Bei der Eröffnung vor mehr als hundert Jahren galt er als technisches Meisterwerk, heute steht er sprichwörtlich unter Wasser: Der Weissensteintunnel muss dringend saniert werden. Und das wird teuer: Die Sanierungskosten werden sich wohl auf einen dreistelligen Millionenbetrag belaufen.

Das Bahnunternehmen BLS, dem die Linie Solo-thurn–Moutier und damit auch der Weissensteintunnel gehört, bestätigt entsprechende Recherchen dieser Zeitung. «Genauer lassen sich die Kosten noch nicht beziffern», sagt BLS-Sprecher Michael Blum.

Momentan werde ein Streckenkonzept für die ganze Bahnlinie ausgearbeitet. «Neben dem Tunnel gibt es an der Linie beispielsweise auch Bahnhöfe, die behindertengerecht umgebaut werden müssen.» Gemäss Blum soll das Konzept bis Ende Jahr stehen, dann will die BLS konkrete Zahlen liefern.

Geologie und Gefälle bereiten Schwierigkeiten beim Unterhalt des Tunnels zwischen Gänsbrunnen und Oberdorf. Das grösste Problem ist allerdings ein anderes: Wasser dringt durch den Jurakalkstein und macht dem Gewölbe zu schaffen. Früher oder später drohen Gesteinsbrocken herabzustürzen.

Studie soll Klarheit schaffen

Wer wird für die teure Tunnelsanierung zur Kasse gebeten? Muss der Kanton Solothurn etwa schon wieder in die Tasche greifen? Ja, hätte die Antwort bis vor kurzem gelautet. Doch seit das Schweizer Stimmvolk am 9. Februar die Bahninfrastruktur-Vorlage Fabi angenommen hat, haben sich die Zuständigkeiten geändert. Neu muss der Bund für die Infrastruktur der Privatbahnen aufkommen. Im Gegenzug finanzieren die Kantone die Publikumsanlagen in den Bahnhöfen. Solothurn hat für einmal also das Glück des günstigen Zeitpunkts auf seiner Seite.

«Der Weissensteintunnel ist nicht mehr gut in Schuss», weiss auch Ludwig Dünbier, Leiter der Abteilung öffentlicher Verkehr beim Kanton. Deshalb sei es in Interesse des Kantons, dass die Bauarbeiter lieber heute als morgen loslegen können.

Eine Machbarkeitsstudie soll aufzeigen, wohin die Reise bei der Tunnel-Sanierung führen soll. Das Ziel ist offen, viele Details sind noch unklar. So steht bis jetzt nicht fest, wann die Arbeiten im Tunnel beginnen und wie lange die Sanierung dauern wird.

Die Seilbahn als Heilsbringer?

Auch der Kanton Bern hat ein Wörtchen mitzureden, die Kantonsgrenze liegt nämlich nur wenige Meter hinter dem Nordportal des Tunnels und der Bahnhof Gänsbrunnen bereits auf Berner Boden. Und schliesslich muss zuerst die alles entscheidende Frage beantwortet werden: Lohnt sich der Betrieb der Solothurn-Moutier-Bahn überhaupt noch?

Im vergangenen Jahr hat der Bundesrat beschlossen, dass bei Regionalbahnen mit einem Kostendeckungsgrad von unter 30 Prozent die Umstellung auf einen Busbetrieb geprüft werden muss.

Auf einer Liste des Bundesamts für Verkehr sind 17 «gefährdete» Linien aufgeführt, darunter auch Solothurn-Moutier. Ihr Kostendeckungsgrad liegt gerade einmal bei 25 Prozent. öV-Chef Dünbier erklärt sich diesen tiefen Wert auch mit dem Ausfall der Weissenstein-Seilbahn. «Die Eisenbahn leidet darunter massiv.» Ab Herbst wird sich zeigen, ob die neue Gondelbahn für die Solothurn-Moutier-Bahn zur Heilsbringerin wird. Eine Prognose mag Dünbier nicht wagen, das sei Aufgabe der Machbarkeitsstudie.