Solothurner Untergrund
Sie führen einmal jährlich eine Putzaktion durch - für sauberes Trinkwasser in 10 Gemeinden

«Suuberi Büez» für sauberes Trinkwasser: Im Untergrund von Lüterkofen verborgen: Wasser, das in 10 Gemeinden im Kanton getrunken wird. Einmal im Jahr steigt jemand in diesen Untergrund hinab; einmal im Jahr wird eine der beiden Wasserkammern herausgeputzt.

Noëlle Karpf
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Die Fachkräfte tragen Schutzanzüge und Gummistiefel, die sie vor dem Eintritt in die Kammer noch durch Bleichmittel gehen.
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Mit einem langen Schlauch werden auch die 8 Meter hohen Wände runtergewaschen.
Die Stiefel müssen desinfiziert werden bevor es in den Untergrund geht.
Dieses Bild entsteht nur einmal im Jahr: Wenn das Wasserreservoir geputzt wird.
Mit einem Schlauch werden die 8 Meter hohen Wände heruntergewaschen.
So sollen etwa Kalkablagerungen, die in Leitungen entstehen können, aus der Kammer gewaschen werden.
Mit dieser Lanze wird die Kammer später noch von oben bis unten desinfiziert.
Nach einem Herunterwaschen wird die Kammer desinfiziert - dafür trägt Schumacher nun einen weissen Schutzanzug.
Zum Desinfizieren arbeiten die Fachkräfte mit Bleichmittel.
Früher, so wird erzählt, habe man noch mit deutlich aggressiveren Mitteln gearbeitet - der Stoff heute sei unbedenklich einsetzbar.
Daniel Schuhmacher in Aktion.
Die Reinigungsaktion beansprucht den ganzen Tag; Daniel Schuhmacher hält telefonisch Rücksprache.
8'000 Kubikmeter Wasser hat Platz im ganzen Reservoir - 4000 sind es in einer Kammer.
19 Kilometer legt das Wasser vom Reservoir bis nach Grenchen zurück. Von dort aus versorgt es 10 Gemeinden.
So funktioniert das System im Reservoir.

Die Fachkräfte tragen Schutzanzüge und Gummistiefel, die sie vor dem Eintritt in die Kammer noch durch Bleichmittel gehen.

Hanspeter Bärtschi

Wer in Grenchen Hahnenburger bestellt, trinkt Wasser, das auch in Recherswil aus dem Hahnen kommt. Oder in Biberist. Und Selzach. Insgesamt 10 Gemeinden werden mit dem Trinkwasser des Reservoirs der SWG in Grenchen versorgt. Bevor es dort ankommt, legt es einen weiten Weg zurück.

Gesammelt wird das Wasser im Reservoir Bucheggberg. An einer Strasse im Lüterkofen steht von einem Gitter abgeschirmt ein Gebäude. Ein Gebäude, an dem man vorbeifährt, für gewöhnlich nicht hineinschaut.

«Das meiste ist im Erdreich versteckt», sagt Daniel Schumacher. «Aussenstehende sehen nicht, was hier läuft.» Schumacher arbeitet bei der SWG, er ist für die Reinigung der Wasserreservoire zuständig. Seit 15 Jahren reinigt er einmal im Jahr das, was im Erdreich versteckt ist.

8000 Kubikmeter Wasser – verteilt auf zwei Kammern

Drinnen läuft tatsächlich einiges, im Eingangsbereich blickt man auf blaue Rohre, die summen und brummen. Wasser aus Kyburg, Obergerlafingen und Recherswil wird ins Bucheggberger hineingepumpt. Der Gang über eine Treppe ins obere Stockwerk zeigt, wohin: in eine kleine Einlaufkammer. Sie liegt eingeschlossen wie in einem grossen Container in der Mitte des Raumes; ein Fenster offenbart das Wasser im Innern, das ganz ruhig im Becken liegt.

Hier im oberen Stock schlüpfen Schuhmacher und sein Arbeitskollege in gelbe Schutzanzüge. Sie gehen um den Container, die Einlaufkammer, herum und steigen, einen zusammengerollten Schlauch über der Schulter, eine Treppe hinab in den Untergrund. In eine der beiden grossen Kammern, in welchen das Wasser von der kleinen Einlaufkammer herkommend gespeichert wird – zwei sind es, damit die eine geleert und gereinigt wird; aus der anderen über eine kleine Auslaufkammer Trinkwasser in die Gemeinden geliefert werden kann.

Nach der Arbeit «muss man nicht mehr ins Fitnessstudio»

Die Kammer, in dir Schumacher hinabsteigt, ist leer, graue Pfeiler stützen die Decke der unterirdischen Kammer. Der Experte erklärt zwischen den Säulen stehend, dass die Kammer am Vortag geleert worden sei. 15 Stunden habe das in Anspruch genommen. Die Kammer ist gross, wenn Schuhmacher spricht, hallt es. Laut ist es auch, als er einen dicken Schlauch über den Boden schleift, noch lauter wird es, als er, von einer kleinen Leiter an der Wand aus ein blaues Rad dreht. Wasser donnert aus der Leitung. Reden ist nun nicht mehr möglich.

chumacher hieft sich den Schlauch über die Schulter und beginnt, die 8 Meter hohen Wände hinunterzuwaschen. In der ganzen grossen Halle. «Am Abend weiss man, was man gemacht hat – ins Fitnessstudio muss man da nicht mehr», sagt Schumacher in einer Pause und lacht.

Später zeigt Schumacher aus dem Untergrund und in einen weissen Schutzanzug. Jetzt wird die Kammer desinfiziert, mit Wasserstoffperoxid – Bleichmittel – und anschliessend noch einmal heruntergewaschen. «Als ich angefangen habe», so Schumacher, «haben wir noch mit Säuremittel gearbeitet, das war ziemlich aggressiv». Heute funktioniere das ganz anders, unbedenklich sei die Reinigung. Mit dieser werden allfällige Keime abgetötet, Kalkablagerungen behandelt.«Das ist wirklich suuberi Büez», sagt Schumacher. Um sauberes Trinkwasser zu gewährleisten.

Diese Arbeit dauert. Schuhmacher und sein Kollege werden an diesem Tag den Schlauch kreuz und quer durch die Kammer schleifen, Wände herunterwaschen, desinfizieren, noch mal herunterwaschen. Dann dauert es Stunden, bis die Kammer, die 4000 Kubikmeter Wasser fasst, gefüllt ist. Und noch etwas länger, dann wird es hier wieder ganz still und dunkel, wie in einem geschlossenen Schwimmbad. Von da an beginnt die Reise des Wassers, zuerst in die kleine Auslaufkammer, dann in die Rohre und Leitungen, die über 19 Kilometer bis nach Grenchen führen. Und von dort aus gelangt es in 10 Gemeinden, sodass es in Grenchen, Recherswil, Biberist und Selzach aus dem Hahnen kommt.