Rettungsdienst

Schneller als erlaubt darf nur mit Blaulicht und Sirene gefahren werden

9100-mal pro Jahr rücken die Rettungssanitäter der Solothurner Spitäler zu Einsätzen am Jurasüdfuss aus. Seit Montag tun sie dies mit zwei neuen Autos.

Am Montag wurden die ersten zwei von insgesamt vier neuen Rettungswagen geliefert wurden. Die Autos sind tupfgenau gleich eingerichtet wie die Vorgänger, alles ist genau gleich angeordnet. Spritzen, Verbände und Kälteschutzdecken in den Schubladen sind abgezählt. Jeder Handgriff soll sitzen.

Oft sind es Herz-Kreislauf-Probleme

9100-mal sind die Rettungssanitäter im letzten Jahr von Olten, Solothurn oder Balsthal her ausgerückt. Unterwegs sind sie immer zu zweit. Wer fährt, das ist schon im Dienstplan festgelegt.

In den meisten Fällen rücken die Rettungssanitäter wegen Herz-Kreislauf-Problemen aus: Herzinfarkt, Hirnblutung oder Unterzuckerung können das etwa sein. Zweithäufigster Grund ist Bewusstlosigkeit. Noch bevor sie losfahren, entscheiden die beiden Sanitäter, ob sie einen Arzt mitnehmen. «Das ist die Ausnahme», erklärt Beat Walser, der betriebliche Leiter des Notfalldienstes. «Oft ist das bei einem Kind der Fall, weil solche Einsätze selten sind.»

Geht bei der Alarmzentrale der Notruf ein, sind die wichtigsten Daten kurze Zeit später auf einem grossen Bildschirm in der Fahrzeughalle zu sehen. Zwischen Fahrer- und Beifahrersitz liegt ein iPad, auf dem die Sanitäter Details zum Einsatz sehen. Ein Navigationssystem lotst sie zum Patienten. Rechts vom Steuerrad befinden sich die Knöpfe fürs Blaulicht und die Sirene.

Das Garagentor öffnet automatisch. Wie schnell darf ein Spitalauto denn überhaupt fahren? Im Normalfall so schnell wie jedes andere Fahrzeug auch. Schneller als erlaubt dürfen die Ambulanzen streng nach Gesetz nur fahren, wenn sowohl Blaulicht als auch Sirene in Betrieb sind. «Maximal 20 Prozent über der ordentlichen Höchstgeschwindigkeit», sagt Beat Walser. Innerorts sind das 60 km/h, auf der Autobahn knapp 145. «Nachts ist das ein Problem für die Anwohner des Spitals», sagt Walser. «Wir wollen ja auch nicht ein Weckdienst fürs Quartier sein.» Am Einsatzort muss das Blaulicht ab- und der Warnblinker angestellt werden.

Fahrtenschreiber schreibt mit

Die Sanitäter stehen unter ständiger Beobachtung: Ein Fahrtenschreiber zeichnet nämlich jeweils die letzten zwei Minuten der Fahrt auf. Die Geschwindigkeit, das Betätigen des Blinkers: Alles wird registriert, damit im Falle eines Unfalls alle Daten vorhanden sind.

Drei Tagesequipen sind in Solothurn jeweils im Einsatz, zwei in Olten und eine in Balsthal. Sollten einmal tatsächlich alle Fahrzeuge in Solothurn oder Olten unterwegs sein, wird der Grenchner Rettungsdienst, der Rettungsdienst SRO Zofingen oder das Spital Aarau um Hilfe angefragt.

Bis zu vier Stunden Reinigung

Knapp anderthalb Stunden dauert ein Einsatz im Durchschnitt. Dann wird das Auto gereinigt und steht wieder für den Einsatz bereit. «Eine Reinigung dauerte auch schon vier Stunden», sagt Walser. Blut, Dreck oder Öl nach einem Unfall sind das eine. Gravierend ist, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass ein transportierter Patient etwa eine Hirnhautentzündung haben könnte. Dann müssen nicht nur die Sanitäter selbst zur Kontrolle, auch das Fahrzeug muss äusserst aufwändig gereinigt werden.

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