Corona

Solothurn baut das Contact Tracing aus, «aber das System stösst irgendwann an Grenzen»

Vorbildlich: Ein Mitarbiter des ersten Drive-in-Festivals in Härkingen am vergangenen Wochenende kontrolliert, ob die Besucher ihr Contact-Tracin_formular ausgefüllt haben.

Vorbildlich: Ein Mitarbiter des ersten Drive-in-Festivals in Härkingen am vergangenen Wochenende kontrolliert, ob die Besucher ihr Contact-Tracin_formular ausgefüllt haben.

Der Kanton intensiviert das Contact Tracing, aber das sei kein Allerheilmittel, warnt Kantonsarzt Lukas Fenner. Und vor allem: Es funktioniere nur, wenn Kontaktlisten korrekt geführt sind. Bei einem Fall wie der Party in der Zürcher «Flamingo-Bar» stösst das System an seine Grenzen.

Am Dienstag stieg die Zahl der bestätigten Covid-19-Fälle im Kanton auf 459, das sind drei mehr als am Vortag. Die Zunahme lag seit Beendigung der ausserordentlichen Lage meist bei einem oder zwei neuen Fällen pro Tag. Das ist überschaubar, auch für das mit dem sogenannten Contact Tracing beauftragte Team. Dem Contact Tracing, der Rückverfolgung, kommt eine zentrale Bedeutung zu, um bei einem erneuten Anstieg der Covid-19-Fälle Infektionsketten zu erkennen und nach Möglichkeit zu unterbrechen. Für diese Aufgabe stehen aktuell rund 400 Stellenprozente zur Verfügung, verteilt auf ein Kernteam mit drei Personen und ein erweitertes Team mit fünf Personen. Dazu kommt ein Reservepool mit 15 Mitarbeitenden, die bei Bedarf ebenfalls für das Contact Tracing rekrutiert werden könnten.

Und wie funktioniert dieses Contact Tracing überhaupt? Wird eine Ansteckung gemeldet, nimmt das Team Contact Tracing mit der betreffenden Person Kontakt auf. Es wird etwa erfragt, ob sie bereits mit einem behandelnden Arzt Kontakt aufgenommen und die Verhaltensanweisungen des Bundesamts für Gesundheit zur Isolation verstanden hat. Die Person wird instruiert, sich bei einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes umgehend bei einem Arzt zu melden. Dann wird eruiert, mit wem die Person engeren Kontakt hatte: Haushaltsangehörige, Intimkontakte, weitere Personen, denen jemand in der ansteckenden Phase (48 Stunden vor Symptombeginn) länger als 15 Minuten näher als 1,5 Meter kam. Auch mit diesen nimmt man Kontakt auf und ordnet die Quarantäne an. Bisher konnten übrigens alle Betroffenen in ihrem häuslichen Umfeld in Quarantäne gehen. Die dafür vom Kanton bereit gehaltenen Strukturen für Fälle, wo dies nicht möglich ist, mussten nicht in Anspruch genommen werden.

Sieben Personen in Isolation und 36 Personen in Quarantäne

Wie gesagt, bei der aktuell tiefen Fallzahl ist das zu bewältigen. Derzeit befinden sich im Kanton Solothurn sieben Personen in Isolation und 36 in Quarantäne. Aber was ist, wenn man mit einem Fall wie dem «Superspreader-Club» in Zürich konfrontiert würde und innert kürzester Zeit hunderte von Personen ausfindig gemacht und unter Quarantäne gestellt werden müssten? Man bereite auch solche Szenarien vor und aufgrund des modularen Aufbaus des Teams Contact Tracing könne man sich dynamisch an die Lage anpassen, heisst es von Kantonsarzt Lukas Fenner. Aber: «Es ist klar, dass das Contact Tracing irgendeinmal an seine Grenzen stösst», so Fenner weiter. Im Klartext: Passiert das, wovor sich alle fürchten – eine Vielzahl von Ansteckungen an einer Grossveranstaltung – kommt das System an den Anschlag.

Das Contact Tracing sei kein Allerheilmittel. Und vor allem: «Es funktioniert nur, wenn Kontaktlisten korrekt geführt sind und sich symptomatische Personen auch testen lassen», betont Kantonsarzt Fenner. Zu gewährleisten, dass man überhaupt über brauchbare Kontaktdaten verfügt, sei tatsächlich ein grosses Problem, da würden nur strenge Kontrollen der Schutzkonzepte helfen, bei denen das Amt für Wirtschaft und Arbeit nun vermehrt auf Clubs und Bars fokussiert. Allerdings: Die Betreiber sind gemäss Covid-19-Verordnung zwar verpflichtet, Kontaktdaten der Anwesenden zu erheben, aber nicht verpflichtet, diese zu kontrollieren.

Autor

Urs Moser

Urs Moser

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