Weihnachten. Da denken alle an Tannenbäume, Kerzen und Guetzli.

Doch dort, wo Valentine Koledoye geboren ist, gibt es keine Tannenbäume zu Weihnachten, keine Krippen und keine Adventskränze. Und schon gar keinen Schnee. Aber man feiert das Fest ebenso inbrünstig. «In Afrika feiert man in der Familie», sagt der 50-jährige Pfarrer, der in Nigeria geboren wurde. Die Städte entleeren sich dann, die Leute kehren ihn ihre Dörfer zurück. «30 Leute sitzen an einem Tisch, leben und feiern über Tage zusammen im gleichen Haus», sagt er. Vielleicht bringen die Städter Kleider und Schuhe mit. Aber Geschenke im Schweizer Sinn gibt es nicht.

Wer könnte besser erklären, was Weihnachten ganz unabhängig von Traditionen bedeutet als der Zuchwiler Pfarrer. Als Theologe ist er nicht nur Fachmann für die Weihnachtsgeschichte. Koledoye hat schon in ganz unterschiedlichen Ländern gelebt und Weihnachten gefeiert. In Nigeria, in Baltimore (USA) – wo er aufgewachsen ist – in Rom und Salzburg, wo er seine Doktorarbeit in Theologie schrieb. Und in der Schweiz, wo er seit über zehn Jahren als Pfarrer arbeitet, davon über fünf Jahre in Zuchwil.

Er feiere inzwischen wie ein Schweizer, sagt Koledoye, der jeweils in Schweizer Städte reist, um dort Krippen anzuschauen. Aber es spiele eigentlich keine Rolle, wie man feiere: Hauptsache man lebe die Botschaften des Friedens und der Liebe. «Jesus ist Afrikaner, Jesus ist Schweizer, Jesus ist Engländer», sagt der Mann Gottes, der unterschiedliche Bräuche nicht werten will.

Viel Arbeit, viel Freude

Die kommenden Tage sind für Valentine Koledoye mitunter die arbeitsreichsten des ganzen Jahres, seine Agenda ist voll. Ökumenische Gottesdienste, Familiengottesdienste (gar mit Filmvorführung), Mitternachtsmesse, Krippenspiel, Kirchenchor, die Feier der slowenischen Mission, und, und. Von heute Samstag bis zum Stephanstag gibt es in Zuchwil jeden Tag mindestens zwei Messen. Anstrengend sei dies nicht, sagt der Mann mit der ansteckenden Fröhlichkeit. Wenn Weihnachten kommt, dann blüht Pfarrer Koledoye so richtig auf. Die Seelsorge, die ihm so viel bedeutet, kann er nun ausgeprägt leben. Wenn die Kirche voll ist, dann erlebt er, was ihm Nahrung für das Jahr gibt: Begegnungen. Begegnungen. Begegnungen. «Als katholischer Seelsorger macht mir dies grosse Freude», sagt er. «Diese Begegnungen sind eine grosse Bereicherung meines Lebens. So sollte es sein.» Er trifft auf Leute, die normalerweise nicht in die Kirche kommen. Das freut ihn besonders. «Die Gesellschaft hat sich geändert. Die Leute haben wenig Zeit. Ich bin dankbar, dass sie an Weihnachten kommen.»

Und wie feiert Pfarrer Koledoye Weihnachten? Eigentlich eine unsinnige Frage. Natürlich in der Kirche bei den Gottesdiensten. Zwar wird er auch von Familien nach Hause eingeladen. Aber dies lehnt er an Weihnachten ab, nicht nur weil ihm die Zeit fehlt. «Wenn mich zehn Familien fragen, wie soll ich entscheiden, wohin ich gehe?», fragt er. «Es wäre ungerecht, nur eine Einladung anzunehmen.»

In der Schweiz ist Pfarrer Koledoye die Spendenbereitschaft an Weihnachten aufgefallen, die er sonst nirgends erlebt habe. Ihn beeindrucke, wie man in der Weihnachtszeit an die Leute um sich herum denke. Dies sei ein wichtiger Teil einer gelebten Weihnachtsbotschaft, ebenso wie die Zeit mit den Liebsten zu verbringen.

Und auch die «Tonnen von Guetzli», die hergestellt werden, beeindrucken ihn. «Wunderbar», sagt Koledoye. Dass man sie nicht für sich, sondern für seine Familie und zum Verschenken bäckt, das findet er ein schönes Zeichen, das eben Weihnachten ausmache: «Die Schweizer versuchen, an Weihnachten ihre Umgebung nicht zu vergessen. Das ist Liebe schenken.»

Und genau um dies geht es für den Pfarrer an Weihnachten: Um Liebe und um Frieden. «Was kann ich beitragen, um Frieden in die Gemeinschaft zu bringen und für mich selbst?», fragt der Pfarrer. «Jeder soll fühlen, wie gross die Liebe Gottes ist.» Koledoye will das in die Gemeinde weiterleiten. «Der Engel ist aber nicht einfach zum Pfarrer gekommen, sondern zu allen Menschen gegangen», sagt er: Sprich: Jeder Mensch solle darüber nachdenken, was er tun könne. Und jeder Mensch solle an Weihnachten auch an sich selbst denken. Man müsse den Frieden in den Herzen finden, findet der Pfarrer. Auch dann wohne Gott mitten unter uns. Und man solle Frieden und Liebe weitergeben. Eben, indem man beispielsweise gemeinsam feiert. Ob in der Kirche oder am Familientisch, ob unter dem Tannenbaum oder in der Hitze Nigerias.