Geschenk
Sollen zu Weihnachten Tiere verschenkt werden? Tierschutz rät davon ab

Weihnachten steht vor der Tür. Und wie so oft wünschen sich Kinder ein Haustier. Die Tierheime im Kanton Solothurn und die Tierschutzorganisation Vier Pfoten raten vor schnellen Entscheidungen ab.

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Eine Katze unter dem Weihnachtsbaum – das wünschen sich viele Kinder. (Themenbild: Berühmtester Kater Grossbritaniens Larry)

Eine Katze unter dem Weihnachtsbaum – das wünschen sich viele Kinder. (Themenbild: Berühmtester Kater Grossbritaniens Larry)

Rick Findler

Der grösste Weihnachtswunsch vieler Kinder ist ein Haustier. Kurz eine Katze, ein Hund oder ein Kaninchen adoptieren, das sollte doch einfach sein. Doch viele Leute sind sich dem Aufwand und der Verantwortung nicht bewusst.

Das Tierheim Tierdörfli in Wangen bei Olten sieht diese Geschenkidee als keine gute Idee. Die Aufnahme eines Haustieres sollte sorgfältig geplant sein, sagt Susanne Klein, Leiterin des Tierheimes. «Bei einer Adoption müssen viele verschiedene Faktoren übereinstimmen», sagt sie. Man solle sich darum unbedingt zuvor mit dem Beschenkten unterhalten und die Wohn- und Situationsumstände genau betrachten. Das Tierheim Tierdörfli rät darum als Alternative eine Tierpatenschaft, ein Stofftier oder ein Sachbuch zu verschenken.

Leider könne es vorkommen, dass nach den Festtagen Spontangeschenke als Verzichtstiere im Tierdörfli landen. Da sei es auch schon vorgekommen, dass nebst Hunden und Katzen eine Ziege einen Schlafplatz bei ihnen suchte. Glücklicherweise komme es selten vor, dass Tiere, die vom Tierdörfli zur Adoption frei gegeben wurden, wieder zurück kommen. Trotzdem sei dies nicht auszuschliessen. Vor einer Adoption achten die Mitarbeiter besonders darauf, dass die Tiere in gute Hände kommen. Die zukünftigen Halter müssen dazu eine Reihe von Anforderungen erfüllen (siehe Box).

Tieradoption

- Termin vereinbaren für Besichtigung und persönliches Gespräch

- Vorstellung verschiedener Tiere, damit Eigenschaften und Verträglichkeit zu einander stimmen

- Bei Hunden: Mehrer Spaziergänge in der Umgebung für Kennenlernen

- Gespräch zu artgerechter Haltung

- Wohnsituation und Umgebung sowie Zeitaufwand klären

- Bewusstsein für Verantwortung und Kosten

- Bestätigung des Vermieters (falls Mietwohnung)

- Unterzeichnung Tierplatzierungsvertrag

- Bei Hunden folgt zuerst ein Probewohnen

Tierschutz rät davon ab

Auch die Tierschutzorganisation Vier Pfoten unterstützen Tiergeschenke zu Weihnachten nicht. Auf Anfrage schreibt die Stiftung in einem Statement: «Wir raten dringendst davon ab. Ein Tier bedeute jahrelange Verantwortung und eine finanzielle Belastung.» Weiter schreibt Kampagnenmitarbeiterin Yasmine Wenk, dass jeder Mensch kritisch für sich entscheiden solle, ob er den tiereigenen Ansprüchen gerecht werden könne. «Tiere sollen nicht als Geschenke überreicht werden. Denn wer ein Tier verschenkt, verschenkt ein Leben und damit eine grosse Verantwortung», sagt Wenk.

Hunde können bis zu 14 Jahre alt werden und Katzen sogar bis zu 20 Jahre. Da geht man eine Verpflichtung für mehrere Jahre ein. In einem eigenen Artikel der Stiftung schreibt Jasmine Wenk, welche Verantwortung man als Tierhalter trägt und will damit aufmerksam machen.

Nicht so strenge Regeln

Auch das Tierheim Aarebrüggli in Grenchen erhält in der Weihnachtszeit immer wieder Anfragen für Tieradoptionen. Das habe in letzter Zeit aber etwas abgenommen, sagt eine Mitarbeiterin des Tierheimes. Bestimmte Bedingungen für eine Adoption gebe es nicht unbedingt. Die neuen Halter sollen das Tier zuvor besuchen kommen und während eines Gespräches werde über die Tierhaltung gesprochen. Dass Tiere wieder zurück ins Heim kommen, gebe es sehr selten, sagt die Mitarbeiterin.

Für Tierhalter, die wegen Ferien abwesend sind, gibt es eine Lösung, um das geliebte Haustier nicht zu vernachlässigen. Für eine bestimmte Zeit können Tiere in einem Tierheim platziert werden. Das «Höfli 66» in Nennigkofen nimmt während Abwesenheiten oder stressigen Tagen Tiere bei sich auf. Für die kommenden Weihnachtsferien seien sie schon lange ausgebucht, sagt die Besitzerin. «Bei uns werden die Tiere beschäftigt und erhalten einen Ausgleich.»

Dass Tiere nach den Ferien nicht wieder abgeholt wurden, sei im «Höfli 66» noch nie vorgekommen. Im Tierheim Tierhöfli in Wangen bei Olten passierte dies tatsächlich schon. Glücklicherweise handelt es sich dabei nur um Einzelfälle. (ber)

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