Kanton Solothurn
Private Unterbringung von Flüchtlingen: keine Entlöhnung für Gastfamilien, aber einen Beitrag an die Nebenkosten

Schutzsuchende im Solothurnischen würden primär durch den Kanton und Gemeinde betreut. Für ergänzende Unterbringung in Gastfamilien hat der Kanton Solothurn nun Rahmenbedingungen festgelegt. So gibt es künftig Entschädigungen für höhere Nebenkosten der Gastfamilien.

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In Hägendorf haben Simone Flury und ihr Mann die ukrainische Flüchtlinge bei sich aufgenommen.

In Hägendorf haben Simone Flury und ihr Mann die ukrainische Flüchtlinge bei sich aufgenommen.

Bruno Kissling

Per 1. April hat das Staatssekretariat für Migration (SEM) dem Kanton Solothurn 658 schutzsuchende Personen aus der Ukraine zugewiesen. 420 Personen wurden nach der Flucht direkt von Verwandten und Bekannten aufgenommen. Die übrigen Schutzsuchenden werden zuerst in kantonalen Unterkünften untergebracht und danach auf die Gemeinden und Sozialregionen verteilt.

31 Schutzsuchende wurden bisher in diese kommunalen Strukturen transferiert, wie der Kanton Solothurn am Montag informiert. Weitere 110 Transfers konnten mit den Sozialregionen bereits vereinbart werden.

Der Kanton verfügt mit den Unterkünften «Fridau» Egerkingen, «Bildungsheim» Balmberg sowie «Allerheiligenberg» Hägendorf derzeit über rund 500 Unterbringungsplätze. Aktuell in Betrieb ist die Unterkunft «Fridau» mit einer Kapazität für die Unterbringung von 200 Personen, wovon 160 Plätze belegt sind.

Unterbringung bei Gastfamilien

In den vergangenen Wochen hätten sich zahlreiche Gastfamilien registriert und angeboten, Schutzsuchende aufzunehmen, wie der Kanton Solothurn weiter mitteilt. Auch gebe es viele Private, die bereits Schutzsuchende bei sich aufgenommen hätten.

Der Kanton Solothurn begrüsse und unterstütze diese «ergänzenden privaten Initiativen und Unterbringungsangebote für Schutzsuchende aus der Ukraine».

Gemäss Medienmitteilung habe der Kanton hat nun das weitere Vorgehen festgelegt und Rahmenbedingungen geschaffen, die den hohen Anforderungen an die Unterbringung und an das Zusammenleben in Gastfamilien Rechnung tragen sollen. Zudem wurde die Unterstützung von Gastfamilien mittels Unkostenbeitrag an den Wohn- und Nebenkosten geregelt.

Sorgfältige Abklärung und Begleitung

Bei der Zuweisung von schutzsuchenden Personen aus der Ukraine wolle man gemäss des Kantons die bewährten Systeme nutzen: «Nach der Registrierung in einem Bundesasylzentrum werden die Schutzsuchenden in einem kantonalen Durchgangszentrum untergebracht. Im Moment ist das die Fridau in Egerkingen.»

Bruno Schwaller aus Recherswil ist an die ukrainische Grenze gefahren, um eine ihm unbekannte Flüchtlingsfamilie abzuholen. Die Familie lebt nun im kurzfristig umgebauten Gartenhaus.

Bruno Schwaller aus Recherswil ist an die ukrainische Grenze gefahren, um eine ihm unbekannte Flüchtlingsfamilie abzuholen. Die Familie lebt nun im kurzfristig umgebauten Gartenhaus.

Bruno Kissling

Während des Aufenthalts werde die weitere Zuweisung in eine Sozialregion beziehungsweise in die Gemeinden vorbereitet. Hierbei soll künftig auch die Möglichkeit einer privaten Unterbringung zusammen mit den Schutzsuchenden geklärt und eine geeignete Gastfamilie gesucht werden.

Die Eignung der Gastfamilie und der geplanten Unterbringung werden sorgfältig geprüft und die wichtigsten Regeln in einer Vereinbarung geregelt. Die Vereinbarung gilt in der Regel für sechs Monate. Die Schweizerische Flüchtlingshilfe koordiniert die Prüfung und Begleitung der Gastfamilien.

Bei erhöhten Nebenkosten: Unkostenbeiträge für Gastfamilien

Wie der Kanton Solothurn weiter schreibt, stellen die Gastfamilien zwar den Wohnraum für die Geflüchteten zur Verfügung und leben mit den Schutzsuchenden zusammen, doch müssen sie nicht für deren Lebensunterhalt aufkommen. Bei Bedarf haben die Schutzsuchenden Anspruch auf Sozialhilfeleistungen für den Lebensunterhalt.

«Die Aufnahme der Schutzsuchenden in Gastfamilien wird finanziell nicht entschädigt», schreibt die Staatskanzlei. Die Aufnahme erfolge im Rahmen des sozialen Engagements und der solidarischen Unterstützung.

Jedoch informiert der Kanton, dass Gastfamilien allfällige Beiträge an Wohnkosten (erhöhte Nebenkosten, Mehrverbrauch von Haushaltmaterial) über die Sozialhilfe in Form einer Nebenkostenpauschale geltend machen können.

Bei der privaten Unterbringung von 1-3 Schutzsuchenden sei ein Pauschalbetrag von 200 Franken pro Gastfamilie und Monat vorgesehen. Ab 4 Personen sind es 400 Franken pro Monat und Gastfamilie. Der Kanton orientiere sich hierbei an den Empfehlungen der Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren (SODK).

Vermittlungen ab Mai 2022

Schutzsuchende, die bereits privat untergebracht sind, können sich bei der zuständigen Sozialregion melden, wenn sie bedürftig sind. Hierbei wird auch abgeklärt, ob eine Abgeltung für die Wohnkosten der privaten Unterbringung erfolgen soll.

Weiter teilt die Staatskanzlei mit, dass alle registrierten Gastfamilien, die noch niemanden aufgenommen haben, bis Ende April von den Hilfswerken über die konkreten Bedingungen und das weitere Vorgehen informiert werden. Erste Vermittlungen werden voraussichtlich ab Mai 2022 möglich sein. (sks)