Werbegesicht

«Peinlich, mich im TV zu sehen»: Dieser Solothurner ist der «Liebling» der Post

Remo Krieg fühlt sich wohl an der Aare. Deshalb hält er sich auch gerne in oder vor der Cafébar Landhaus auf.

Remo Krieg fühlt sich wohl an der Aare. Deshalb hält er sich auch gerne in oder vor der Cafébar Landhaus auf.

Der gebürtige Nennigkofer Remo Krieg ist als «Liebling» in einem Post-Werbespot im Schweizer Fernsehen zu sehen. Das Werbegesicht wird oft darauf angesprochen. Der 31-Jährige lebt in Zürich – und vermisst die Aare und den Jura.

Kommt Ihnen dieser Lockenkopf bekannt vor? Dann geht es Ihnen derzeit wie vielen Schweizern. Remo Krieg ist eines der Gesichter der neusten Werbekampagne der Post. In seiner Rolle als «Liebling» schleicht er sich dabei nicht nur ins Herz seines Schwiegervaters. Sein Gesicht oder auch seine Stimme werden wiedererkannt – auf den Strassen, auf der Rolltreppe oder im Zug. «Mehrmals pro Woche sprechen mich wildfremde Menschen an», erzählt der 31-Jährige.

Im September 2017 startete die Kampagne der Post. Im Februar und März dieses Jahres war der Werbespot im TV zu sehen. Seither häufen sich die Reaktionen. Krieg hätte nie mit so einem Echo gerechnet. Er sei schon fast paranoid. «Wenn mich Leute anschauen, denke ich mittlerweile, dass es sowieso nur wegen der Werbung ist.» Zumindest während unseres Gesprächs macht kein anderer Gast Anstalten, den 181 cm grossen Mann mit sportlich-schlanker Figur anzusprechen. Nur unser Fotograf begrüsst ihn mit einem oft gehörten Satz: «Dich kenne ich doch aus der Werbung!» 

Auf dem Weg nach Nennigkofen, wo er aufgewachsen ist und 23 Jahre seines Lebens verbrachte, nimmt sich Remo Krieg noch Zeit für einen Kaffee in der Cafébar Landhaus. An der Aare gefällt es ihm. Früher verbrachte er jedes Wochenende auf dem Boot der Familie. In den Ferien ging es damit Richtung Bieler-, Murten- und Neuenburgersee. Nebst der Aare vermisst er in seinem Wohnort Zürich auch das Gebirge und die Natur. Die Albis-Kette komme einfach nicht an den Jura heran. 

In seine Heimat kommt er, um seinen Bruder, Kollegen und seine beiden Göttikinder zu besuchen. Dabei trifft er sich auch gerne mal mit seinen Musikerkollegen. Dass er momentan neben seinem Studium in Multimedia Production nicht viel Zeit für seine Band «Streit/Wirth/Krieg» hat, habe ihn gestresst. «Davon musste ich mich wieder etwas lösen», erzählt er. «Wir jammen noch, aber wir nehmen uns nicht mehr vor, einen Song zu machen. Der Plan ist jedoch in naher Zukunft wieder mehr Zeit in die Musik zu investieren.»

STREIT/WIRTH/KRIEG - Strangers in Paradise

Musik ist denn auch etwas, was ihn mit seiner Rolle als «Liebling» verbindet. Dort spielt er einen jungen Musiker mit einer Freundin aus gutem Hause. Deren Vater stellt kritische Fragen zum Leben seines Schwiegersohns.

Werbung von Postfinance «Der Liebling liegt genau richtig».

Früher dachte Remo Krieg sogar einmal daran, ein Musikstudium zu machen. Das klappte nicht. «Vielleicht ist es auch gut so», sagt er heute. Er bezeichnet sich selbst als Träumer und Allrounder. «Ich konnte mich lange nicht entscheiden, was ich machen möchte.» Das spiegelt sich in seinem Lebenslauf wieder. Nach einer Kaufmännischen Ausbildung mit anschliessender Berufsmatur zieht es ihn ins Ausland. Zurück in der Schweiz arbeitet er und entscheidet sich, die Passerelle zu machen. Er will Umweltingenieur werden. Dafür absolviert er ein achtmonatiges Praktikum in einer Forschungsanstalt und merkt dabei: «Ich bin nicht der Typ fürs Labor». Es geht weiter mit einem Semester Städtebau an der Universität und die gleichzeitige Ausbildung zum Medienkomponisten. Krieg ist aber immer noch nicht angekommen. Er studiert Journalismus in Winterthur und arbeitet ein Jahr im Filmbereich.

Etwas durchzuziehen, darin sei er nicht so gut, gibt er zu. So langsam ist aber auch er angekommen. Seine jetzige Ausbildung im Multimedia-Bereich erlaube es ihm nun, einige Bereiche miteinander zu verbinden, die ihn interessieren.

Die Ausbildungsjahre haben auch finanzielle Spuren hinterlassen. «Mit 31 Jahren habe ich langsam keinen Bock mehr, jeden Rappen zweimal umzudrehen. Deshalb wäre es schon cool, ein wenig mehr Geld zu haben.» Dabei gehe es ihm nicht um Besitz. Wenig zu haben, sei sehr viel. «Dann hat man Zeit für die wichtigen Fragen im Leben. Das ist befreiend.» Da müsse man sich keine Gedanken machen um Kratzer am Auto oder die anderen Besitztümer. Anlegen, so wie es der «Liebling» macht, ist für ihn kein Thema. 

«Peinlich»

Für Remo Krieg ist es «peinlich», sich im TV zu sehen. «Man ist ja stets sein härtester Kritiker.» Es sei auch eine Frage, wie oft man so etwas mache. Der Post-Spot war sein erster grosser Werbespot. Bisher stand er schon für Schweiz Tourismus, SRF und eine Zügelfirma vor der Linse. Auch Werbefotos für Kleidung hat der Lockenkopf schon gemacht. 

Die Post ist voll des Lobes für den Solothurner. «Wie er als Jungschauspieler neben dem sehr erfahrenen Schauspieler des Schwiegervaters seine Rolle ausfüllt, hat uns begeistert», heisst es auf Anfrage. Beim Dreh sei er schon aufgeregt gewesen, so Remo Krieg. «Es sind immer viele Leute an einem Filmset. Der Gedanke, dass alle bereit sind, auf dich warten und du es verhaust, bedeutet Druck.»

Eine Schauspielausbildung hat er nicht – obwohl er sich auch dies überlegt hatte. Er spielt intuitiv. «Ich beobachte gerne, wie Menschen reagieren und interagieren. Die ganze Körpersprache, Gestik und Mimik haben mich schon immer interessiert.» Es sei wichtig, sich von den Gedanken befreien zu können und Spass zu haben. Der Dreh für den Post-Werbespot im Juli 2017 sei anstrengend gewesen. Nach dem Spot-Dreh musste Remo Krieg noch zwei Videos drehen, bei denen er die Kamera selbst halten musste. Den Text dazu hatte er noch gar nicht richtig gelernt, weil er mit mehr Zeit gerechnet hatte. «Ich hatte grosses Glück, das hätte gerade so gut in die Hosen gehen können.» Ging es nicht.

Das erste der Selfie-Videos: Der Liebling erklärt Fonds. Remo Krieg hatte den Text kurz vorher noch gelernt.

Das zweite Selfie-Videos: Der Liebling erklärt seine Anlagestrategie

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