Urteil
Schwimmring hinter Boot hergezogen: Gericht spricht den Steuermann schuldig

Im August 2018 kam es auf der Solothurner Aare zu einem Unfall, bei dem ein Boot, ein Schwimmring – aber auch Alkohol involviert waren. Das Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt hat in diesem Fall nun ein Urteil gefällt.

Ornella Miller
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Wasserspass endete in Unfall – Unfall führt zu Schuldspruch wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung.

Wasserspass endete in Unfall – Unfall führt zu Schuldspruch wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung.

Hanspeter Bärtschi

Im Fall des Boots-und-Schwimmring-Unfalls vom 1. August 2018 wurde nur der Steuermann, nicht aber der Bootsbesitzer vom Amtsgericht Bucheggberg-Lebern der fahrlässigen schweren Körperverletzung schuldig gesprochen.

Die beiden Beschuldigten waren in einer Gruppe teils befreundeter fünf Personen Schweizer Nationalität mit einem Motorboot auf der Aare unterwegs gewesen, wobei sich einer aus der Gruppe in einem aufblasbaren Schwimmring (Tube) an einem 14,5 Meter langen Seil hatte nachziehen lassen.

Als Steuermann Paul R. (alle Namen geändert) wendete, war der Tube schlitternd an der Uferböschung beim Sportzentrum Zuchwil auf die Steine aufgeschlagen und Tube-Insasse Franz K. schwer verletzt worden. Dies nach einer gemeinsamen Mittagsrast mit Alkohol in einer Stadtsolothurner Bar am Aareufer.

Bootsbesitzer von Hauptvorwurf befreit

Amtsgerichtspräsident Stefan Altermatt begründete das Urteil ausführlich. Für Bootsbesitzer Niels B. gab es im besagten Hauptvorwurf vor allem deshalb einen Freispruch, weil er – obwohl er nebenerwerblicher Anbieter von Bootsfahrten war – bei der Unglücksfahrt keine Tourenleiterfunktion innehatte.

Die Bootsfahrtidee sei nicht von ihm ausgegangen und die eingenommenen total 200 Franken seien bloss Unkostendeckung, kein Gewinn gewesen. Er habe sein Boot zur Verfügung gestellt und es zum Startpunkt gebracht, habe aber keine Garantenstellung gehabt, weil er die Tour nicht organisiert habe.

Zu schnell gefahren – zu viel Alkohol intus

Auch Steuermann Paul sei ebenfalls versierter Bootsfahrer, er habe mehrere im Militär erlangte Schifffahrtausweise, habe aktive Schifffahrterfahrung gar konkret mit dem Unglücksboot. Vorschriften und Gefahren seien ihm bekannt gewesen. Paul sei unmittelbar vor dem Unfall mit mindestens 20 Stundenkilometern gefahren, erlaubt seien bloss 15.

Dies erschliesse sich aus Zeugenaussagen – auch von Unbeteiligten – sowie aus Fahrversuchen der Polizei auf dem Bielersee. Weiter habe Paul eine zu enge Kurve gefahren und das Wendemanöver zu nahe am Ufer durchgeführt. Das Seil sei auch wegen des elastischen Mittelteils zu lang gewesen.

Paul habe seine Sorgfaltspflicht verletzt, «die Folgen einfach nicht bedacht». Der Alkoholtest der Polizei habe zudem ergeben, dass Paul 0,6 Promille, knapp über den erlaubten 0,5 Promille, Alkohol intus gehabt habe. Er wurde somit noch wegen Überschreitens der Höchstgeschwindigkeit und wegen Fahrens eines Schiffes in fahrunfähigem Zustand verurteilt.

Sowohl er als auch Niels wurden ferner für das unerlaubte Nachziehen des Tubes verurteilt und dafür, dass sie nach Alarmierung der Ambulanz nicht die Polizei riefen, sondern den Unfallort verliessen.

Paul erhielt eine bedingte Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 110 Franken sowie eine Geldbusse von 800 Franken, Niels eine Geldbusse von 700 Franken. Schadensersatzforderungen des Opferanwalts wurden zurückgewiesen, weil er sie nur gegenüber Niels erhoben hatte. Der Staatsanwalt war wie schon an der Verhandlung nicht anwesend. Zur Verhandlung war es gekommen, weil die Beschuldigten Strafbefehle nicht akzeptiert hatten.

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