Laupersdorf

Sie begleitet Menschen: Als Pfarrerin in der Kirche, als Armeeseelsorgerin in der Kaserne

Sabine Herold aus Laupersdorf ist reformierte Pfarrerin und die einzige Armeeseelsorgerin aus dem Kanton Solothurn.

Sabine Herold aus Laupersdorf ist reformierte Pfarrerin und die einzige Armeeseelsorgerin aus dem Kanton Solothurn.

Sabine Herold ist seit mehreren Jahren reformierte Pfarrerin. Die Laupersdörferin ist gleichzeitig auch Armeeseelsorgerin - die einzige aus dem Kanton Solothurn. Soeben ist auch sie zurück vom Einsatz während der Coronakrise, der einiges abverlangt hat.

Die Rekrutenschule (RS) trat Sabine Herold mit knapp 43 Jahren an. Wobei: Die Laupersdörferin absolvierte keinen gewöhnlichen Militärdienst. Sie besuchte 2016 zwei je dreiwöchige Schulungen. Danach wurde sie bereits Hauptmann Armeeseelsorge. Das zeigt heute das Abzeichen mit den drei Streifen auf ihrer Uniform. Auf ihrer rechten Schulter prangt zudem das Erkennungszeichen der Infanterie. Am Kragen links ein Abzeichen mit einem Kreuz. Herold ist Armeeseelsorgerin – die einzige aus dem Kanton Solothurn.

Herold, heute 47, ist verheiratet und Mutter von drei Söhnen. Bevor sie zum Militär stiess, war sie erst einmal Pfarrerin. «Das hat mich schon immer interessiert; man begleitet Menschen von der Wiege bis zum Sarg», erklärt die Thalerin, die deshalb Theologie studiert hat. Seit zwölf Jahren ist sie reformierte Pfarrerin und hauptberuflich für die Kirchgemeinde in Wohlen AG zuständig. 2016 begann sie die Ausbildung zur Armeeseelsorgerin, welche sie im selben Jahr auch abschloss.

«Die RS war schon eine spezielle Erfahrung», sagt Herold rückblickend. «Streng – aber auch sehr wichtig.» Pünktlichkeit wurde – wie üblich bei der Armee – grossgeschrieben, aber auch körperliche Fitness war wichtig. Die Pfarrerin musste die Umgangsformen des Militärs lernen bis hin zur korrekten Tragweise der Uniform. «Ich kam in eine ganz andere Welt. Manchmal habe ich mich schon gefragt: ‹Will ich das wirklich machen?›» Dann hat Herold durchgehalten. Es hat sich offenbar gelohnt. Herold berichtet von der Zusammenarbeit mit jungen Menschen, mit welchen sie im Amt als Pfarrerin, abgesehen vom Religionsunterricht und der Konfirmation, eher weniger direkten Kontakt hat.

Sie macht «aufsuchende Seelsorge», besucht Kasernen und Züge, spricht über Gott, die Welt und das Militär. Gleichzeitig bietet sie «erbetene Seelsorge» an, nimmt Anrufe entgegen von Rekruten, die reden möchten. Oftmals geht es um die Umstellungen, die das Militär mit sich bringt: «Von Hotel Mama in die RS», wie Herold sagt – die Religion muss überhaupt nicht Thema sein. «Es gibt Soldaten, die ihren Glauben offen leben, andere behalten ihn eher für sich», so Herold. Bei einigen kommt das Thema auf, wenn sie einen Todesfall in der Familie zu beklagen haben. Andere sprechen Herold ganz locker etwa während eines Marschs auf Gott und die Bibel an. Dieser Kontakt führ auch zu speziellen Erlebnissen. Ein Hauptmann, welchen Herold als Armeeseelsorgerin kennen gelernt hat, hat sie darum gebeten, als Pfarrerin seine Trauung durchzuführen.

Gerade in den vergangenen Wochen, während der Krise, wurden Gespräche gesucht. «Viele hielten das fast nicht aus», berichtet die Armeeseelsorgerin. Auch für sie stellte der Marschbefehl Anfang März eine Herausforderung dar.

Da sein für die Rekruten – ohne zu missionieren

Knapp 70 Tage lang leistete Herold Assistenzdienst. «Von Genf bis Birmensdorf» war Herold im Einsatz, betreute Angehörige der Armee. Auch ihr war Urlaub nicht möglich, auch sie konnte ihre Familie in den ersten Wochen nicht sehen. Einfach war das nicht für die dreifache Mutter. Auch über die Armeeangehörigen hat sie nachgedacht: «Ich habe mir überlegt, was wohl schwieriger ist: Wirklich plötzlich dem Ernstfall gegenüberzustehen, Kranke zu betreuen – oder darauf zu warten, ob noch ein Einsatz kommt oder nicht.»

Gerade in dieser Krisenzeit gab es aber auch schöne, überraschende Momente. Die Militärmusik durfte keine Konzerte spielen. Dafür war sie in kleinen Ensembles unterwegs, und hat etwa am Karfreitag für die Kompanien in den Rekrutenschulen musiziert. Und: «Während der Krise wurden Gottesdienste überall abgesagt. Nur im Militär nicht», berichtet die Armeeseelsorgerin. Die Soldaten äusserten den Wunsch nach Gottesdiensten – oder anderen besinnlichen Momenten; diese konnte man aufgrund von vorhandenen grossen Räumen oder unter freiem Himmel unter Einhaltung des nötigen Abstands auch durchführen. «Das war sehr eindrücklich.» Auch hier stand aber die Religion nicht im Zentrum. Da zum Teil auch Muslime oder Konfessionslose an den Feiern teilgenommen hätten, sei es eher um Momente des Zusammenseins gegangen. «Wir missionieren ja nicht. Als Armeeseelsorgende sind wir einfach da; Menschen für Menschen», sagt Herold. So wie das auch in ihrem Job als Pfarrerin sei.

Ende Mai durfte Armeeseelsorgerin Herold wieder nach Hause. Das war an einem Freitag. Am Pfingstsonntag stand sie bereits wieder in der Kirche für den ersten Gottesdienst – als Pfarrerin.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1