Stadttheater

Olten zu, Solothurn spielt: Zieht sich ein Corona-Graben durch die Theaterszene?

Leere Ränge im Stadttheater Olten. Hier sind alle Vorstellungen abgesagt, in Solothurn sucht man nach Lösungen, damit es nicht so weit kommen muss.

Leere Ränge im Stadttheater Olten. Hier sind alle Vorstellungen abgesagt, in Solothurn sucht man nach Lösungen, damit es nicht so weit kommen muss.

Warum musste das Stadttheater Olten sämtliche Aufführungen absagen, während im Theater Solothurn vorderhand weiter gespielt wird? Die Weisungen und Empfehlungen zur Eindämmung des Virus können zu verwirrenden Situationen führen.

Dass der kantonale Sonderstab Corona die kritische Grösse für Veranstaltungen bereits bei 100 Personen ansetzt, während der Bund nur Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen verboten hat, sorgt nicht nur für reihenweise Absagen, sondern auch für verwirrende Situationen. Wie kann es zum Beispiel sein, dass das Stadttheater Olten sämtliche Aufführungen absagen musste, während im Theater Solothurn vorderhand weiter gespielt wird, wenn auch unter Auflagen?

In Olten wird dem Publikum auf der Website des Theaters mitgeteilt, man sei zur Absage aller Veranstaltungen «gezwungen», weil die Weisungen des Kantons die Durchführung von Veranstaltungen mit mehr als 100 Besuchern «untersagen». In Solothurn dagegen heisst es, die geplanten Vorstellungen würden bis auf Weiteres stattfinden, aufgrund eines Entscheids des kantonalen Führungsorgans werde aber Personen der Zutritt verweigert, die sich in den letzten 14 Tagen in bestimmten Ländern/Regionen aufgehalten haben. Es sind dies China, Iran Südkorea, Singapur sowie in Italien die Lombardei, das Piemont und Venetien.

Es wird nicht mit zwei Ellen gemessen

Hundertprozentig korrekt sind beide Verlautbarungen nicht. Der Sonderstab Corona rät zwar tatsächlich, grundsätzlich auf Anlässe mit mehr als 100 Besuchern zu verzichten. Ausdrücklich verboten sind sie aber nicht. Für eine Durchführung muss der Veranstalter «zwingend» mit dem Kanton Rücksprache nehmen, der eine Veranstaltung dann unter bestimmten Voraussetzungen zulassen oder tatsächlich auch untersagen kann. Hingegen ist es nicht so, dass in Sachen Corona-Virus nicht bloss ein «willkürlich und unseriös» wirkender Föderalismus herrscht, wie Solothurns Stadtpräsident Kurt Fluri kritisierte, sondern sogar noch ein kantonsinternes Gefälle in der Risikoabwägung.

Im Fall der vermeintlich mit unterschiedlichen Ellen gemessenen Theater in Solothurn und Olten verhält es sich so: Wie das Tobs (Theater Orchester Biel Solothurn) auf Anfrage ergänzend mitteilt, hat der kantonale Sonderstab Corona die Auflage gemacht, dass die Vorstellungen in Solothurn bis und mit 15. März nur mit maximal 99 Zuschauern stattfinden dürfen. Man müsse nun beraten, wie man das realisieren wird. Die Idee sei aber weiterhin, dass die Vorstellungen stattfinden, so Pressesprecherin Anna-Barbara Rothen.

In Olten dagegen liess man diese Idee offensichtlich schon früher als unrealistisch fallen. «Nach engem Kontakt mit den zuständigen kantonalen Behörden» und nach Prüfung verschiedener Massnahmen zur Reduzierung des Übertragungsrisikos habe man keine Lösung gefunden, die eine Durchführung der Vorstellungen erlaubt», wurde dort schon am Sonntagabend mitgeteilt. Es würden für alle Veranstalter die gleichen Vorgaben gelten, bekräftigt denn auch Andrea Affolter, Medienbeauftragte der Regierung. Und weiter: Es habe bis jetzt noch keine Veranstaltung mittels Verfügung abgesagt werden müssen, man sei sich über Durchführung oder Absage immer im Gespräch mit den Organisatoren einig geworden.

Tagt der Kantonsrat?

Kein Corona-Graben zwischen Olten und Solothurn also. Aber tut sich ein solcher zwischen Regierung und Parlament auf? Wohl sind die Einschränkungen vorerst bis zum 15. März befristet, aber die Situation dürfte sich bis dann wohl immer weiter zuspitzen und nicht entspannen. Am 17. März sollte aber die nächste Session des Solothurner Kantonsrats stattfinden. Wenn er tagt, sind neben den Ratsmitgliedern, die Regierung in corpore, der Staatsschreiber, der Ratssekretär und ein paar Journalisten im Saal. Nicht viel mehr, aber eindeutig mehr als 100 Personen also. Bis jetzt war nichts über Pläne zu vernehmen, die Session abzusagen. Am Donnerstag will die Ratsleitung informieren.

Autor

Urs Moser

Urs Moser

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