Luterbach

Seit Dezember 2014 weiss Regierung von Biogen-Interesse an Attisholz-Areal

Von links: Baudirektor Roland Fürst, Biogen-Senior Vizepräsident Jörg Thömmen, Biogen-Schweiz-Geschäftsführerin Natascha Schill, Luterbachs Gemeindepräsident Michael Ochsenbein und Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler.

Regierung und Biogen-Management vor der Medienkonferenz.

Von links: Baudirektor Roland Fürst, Biogen-Senior Vizepräsident Jörg Thömmen, Biogen-Schweiz-Geschäftsführerin Natascha Schill, Luterbachs Gemeindepräsident Michael Ochsenbein und Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler.

Die Solothurner Regierung hat mit Biogen einen Coup gelandet. Nun sagt Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler, wie der Deal mit der drittgrössten Biotech-Firma der Welt zustande kam.

Esther Gassler, Sie haben soeben eine für den Kanton äusserst bedeutende Ansiedlung verkündet und von einem Fisch gesprochen, den man nicht jeden Tag an Land zieht.
Esther Gassler: Es ist für uns ein ganz grosser Tag. Wir haben eine Riesenfreude, auch weil wir dies nicht «mit links» gemacht haben. Wir haben wirklich hart dafür gearbeitet und alles gegeben – lange Zeit auch im Wissen darum, dass es in einer Absage hätte enden können. 

Seit wann haben Sie den Fisch an der Angel?
Gesichtet haben wir ihn Mitte Dezember, als wir erstmals davon hörten. Aber es wurde März, bis wir wussten, dass nicht mehr viel Konkurrenz da ist. Aber ganz genau weiss man das nie. Als wir hörten, dass es wieder eine Orientierung gibt, und wir das Go erhielten, da haben wir schon einen Moment lang ganz glücklich geschaut.

Waren Sie nervös, als Sie den Fisch an der Angel, aber noch nicht am Trockenen hatten?
Das ist so. Wirklich sicher ist die Ansiedlung auch jetzt erst am 15. Dezember, wenn die Baubewilligung auf dem Tisch liegt. Aber wir sind sehr weit. Man kann sagen, es wird gelingen. 

Flug mit der Drohne übers Areal Attisholz Süd

Flug mit der Drohne übers Areal Attisholz Süd

Solothurn gilt, gerade in der kantonalen Politdiskussion, nicht gerade als sehr attraktiv. Jetzt haben Sie trotzdem einen Erfolg. Weshalb?
Wir sind gut (lacht). Solothurner haben, und das ist ja schön, eine bescheidene Art und klopfen sich nicht auf die Schulter.

Und welches sind die harten wirtschaftlichen Faktoren?
Wir haben es gehört: Zuerst kam bei Biogen der Entscheid für die Schweiz. Und dann schaut man, wo es ein Areal in dieser Grösse gibt. Es gibt nicht mehr so viele solche in der Schweiz. Und dann gab es hohe Ansprüche an die Wasser- und Stromversorgung. Wir hatten alles und konnten ein Häkchen machen. Das war natürlich toll. Es ist doch interessant, wenn wir schauen, was wir als schwierig erachten. Und was die Leute im Ausland als schwierig ansehen Biogen sieht bei uns sehr gute und solide Rahmenbedingungen. 

Welche Rolle spielten Steuererleichterungen?
Das ist nichts ausserdordentliches.

Aber es gibt Erleichterungen?
Ja, im üblichen Rahmen.

Was macht Sie sicher, dass das Engagement langfristig ist?
Ich glaube, wenn ein grosser Konzern eine Milliarde investiert, überlegt er sich dies vorher gut. Biogen ist eine sehr solide Firma.

Nicht weit entfernt vom Gelände in Zuchwil schliesst die Scintilla. Niedrigqualifizierte Jobs gehen verloren, bei der Neuansiedlung spricht man von Hochqualifizierten. Liegt hier die Zukunft für den Kanton?
Es werden dort nicht nur wissenschaftliche Mitarbeiter arbeiten. Es wird auch Jobs in Labors und in der Produktion geben. Aber es ist generell so, dass es für Leute ohne Ausbildung schwieriger wird. Das wissen wir. Deshalb haben wir ein Projekt wie die Nachholbildung. Und wir schauen, dass möglichst niemand ohne Lehre die Schule verlässt.

Muss Solothurn künftig mehr Engagement Richtung Fachhochschule, Innovationsparks oder Unis zeigen?
Ich glaube, dass wir gut aufgestellt sind. Aber wir können immer noch mehr machen. Im Rahmen der Sommerklausur der Regierung setzen wir uns vertieft mit den Ergebnissen des Runden Tisches auseinander und prüfen, ob wir hier nicht mehr tun könnten.

Fast das ganze Attisholzgelände, das dem Kanton gehört, ist nun vergeben. Sie rechneten dafür ursprünglich mit 20 bis 30 Jahren. Jetzt ging es rasant schneller. Andererseits sprachen Sie früher von 2600 bis 5200 Arbeitsplätzen. Es sind nun weniger. Ist das Projekt ein Erfolg oder nicht?
(Stolz): Es ist ganz klar ein Erfolg. Wir hätten in der Testplanung ja nie zu denken gewagt, dass es so schnell geht. Jetzt sind es 400 Arbeitsplätze. Aber die Firma will sich weiterentwickeln. Und wir haben immer noch 9 Hektaren sehr gut erschlossenes Land.

Aber es sind weniger Arbeitsplätze als geplant.
Dafür müssen wir sehen, was für Arbeitsplätze wir jetzt haben. Das ist wichtig. Aber alles hat man nie.

Haben Sie weitere Ansiedlungen im Köcher?
Es ist einiges am Tun, aber nichts in einem Stadium, das man kommunizieren könnte - und nicht in dieser Grösse.

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