Psychiatrische Dienste

Solothurn schliesst die stationäre Kinder- und Jugendpsychiatrie

Die psychiatrische Klinik in Langendorf.

Die psychiatrische Klinik in Langendorf.

Es ist vor allem eine Reaktion auf den Fachärztemangel: Ende Jahr wird die stationäre Einheit der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Solothurn geschlossen. Die Solothurner Spitäler AG arbeitet in diesem Bereich künftig mit den universitären Zentren in Basel und Bern zusammen. Das ambulante Angebot wird dafür ausgebaut.

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie wird neu organisiert. Das ambulante Angebot wird ausgebaut, die stationäre Abteilung mit 18 Betten in der psychiatrischen Klinik in Solothurn Ende Jahr geschlossen. Für die stationäre kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung arbeitet die Solothurner Spitäler AG soH ab nächstem Jahr mit den universitären psychiatrischen Kliniken Basel, der Psychiatrie Baselland und den universitären psychiatrischen Diensten Bern zusammen.

Dass Änderungen anstehen, hatten die psychiatrischen Dienste soH bereits vergangenen Sommer mit der Information über den Abgang von Barbara Wendel-Widmer, Chefärztin Kinder- und Jugendpsychiatrie, per Ende März angekündigt. Der Mangel an Fachärzten und anderem Fachpersonal in kinder- und jugendpsychiatrischen Institutionen der ganzen Schweiz werde sich in den nächsten Jahren verschärfen. Das zwinge die psychiatrischen Dienste, sich Gedanken über die zukünftige, nachhaltige Versorgung der Solothurner Bevölkerung in diesem Bereich zu machen. Inzwischen ist die Nachfolge an der Spitze der Kinder- und Jugendpsychiatrie geregelt, und nun steht auch fest, wie es beim Leistungsangebot weitergehen soll. Wie die soH am Dienstag mitteilte, werden die Notfallambulanz in Solothurn und die vier Ambulatorien in Solothurn, Grenchen, Balsthal und Olten durch aufsuchende Angebote ergänzt. Man schaffe damit eine wichtige Abrundung in der Entwicklung moderner psychiatrischer Angebotsstrukturen, denn: Auch wenn Kinder und Jugendliche unter komplexen und akuten psychischen Störungen litten, könne der Behandlungserfolg in vielen Fällen optimiert werden, wenn sie in ihren sozialen Umfeldern fachlich unterstützt werden.

Solothurn ist zu klein

Zur Schliessung der stationären Einheit in Solothurn verweisen die psychiatrischen Dienste darauf, dass schon heute rund ein Viertel der stationär behandlungsbedürftigen Kinder und Jugendlichen ausserkantonale Angebote aufsucht. Die kleine Klinik in Solothurn könne nicht für alle Behandlungen das richtige Leistungsangebot bieten. Und man ist nun im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung offensichtlich zum Schluss gekommen, dass die stationäre Kinder- und Jugendpsychiatrie in Solothurn nicht die Grösse hat, um eine differenzierte und spezialisierte Versorgung auszubauen – nicht zuletzt auch wegen dem sich zuspitzenden Fachpersonalmangel. Dass stationäre Behandlungen künftig in Bern, Basel oder Liestal erfolgen müssen, mag ein der Not gehorchender Entscheid sein, von einem Leistungsabbau mag Martin Hatzinger, Direktor der psychiatrischen Dienste, aber nicht sprechen. Für ein qualitativ hochstehendes Angebot brauche es einfach eine gewisse Grösse, und für die jährlich rund 60 bis 70 stationären Behandlungen von jugendlichen Solothurner Patienten sei die Kapazität in den universitären Zentren gewährleistet.

Vom ergänzenden ambulanten Angebot verspricht man sich im Übrigen, dass der Bedarf an stationären Behandlungen trotz zunehmender Inanspruchnahme von kinder- und jugendpsychiatrischer Hilfe stabil gehalten oder sogar reduziert werden kann. Wie Martin Hatzinger erklärt, geht es bei den aufsuchenden Angeboten um den Aufbau eines mehrköpfigen Teams aus Ärzteschaft, Psychologen, Pflege und Sozialpädagogik, das eine intensive Betreuung für schwer erkrankte Kinder gewährleisten kann.

Autor

Urs Moser

Urs Moser

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