Kantonsarzt
Steigende Fallzahlen im Kanton Solothurn, aber: «Panik ist fehl am Platz»

Die 14-Tage-Inzidenz im Kanton Solothurn ist so hoch wie seit dem vergangenen Oktober nicht mehr. Damals stiegen die Fallzahlen innert Tagen stark an. Der Solothurner Kantonsarzt mahnt zur Vorsicht, einen Grund für Panik gebe es aber nicht.

Rebekka Balzarini
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Ein Plakat weist auf die geltende Maskenpflicht zum Schutz gegen das neue Coronavirus hin. Viele andere Massnahmen wurden aber mittlerweile beendet.

Ein Plakat weist auf die geltende Maskenpflicht zum Schutz gegen das neue Coronavirus hin. Viele andere Massnahmen wurden aber mittlerweile beendet.

Severin Bigler

In der Schweiz sind die Fallzahlen in den vergangenen Tagen gestiegen. Am Mittwoch meldete das Bundesamt für Gesundheit (BAG) 773 neue Fälle. Das Amt geht davon aus, dass noch in den nächsten Tagen die Marke von 1000 gemeldeten Neuansteckungen mit Sars-CoV-2 überschritten werden könne.

Auch im Kanton steigen die Fallzahlen wieder an: In der vergangenen Woche wurden laut dem am Mittwoch veröffentlichten Situationsbericht 65 Neuansteckungen gemeldet, in der Vorwoche waren es 34. Die Reproduktionszahl R, die das Infektionsgeschehen mit einer Verzögerung von rund 10 Tagen abbildet, liegt im aktuellen Bericht bei 1.49, in der Vorwoche lag sie bei 1.23. Das bedeutet, dass eine infizierte Person im Kanton Solothurn momentan mehr als eine Person ansteckt, was einen exponentiellen Anstieg der Fallzahlen bewirkt. Das ist auch ein Effekt davon, dass mittlerweile die gegenüber der bisher dominierenden Alpha-Variante um 50 Prozent ansteckendere Delta-Variante im Kanton dominiert.

Noch keinen starken Anstieg gab es im Kanton bei den Hospitalisationen. In der vergangenen Woche musste eine Person im Spital behandelt werden, in der Vorwoche waren es drei Personen. Einen Todesfall in Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung gab es im Kanton zuletzt im Juni.

Strategie bleibt: Impfen, testen und schützen

Die 14-Tage-Inzidenz liegt im aktuellen Situationsbericht bei 35.5 Fällen pro 100000 Einwohner. Ähnlich hoch war die Inzidenz im Oktober 2020, bevor die Fallzahlen stark anstiegen. Damals verzeichnete der Situationsbericht vom 5. Oktober eine Inzidenz von 38.3 Fällen.

Kantonsarzt Lukas Fenner beobachtet die Lage deshalb genau, erklärt er im Gespräch. «Wir gehen davon aus, dass die Fallzahlen auch bei uns weiter ansteigen. Die entscheidende Frage ist, ob es zu einer Überlastung des Systems kommt», so Fenner. Panik sei aber fehl am Platz, denn: «Wir haben nun eine hochwirksame Impfung und mehr Möglichkeiten, Patientinnen und Patienten zu behandeln.»

Der Solothurner Kantonsarzt Lukas Fenner.

Der Solothurner Kantonsarzt Lukas Fenner.

Hanspeter Bärtschi

Die Impfung ist der wichtigste Faktor, um die Pandemie schnell zu überwinden. Bis Ende Juli wird rund 60 Prozent der Bevölkerung zwei Impfdosen erhalten haben. Damit ist sie vor Ansteckungen gut geschützt. Zwar kann es sein, dass auch doppelt geimpfte Personen positiv getestet werden. Im Kanton Solothurn war dies zwischen März und Juni bei 64 Personen der Fall. Allerdings verläuft eine Infektion in diesen Fällen meistens mild oder sogar ohne Symptome.

Solange viele Menschen im Kanton nicht geimpft sind, können die Fallzahlen und damit zeitlich verzögert die Zahl der Hospitalisationen immer wieder rasch ansteigen.

Ein wichtiger Faktor, um einen Anstieg der Fallzahlen zu verhindern, sind neben der Impfung die bereits bekannten Schutzmassnahmen: Abstand halten, Hände waschen und sich regelmässig testen lassen.

«Die Eigenverantwortung ist ein wichtiger Punkt», erklärt Fenner. «Es gibt nur noch wenig Schutzmassnahmen, viel liegt in den Händen der Bevölkerung. Es ist wichtig, dass sie sich schützt und regelmässig testen lässt.»

Informationen zu Fallzahlen, Schutzmassnahmen und der Impfkampagne finden Sie unter corona.so.ch