«67 Prozent der Aufträge für den Bau des neuen Bürgerspitals in Solothurn wurden an Solothurner Firmen vergeben. Der Betonstahl zum Beispiel stammt von der Stahl Gerlafingen AG.» Dies erklärte Ende November bei der Grundsteinlegung Alfredo Pergola, Gesamtprojektleiter beim Kanton.

Einige Tage zuvor erklärte Daniel Aebli, operativer Leiter des Stahlwerkes in Gerlafingen, an einem Anlass: «Im neuen Bürgerspital werden 6000 Tonnen Betonstahl verbaut, welcher leider nicht aus der Schweiz, sondern aus Deutschland stammt.» Was stimmt jetzt?

«Konkrete Aussage» war falsch

Die Spurensuche ergab eine Mischung von richtig und falsch. Falsch war die Aussage von Daniel Aebli. Er habe sich dabei auf «eine konkrete Aussage eines Kunden» verlassen. Dieser habe auch den Namen des Lieferanten aus dem Ausland genannt.

Leider habe er diese Aussage nicht nachgeprüft, da sie für ihn «absolut glaubwürdig» gewesen sei. «Das bedauere ich», sagt Aebli. Unabhängig davon bleibe es aber schwierig, die Frage nach der Herkunft des Betonstahls genau zu beantworten. Das Stahlwerk beliefere nämlich die Baustellen nie direkt; die Belieferung erfolge vielmehr über Stahlhändler mit eigener Biegerei, welche das Eisen baustellenfertig bearbeiten. 

Und diese Biegereien beziehen den Stahl zwar aus Gerlafingen, so Aebli, aber auch aus dem Ausland, was übrigens im Rahmen einer Mehrlieferantenstrategie vernünftig sei. «Wir sind also nicht der einzige Vorlieferant.» So gesehen schätzt Aebli, dass rund die Hälfte des letztlich auf die Baustelle Bürgerspital gelieferten Betonstahls aus dem Stahlwerk Gerlafingen stamme.

Gerlafinger-Anteil ist «sehr hoch»

Vom Grundsatz her – aber nicht mengenmässig – bestätigt Alfredo Pergola diese Aussage. Der Betonstahl sei als Produkt ein Bestandteil der Submission und keine direkte Vergabe. In diesem Fall beziehe das mit dem Bau beauftragte Bauunternehmen Strabag AG in Oensingen den Betonstahl von der Schweizer Firma Debrunner Acifer AG (siehe Kasten).

Diese habe erklärt, dass in der Regel 60 bis 70 Prozent des Betonstahls aus Gerlafingen stamme. Acifer sei zwar bestrebt, ein Maximum an Betonstahl aus dem Stahlwerk in der Region zu beziehen, zu 100 Prozent sei dies aber aus Kapazitätsgründen gar nicht möglich.

Dies wiederum bestätigt Daniel Aebli. Gerlafingen könne den sehr hohen Bedarf an Betonstahl in der Schweiz nicht alleine abdecken. «Der Anteil des Betonstahls aus Gerlafingen ist auf der Spital-Baustelle jedoch sehr hoch, weil wir Armierungen mit einer Dimension benötigen, die ein ausländsicher Mitbewerber gar nicht produziert», hält Pergola fest. Fazit: Der auf der Spital-Baustelle verbaute Betonstahl stammt nicht zu 100 Prozent aus Gerlafingen, aber auch nicht zum Grossteil aus dem Ausland.

Ist die Schweiz zu streng?

Der Chef des Gerlafinger Stahlwerkes hat in diesem Zusammenhang generell den Eindruck, dass bei den Auftragsvergaben nach Gatt/WTO-Regeln die Schweiz diese Vorgaben «extrem korrekt» anwende. Dagegen würde im Ausland der jeweilige Heimmarkt stark geschützt.

Aebli sagt, er sei überhaupt nicht gegen den freien Markt, aber wenn beispielsweise die Preise in etwa vergleichbar seien, sollte doch jeweils der Inländer den Vorrang erhalten. Für Alfredo Pergola vom Kanton ist aber klar, dass der Spielraum sehr klein ist. «Submissionsrechtlich ist es nicht zulässig, bei Ausschreibungen nach Gatt/WTO-Regeln die Herkunft der Produkte vorzuschreiben.»

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