Jugendliche im öffentlichen Raum – in vielen Köpfen folgen darauf die Worte Lärm, Littering, Sachbeschädigung und Alkohol. Oft nicht ganz zu Unrecht. Doch wie damit umgehen? Mit dieser Frage sind die Gemeinden meistens überfordert. Ein Ansatz kann das Angebot «Raumnot» sein, welches das Blaue Kreuz im Rahmen des Nationalen Programms Jugend und Gewalt des Bundesamts für Sozialversicherungen entwickelt und im Kanton Solothurn an drei Standorten erfolgreich erprobt hat. Das Projekt wird in den nächsten Jahren im Kanton Solothurn weitergeführt.

Die drei Pilotstandorte, mit welchen «Raumnot» im Jahr 2015 zusammengearbeitet hat, sind Trimbach, Matzendorf und der Bezirk Thal. Gerade in Trimbach bestand deutlicher Handlungsbedarf: Die Jugendlichen wünschten einen Raum, wo sie unter sich sein konnten. Zudem gab es Probleme mit Littering. «Das Projekt ‹Raumnot› erschien uns angesichts der Problemstellungen interessant. Deshalb haben wir uns auf die Ausschreibung gemeldet», so Karl Tanner, Gemeindepräsident von Trimbach.

Unter sich sein wollen

Was die Jugendlichen betrifft, arbeitete «Raumnot» eng mit David Bieli und Carolin Glosauer von der Offenen Kinder- und Jugendarbeit Trimbach (OKJAT) zusammen. In einer Arbeitsgruppe engagierten sich neben Behörden, Jugendarbeit und Polizei auch drei Jugendliche, die sich für ihr Anliegen stark machten: einen öffentlichen Raum, in Eigenverantwortung organisiert.

Laut Bieli sind es vor allem die älteren Jugendlichen von 15 bis 18 Jahren, die auch nicht in den Treff der Jugendarbeit kommen. Dafür steht nun eine Hütte auf dem ehemaligen Robinson-Spielplatz zur Verfügung, nach den Vorstellungen der Jugendlichen hergerichtet. Die Jugendarbeit wirkt unterstützend mit und schaut «ein ungerades Mal dort vorbei», so Bieli.

Ganz ohne Regeln und Aufsicht geht es nämlich nicht: So braucht es die Unterschrift der Eltern, damit sich ihre Sprösslinge in der Hütte aufhalten dürfen. Es gelten beispielsweise Regeln bezüglich der Benützungszeiten. Laut Bieli wurde die Hütte bisher kaum genutzt. Wenn im Herbst oder Winter kältere Temperaturen einbrechen, könne sich das aber rasch ändern.

In Sachen Littering stellte sich in der Analyse bald heraus, dass es sich um ein allgemeines Problem handelt. Neben den «Hotspots» im Dorf, wo sich Jugendliche aufhalten und manchmal Abfall liegen bleibt, brannte den Einwohnern vor allem das Thema dezentrale Recyclingsammelstellen unter den Nägeln. «Wir fokussieren uns auf Probleme im Zusammenhang mit Jugendlichen im öffentlichen Raum.

Im Fall Trimbach war es aber nötig, den Blickwinkel zu öffnen», so «Raumnot»-Projektleiter Andreas Kallweit. Hier halfen sie bei der Durchführung einer Infoveranstaltung, woraus sich eine Arbeitsgruppe bildete.

Gutes Zeugnis für «Raumnot»

Am Ende der Pilotphase, die bis Dezember 2015 dauerte, stellt Karl Tanner dem Angebot ein gutes Zeugnis aus. «Das Projekt hat uns geholfen, vermehrt mit den Jugendlichen in Kontakt zu kommen, und hat das gegenseitige Verständnis gefördert.» Das Projekt soll im Kanton Solothurn weiterlaufen und auch schweizweit eingeführt werden.