Der Weg der Zeitung

Ohne Morgenzeitung wird sie hässig

Carla Stampfli bei der Telefon-Recherche.

Carla Stampfli bei der Telefon-Recherche.

Als Praktikantin erhält Carla Stampfli einen Einblick in den Redaktionsalltag. Trotz der vielen Arbeit fühlt sie sich nicht überfordert.

Rückblickend war es ein Sprung ins kalte Wasser. Doch das sollte Carla Stampfli eigentlich nichts ausmachen, schliesslich ist sie Sportschwimmerin und hat bereits an Europa-, Weltmeisterschaften und an der Olympiade 2004 in Athen teilgenommen. Am 1. November 2012 hat die 28-Jährige ihr Praktikum bei der Solothurner Zeitung begonnen und wurde von ihren neuen Arbeitskollegen sofort mit Aufträgen eingedeckt. «Es ging zack, zack», erinnert sich die Solothurnerin.

Seither befindet sie sich im Informationsfluss, arbeitet Vollzeit auf der Redaktion, schreibt Artikel über Einbruchserien, Apfelmost, das Schulwesen, Galerieeröffnungen oder über den Balmberg. Anfang Dezember durfte sie für anderthalb Stunden auf dem Ratrac zur Pistenpräparation mit. Auch die schon fast traditionelle Weihnachtsbaum-Geschichte fehlte nicht.

2-monatige Praktika

Im Zweimonatsrhythmus bietet die Solothurner Zeitung jungen Schreiberlingen einen Einblick in den Journalismus. Für diese Zeit gelten die Praktikanten als vollwertiges Redaktionsmitglied, nehmen an der täglichen Morgensitzung teil, produzieren Texte für die Kantonsseite, für die Stadt und Region oder für «Der Sonntag».

Für Stampfli ist dies nicht die erste journalistische Erfahrung, hat sie doch schon 2004 als Gastautorin alle sechs Wochen Sportkolumnen geschrieben. Oder während ihrer Studienzeit in Mailand für ein Triathlon-Onlinemagazin. Heute kann sie einen Bachelor- und Masterabschluss im Dolmetschen und in Kommunikationswissenschaften vorweisen.

Oh du schöne Hektik

Trotzdem lernt Stampfli von ihren erfahrenen Redaktionskollegen viel, «habe ich Fragen, werde ich immer gut beraten». Jeden Tag könne sie Neues lernen, beobachten, wie andere an Themen herangehen, wie sie recherchieren und eine Geschichte für die Zeitung aufbauen. Mittlerweile hat sie sich auch mit den flexiblen Arbeitszeiten arrangiert, oder mit der anfänglich ungeliebten «Tagesfrage». Heute braucht sie weniger als eine Viertelstunde, um eine auskunftswillige Person auf der Strasse zu finden. Doch einmal, da wollte nun wirklich niemand mit Name und Bild hinstehen. Natürlich musste es an diesem Tag auch noch schneien. Und der Stift schrieb auf dem durchnässten Papier nicht mehr.

Den Kontakt mit anderen Menschen scheut Stampfli keineswegs, sie sagt von sich, dass sie gerne mit Leuten telefoniere oder diese für ein Gespräch besuche. Zielstrebig, organisiert, strukturiert, stressresistent und zuverlässig – das sind Fähigkeiten, die sie in ihrem Lebenslauf nennt. Und diese kommen ihr beim zuweilen hektischen Redaktionsalltag entgegen. Überfordert, nein, das fühle sie sich nicht. Trotz der vielen Arbeit.

Das traditionelle Print-Gen

Vielleicht hat es mit ihrer Passion zum Schwimmen zu tun: Carla Stampfli scheint jemand zu sein, die gegen den Strom schwimmt, bezeichnet sie sich selber doch als hartgesottene Zeitungsliebhaberin. Sie liebt traditionelle Printprodukte. Die Morgenzeitung ist ihr heilig. Wer ihr nicht die 15 Minuten Musse gönnt beim Frühstück, kann sich auf etwas gefasst machen. Woher diese Leidenschaft zum Lesen und Schreiben? Stampfli überlegt. «Ich bin nicht eine, die viel spricht, ich beobachte lieber, höre zu.» Und wenn sie etwas mitteilen will, dann mit Gehalt. Das passt zu ihrer Arbeit als Dolmetscherin und Journalistin: Sie erhält eine Information, verarbeitet diese und schickt sie leserlich weiter. Kaltes Wasser? Na und!

Meistgesehen

Artboard 1