Jodeln, jauchzen, jubeln

Nordwestschweizer Jodlerfest: Wo das Feuer des Brauchtums lebt – die besten Bilder vom Wochenende

Die grösste flächenmässig grösste Solothurner Gemeinde Mümliswil-Ramiswil war während dreier Tage eine Bastion der Schweizer Brauchtümer. Fahnenschwinger, Alphornbläser und Jodelformationen aus der Nordwestschweiz und darüber hinaus fanden im Guldental zusammen und feierten.

Nach einer durchzechten Nacht kommt am Sonntagnachmittag «es härzlichs Dankeschön» vom gastgebenden Jodlerklub Passwang. Der Mümliswiler Verein kommt als Schlusslicht des eineinhalbstündigen Umzugs mit 40 Sujets mit leichtem Verzug bei den tausenden Zuschauerinnen und Zuschauern vorbei und er beschliesst ein Wochenende, an welchem die Jodlerinnen und Jodler «das Feuer des Brauchtums leben» liessen, wie OK-Präsidentin Silvia Meister es bei der Eröffnung am Freitagabend angekündigt hatte. 

Das Fest am Eingang des Guldentals beginnt andächtig. Alphornklänge und Mümliswils Topografie: Das passt zusammen. Inmitten der Jurahügel stimmt sich die Alphorngruppe Geissflue aus Lommiswil hinter der örtlichen Sägerei auf ihr Wettkonzert ein. Daniela Gimmel hält noch ein Handy in den Händen, wenn es darum geht die Alphörner zu stimmen. Dann verschwindet alles was ans digitale Zeitalter erinnert in den Tiefen der Trachten. Bei den Lommiswilern ist die Stimmung gelöst – die Konzentration steigt beim Einmarsch in die kleine Arena vor die Juroren.

Als der erste Ton des Stücks «Blausee» von Hans-Jürg Sommer ertönt, verstummt das Publikum, das sich am späten Freitagnachmittag noch in einzelnen Dutzend abzählen lässt. Der Komponist des Stücks ist selbst auch zugegen: Der Oensinger Hans-Jürg Sommer lächelt aus seinem schneeweissen Bart hervor. Komponieren tut er noch immer. Bei Wettkonzerten ist Sommer aber nicht mehr dabei. «Man muss spielen, solange man noch nicht zittert», sagt Sommer.

Jodeln, Fahnenschwingen und Alphornblasen für den Ruhm

Nebenan in der Sägerei haben sich die Fahnenschwinger eingerichtet. Der Schwarzbube Pascal Oberli aus Himmelried führt die Solothurner Flagge mit präzisen Handbewegungen durch die Luft und lässt das Kantonswappen wehen. Noch muss Oberli sich das eine oder andere Mal mit einem Ausfallschritt helfen, um die durch die Luft wirbelnde Fahne aufzufangen. Er mache das nun seit 20 Jahren einmal wöchentlich, für ihn sei dies wie ein Sport erzählt er.

Fahnenschwinger, das seien meist jene, die musikalisch nicht gut genug sind. «Ich zumindest kenne keinen Fahnenschwinger, der auch Alphorn blasen kann», sagt Oberli. Um beide Brauchtümer zu pflegen und zu beherrschen, wäre der zeitliche Aufwand gross, sagt er. Im Wettbewerb wird der Schwarzbube wenig später glänzen: Er, der selbst auch der Jury angehört, holt sich bei den Juroren eine 1 ab. In der Schule käme dies einem sehr gut, also einer Note 6 gleich. Doch die Bewertung dient am Nordwestschweizerischen mehr der persönlichen Genugtuung: Das «Feuer für das Brauchtum» – O-Ton Meister – zählt. Preise gibt es ausschliesslich am Eidgenössischen Jodlerfest.

Auch eine Reisegruppe aus Südkorea lässt sich in Trachten gekleidet durchs Jodlerdörfli Mümliswils führen. Die Gäste aus Asien sind jedoch nicht bloss als Touristen zu Besuch: Sie besuchten in Südkorea regelmässig Jodelunterricht, erzählt OK-Präsidentin Meister. In Mümliswil nimmt die Gruppe aus Südkorea an den Wettkonzerten teil und etwa Jang Mi-Jeong glänzt dabei: Für ihre Einzeldarbietung erhält sie von den Juroren die Höchstnote.

Am Sonntagnachmittag eröffnen die Kühe der Familien Lisser und Zemp den Festumzug mit tosendem Glockengeläut. In vollem Karacho schiessen die reich geschmückten Kühe mit riesigen Glocken durchs Dorf. Zurück bleiben ein paar Kuhfladen, welche eine Putzequipe den Trachten zuliebe gleich wieder beseitigt. Was folgt ist ein buntes Schaulaufen von Menschn und Tier. Auf Jodelklubs folgen Alphornformationen.

Zwischendurch stehen auch historische Gefährte im Fokus. Pferde ziehen etwa eine Postkutsche aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts vorbei und zwei Kühe schleppen einen antiken Güllen-Wagen durchs Dorf. Der Wagen führt keine Gülle mehr, sondern Kafischnaps. «Gueti Bschütti wo si z’Wynige hei, gäu?», sagt eine Zuschauerin. Eine Hauptrolle im Festumzug spielen auch die Tiere: Verschiedene Sennenhund-Rassen und Bernhardiner-Hunde, bei welchen die Zunge ob der Hitze besonders tief hängt, ziehen durch die Strassen. Dann kommt der Mümliswiler Jodlerklub. «Wir sind mit Superlativen eingedeckt worden», sagt Silvia Meister, während das Fest ausklingt.

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