Sitzverlegungen
Es ziehen mehr Firmen aus anderen Kantonen nach Solothurn zu als aus Solothurn abwandern

Ein positives Zeichen für den Wirtschaftsstandort Solothurn: Der Wanderungssaldo bei Sitzverlegungen von Unternehmen ist anhaltend positiv.

Urs Moser
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In 222 Firmen wurden letztes Jahr die Sachen gepackt, um nach Solothurn zu ziehen.

In 222 Firmen wurden letztes Jahr die Sachen gepackt, um nach Solothurn zu ziehen.

Emanuel Freudiger

Besser werden kann man natürlich immer, aber der Kanton Solothurn darf sich durchaus einen attraktiven Wirtschaftsstandort nennen. Ansonsten würden jedenfalls kaum mehr Unternehmen aus anderen Kantonen ins Solothurnische zuziehen, als ansässige in andere Kantone abwandern.

Die Ab- und Zuwanderung von Unternehmen wird seit etlichen Jahren im Auftrag des Kantons von der Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz analysiert. Einerseits anhand der Handelsregisterdaten, aber auch anhand einer Befragung der weggezogenen und seit 2018 auch der neu zugezogenen Unternehmen. Der Wanderungssaldo war in den letzten Jahren mit Ausnahme von 2013 und 2014 immer positiv (vgl. Tabelle unten). Die jüngste Erhebung für das Jahr 2020 ergab 192 Weg- und 222 Zuzüge, also ein Plus von 30 Betrieben. Gegenüber dem Vorjahr sind sowohl etwas mehr Unternehmen weg- wie auch zugezogen, es war also eine insgesamt etwas höhere Wanderbewegung festzustellen, wie den auf der Website der Standortförderung publizierten Daten zu entnehmen ist.

Abgänge in den Aargau, Zuzüge aus Zürich und Bern

Der grösste «Austausch» findet mit den Nachbarkantonen und mit Zürich statt. 43 der Betriebe, die Solothurn letztes Jahr den Rücken kehrten, wanderten in den Kanton Bern ab, 40 in den Aargau, 28 nach Zürich und 21 ins Baselbiet. Ein Wanderungsminus gab es aber nur gegenüber dem Aargau, selbst aus der Wirtschaftsmetropole Zürich haben mehr Betriebe ihren Standort nach Solothurn verlegt als umgekehrt. Insgesamt gebe es aber keinen klaren Mehrjahrestrend bezüglich Zuzugs- und Wegzugskantonen, heisst es in der Zusammenfassung der Analyse der Fachhochschule.

Ein kleiner Wermutstropfen in der alles in allem aus Solothurner Sicht recht erfreulichen Bilanz: Ein Plus an Arbeitsplätzen bringt der positive Wanderungssaldo nicht. Die letztes Jahr aus dem Kanton abgewanderten Betriebe waren tendenziell etwas kleiner als die neu zugezogenen. Der Aspekt dürfte gesamtwirtschaftlich allerdings keine grosse Rolle spielen, da es sich bei den mobilen Firmen hüben wie drüben generell hauptsächlich um Klein- und Kleinstunternehmen handelt. Die abgewanderten Unternehmen zählten im Durchschnitt 7,5 Mitarbeitende, die Neuzuzüger 5,5.

Schon stärker dürfte die regionale Verteilung ins Gewicht fallen. Während sich in den meisten Bezirken Zu- und Wegzüge in etwa die Waage halten, weisen Dorneck und Olten einen deutlich positiven Wanderungssaldo auf.
Was die Verteilung auf die Branchen betrifft, sind etwas mehr Firmen aus dem Baugewerbe weg- als zugezogen, einen deutlich positiven Wanderungssaldo verzeichnete man bei Firmen im Grundstücks- und Wohnungswesen.

Steuern sind eher selten das entscheidende Kriterium

Interessant sind natürlich die Gründe, die ein Unternehmen dazu bewegen, den Kanton zu verlassen oder nach Solothurn zu übersiedeln. Die Analyse der Ab- und Zuwanderungsbewegungen durch die Fachhochschule scheint hier zu bestätigen, was auch in der politischen Debatte immer wieder ins Feld geführt wird: Für die Standortattraktivität ist die Steuerbelastung sicher ein wichtiger Faktor, aber bei weitem nicht der einzige und sogar eher selten der letztlich entscheidende.

In der Befragung zeigte sich zwar schon, dass die weggezogenen Unternehmen die steuerliche Situation im Kanton Solothurn oft als schlechter oder sogar sehr viel schlechter beurteilen als am neuen Standort. Fast ebenso häufig wurden aber die schlechtere Anbindung an den Strassen- und/oder den öffentlichen Verkehr oder allgemein das Image des Kantons als Kritikpunkte genannt.

Bei den letztes Jahr abgewanderten Unternehmen handelt es sich um 33 Einzelfirmen, 93 GmbH und 62 Aktiengesellschaften. Dass der Kanton bei der Unternehmenssteuerreform für die juristischen Personen nicht die ursprünglich avisierte «Vorwärtsstrategie», sondern einen Mittelweg wählte, hat sich somit zumindest unmittelbar nicht negativ ausgewirkt.

Demgegenüber hinderte das steuerliche Umfeld in Solothurn die Zuzüger offenbar nicht, obwohl es auch von ihnen häufig als deutlich schlechter als am alten Standort beurteilt wurde. Positiv fielen hier dafür unter anderem die Verfügbarkeit von Bauland und Geschäftsräumlichkeiten ins Gewicht.
Als konkreter Grund für die Standortverlegung in den Kanton Solothurn wurden denn auch die Verlegung des privaten Wohnsitzes und niedrigere Miet- und Immobilienpreise am häufigsten genannt. Der Kanton Solothurn habe im Covid-Jahr 2020 als Wohnort deutlich an Attraktivität gewonnen, heisst es in der Analyse zur Zu- und Abwanderungsstatistik.

Bei den Wegzügern halten sich das steuerliche Argument, grössere Nähe zum Kunden oder auch «bessere rechtliche Rahmenbedingungen» im neuen Standortkanton als konkrete Wegzugsgründe in etwa die Waage.

Schliesslich fällt auf, dass die staatliche Standortförderung an der «Front» nur einen mässigen Einfluss zu haben scheint. Die befragten Unternehmen würden der Wirtschaftsförderung des Kantons «keine aktive Rolle bei der Verbesserung der Standortqualität» zuweisen, heisst es im Monitoring der Fachhochschule.

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