfrage mit. Entwarnung gibt die Netzbetreiberin aber nicht. In den Bergen seien die Füllstände der Speicherseen weiterhin gesunken.

Kraftwerke seien kaum rentabel

Der Energiekonzern Alpiq betreibt im Kanton die Wasserkraftwerke in Flumenthal, Ruppoldingen und Gösgen. Seit Juli produzieren sie 20 bis 30 Prozent weniger als im langjährigen Mittel. «Derzeit erzeugen wir nur etwa ein Drittel der Energie, die wir bei optimalen Wassermengen erzeugen könnten», sagt Alpiq-Sprecher Andreas Meier. Für das Unternehmen heisst das: weniger Umsatz bei gleichbleibenden Kosten. Und das in einem angespannten wirtschaftlichen Umfeld.

Meier spricht vor allem die hohen Gebühren und Wasserzinsen an, die bei den Wasserkraftwerken anfallen. «Die drei Flusskraftwerke der Alpiq an der Aare lassen sich aktuell nicht mehr rentabel betreiben», sagt er. Wenn die Wasserkraft in der Energiestrategie 2050 eine tragende Rolle spielen soll, brauche es bessere Rahmenbedingungen.

Gedrosselt ist die Stromproduktion derzeit auch im Kraftwerk Aarau, das zu 80 Prozent dem Kanton Solothurn gehört. «Durchschnittlich waren in den letzten drei Monaten nur fünf von elf Maschinen in Betrieb, sagt Roland Dätwyler, Medienverantwortlicher bei der Betreiberin IBAarau. Der Grund sei die niedrige Wasserführung der Aare. Seit Oktober ist diese zwischen 16 bis 37 Prozent unter dem zehnjährigen Durchschnitt. 2015 entstehen dadurch Einbussen von über sechs Prozent. «Die Kosten für das Betriebspersonal, der Konzession und Amortisation der Anlagen bleiben trotz Minderproduktion aber gleich hoch», sagt Dätwyler.

Auch die Kleineren kämpfen

Im Kanton Solothurn stehen insgesamt zehn grössere Wasserkraftwerke. Gemeinsam decken sie rund die Hälfte des Solothurner Stromkonsums ab. Im Dezember hätte auch das neue Kleinwasserkraftwerk an der Dünnern ans Netz gehen sollen. Nur: «Statt 400 Kilowatt Strom produzierte das Werk 8 Kilowatt», sagt Andreas Appenzeller, Projektbetreuer und Geschäftsleiter der ADEV Wasserkraftwerk AG. Es fehlte an Wasser. Die Produktion wurde zwischenzeitlich eingestellt. Letzten Samstag konnte das Kraftwerk wieder in Betrieb gehen – dank der kürzlich gefallenen Niederschlägen. Appenzeller hofft nun auf weiteren Regen.

Vier Wasserkraftwerke stehen auch am Emmenkanal. Je eins in Biberist und Derendingen, zwei in Luterbach. Auch diese liefen nicht gut, sagt Appenzeller. «2015 war sogar schlechter als 2003.» Wie schlecht, könne er aber noch nicht sagen. Dazu fehle noch die Auswertung der Daten. Doch die tiefe Produktion schlägt auf den Umsatz. «Wir werden 2015 keinen Gewinn machen.» Da die Kraftwerke aber meist auf lange Jahre finanziert seien, sollte ihnen ein schlechtes Jahr nicht das Genick brechen.

Auch wenn derzeit Wasserkraftwerke weniger Strom produzieren und die allgemeine Lage angespannt ist – frieren wird niemand müssen. Die geringere Produktion hat keinen direkten Einfluss auf die Stromversorgung. Versorger wie die AEK, Regioenergie oder Aare Energie bestätigen, dass der Strom nicht ausgehen wird. Fehlt der Strom in der Schweiz, kommt er halt vom Ausland.

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