Lohn-Ammannsegg

Seuchenalarm auf dem Bauernhof: Zivilschutz und Veterinärdienst simulieren den Ernstfall

Ein Ausbruch der Maul- und Klauenseuche hätte verheerende Folgen: Alle empfindlichen Tiere im Stall müssten getötet werden und von keinem Betrieb in einem Umkreis von 10 Kilometern würden noch Milch oder Fleisch in den Handel gelangen. Der Zivilschutz und der Veterinärdienst testeten im Rahmen einer Zivilschutzübung in Lohn-Ammannsegg ihr Konzept zur Überwältigung eines solchen Ernstfalls.

Wäre der Ernstfall wirklich eingetreten, dann wären alle 72 Tiere im Stall von Manfred Burki heute längst getötet, und auch von keinem anderen Betrieb in einem Umkreis von 10 Kilometern würden noch Milch oder Fleisch in den Handel gelangen, bis einwandfrei feststeht, dass sich das Virus dort nicht verbreitet hat – auf Wochen, womöglich Monate hinaus.

Nachdem das Amt für Militär und Bevölkerungsschutz letztes Jahr zusammen mit dem Veterinärdienst ein neues Konzept zur Bewältigung von hochansteckenden Tierseuchen und ein Handbuch zur Umsetzung durch die involvierten Stellen erarbeitet hat, wurde nun in den letzten Tagen auf dem Hof von Manfred Burki in Lohn-Ammannsegg die erste Zivilschutzübung dieser Art durchgeführt.

Übungsanlage: Die wohl gefährlichste, zumindest in ihren wirtschaftlichen Folgen verheerendste der hochansteckenden Tierseuchen ist ausgebrochen: die Maul- und Klauenseuche. Tatsächlich ist sie in der Schweiz seit der letzten Epidemie in den 1960er-Jahren kaum mehr aufgetreten, der letzte Fall war 1980 zu verzeichnen. Dass die Gefahr einer Verbreitung hochansteckender Tierseuchen aber real bleibt, zeigt das Beispiel der afrikanischen Schweinepest: Eben wurden neue Fälle aus Polen nahe der deutschen Grenze gemeldet; dass die Seuche bis nach Deutschland vordringt, dürfte kaum noch zu verhindern sein.

30 Mann kämpfen gegen die Verbreitung des Virus

Und für den Fall, dass auch die Region betroffen sein könnte, will man im Kanton Solothurn gewappnet sein. Zurück zum Maul- und Klauenseuchenszenario: Von der Verdachtsmeldung dauert es etwa acht bis zehn Stunden, bis ein Laborbefund vorliegt. Ab diesem Moment geht alles sehr schnell: Wäre wirklich bei einem Tier von Bauer Burki die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden, dann hätte es kaum länger als zehn Minuten gedauert und die Polizei wäre auf seinem Hof einmarschiert und hätte Zu- und Wegfahrten gesperrt.

Etwa fünf Stunden später wäre der Zivilschutz auf Platz, dem bei der Bewältigung eines solchen Krisenszenarios eine tragende Rolle zukommt. Im vorliegenden Übungsfall rückte der Pionierzug am Dienstagmorgen um 8 Uhr in Lohn-Ammannsegg ein, inklusive Kader rund 30 Mann. Etwa einen halben Tag dauert es, bis der Schadenplatz eingerichtet ist: Sperrzonen abgrenzen, Personen-, Material- und Fahrzeugschleusen einrichten und so weiter. Im Zug der Erarbeitung des neuen Konzepts wurde Material für 250 000 Franken beschafft, um drei Schadenplätze einrichten zu können. Wären im Ernstfall mehr Schadenplätze zu bewältigen, müsste man Zivilschutzorganisationen aus anderen Kantonen oder die Armee zu Hilfe rufen.

Alle Tiere müssen so schnell wie möglich getötet werden

Oberstes Ziel, so brutal es klingt: schnellstmöglich töten. Bei einem Befall mit Maul- und Klauenseuche müssen alle Tiere der empfänglichen Arten auf einem Hof getötet werden. Das machen nicht die Zivilschützer, sondern ein Team von Profis aus der Fleischkontrolle. Die Arbeit der Zivilschützer besteht darin, zu verhindern, dass sich das Virus weiter verbreiten kann. Darum stecken sie auch in Schutzanzügen, obwohl das Virus für Menschen an sich nicht gefährlich ist. Aber nichts und niemand darf eine Sperrzone betreten oder verlassen, der nicht durch eine Schleuse zur Reinigung und Desinfektion ging. Nachdem die Kadaver potenziell infizierter Tiere entsorgt sind, müssen alle Ställe, Plätze und Einrichtungen gereinigt und desinfiziert werden, bevor sie wieder in Betrieb genommen werden dürfen. Ein solcher Einsatz würde im Ernstfall rund zwei Wochen dauern.

Das war für die Übung in Lohn-Ammannsegg natürlich nicht nötig, die Zivilschützer rückten am Donnerstag wieder ab. Übungsleiter Peter Hofer und Schadenplatz-Chef Daniel Fuchs konnten Regierungsrätin Brigit Wyss, Kantonstierärztin Doris Bürgi Tschan und Diego Ochsner vom Amt für Militär und Bevölkerungsschutz bei deren Augenschein rapportieren, dass alles wie vorgesehen und exakt im Zeitplan funktioniert hat. Künftig sollen regelmässig solche Übungen in weiteren regionalen Zivilschutzorganisationen durchgeführt werden.

Autor

Urs Moser

Urs Moser

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