Coronavirus
Noch zu wenig Impfdosen: Hausarztpraxen im Kanton Solothurn müssen warten

Viele Menschen wollen sich gerne von ihrer Hausärztin impfen lassen, dafür fehlt es laut dem Kanton aber noch an Impfstoff.

Rebekka Balzarini
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Im grösseren Stil geimpft wird im Kanton vorerst nur im Impfzentrum in Solothurn.

Im grösseren Stil geimpft wird im Kanton vorerst nur im Impfzentrum in Solothurn.

Hanspeter Bärtschi

Wer sich im Kanton Solothurn bereits gegen Covid-19 impfen lassen darf, kann dies vorerst hauptsächlich in den kantonalen Impfzentren machen. Vorerst ist ein Zentrum in Solothurn in Betrieb, zwei weitere Zentren in Olten und Breitenbach werden am 8. Februar eröffnet. Noch kaum zum Zug kommen dagegen aktuell die Hausärztinnen und Hausärzte.

Im Rahmen eines Pilotprojekts dürfen sechs Arztpraxen im Kanton ihre Patientinnen und Patienten gegen Covid-19 impfen, Stand Dienstag waren in den hiesigen Arztpraxen seit Impfstart 280 Personen geimpft worden. Im Impfzentrum in Solothurn wurden im Vergleich bisher 3382 Personen geimpft, in Alters- und Pflegeheimen sowie sozialmedizinischen Institutionen 4272 Personen.

Dass in den Hausarztpraxen nicht häufiger geimpft werden kann, sorgt bei einigen Hausärztinnen und Hausärzten für Ärger. Zum Beispiel bei Thomas Fluri, der in Grenchen eine Arztpraxis führt. Seit der Moderna-Impfstoff in der Schweiz zugelassen wurde, hofft Fluri, dass der Impfstoff möglichst rasch an die Hausarztpraxen verteilt wird.

«Für andere Impfstoffe braucht es keine Parallelinfrastruktur»

Anders als der Impfstoff von Pfizer kann der Moderna-Impfstoff im Kühlschrank gelagert werden, und ist weniger kompliziert in der Handhabung. Laut Fluri ein entscheidender Umstand, der es erlauben würde, die Hausarztpraxen schneller als ursprünglich geplant in die kantonale Impfstrategie einzubinden.

Mit der Errichtung von Impfzentren sei ein zusätzlicher «Flaschenhals» geschaffen worden, der es verhindere, die Bevölkerung schnell zu impfen, kritisiert Fluri. «Der Moderna-Impfstoff gehört in die Hausarztpraxen, nicht in die Impfzentren. Die Zentren sollten für den Pfizer-Impfstoff, der stark gekühlt werden muss, zum Zug kommen. Für andere Impfstoffe braucht es keine Parallelinfrastruktur», fordert er.

Es sei zunehmend schwierig, den Patientinnen und Patienten zu erklären, warum sie sich nicht bei ihm impfen lassen können. «Viele möchten den Weg in die Impfzentren nicht auf sich nehmen, sondern würden sich gerne in ihrer Hausarztpraxis impfen lassen.»

Zusammenarbeit zwischen Verbänden und Kanton läuft

Thomas Fluri ist nicht der einzige Hausarzt, der seine Patientinnen und Patienten in seiner Praxis impfen würde. Laut Cornelia Meier, Co-Präsidentin der Gesellschaft der Ärztinnen und Ärzte Kanton Solothurn (GAeSO), gibt es viele Ärztinnen und Ärzte, die in ihren Praxen gerne loslegen würden.

Auch von Seite der Patientinnen und Patienten sei eine Nachfrage spürbar: «Es kommt tatsächlich regelmässig vor, dass sich Menschen lieber von ihrem Hausarzt oder von ihrer Hausärztin impfen lassen wollen», berichtet sie am Telefon. «Das hat auch damit zu tun, dass viele ihrer Praxis vertrauen und sich dort wohler fühlen als in einem grossen Impfzentrum.»

Einige hätten deshalb lieber abgewartet, statt sich für einen Impftermin in einem der Zentren anzumelden. «Obwohl wir ihnen sagen, dass sie sich schnell impfen lassen sollen», so Meier.

Über ähnliche Erfahrungen berichtet Simone Eugster, Co-Präsidentin der Haus- und Kinderärzte Solothurn (HASO). Viele Hausärzte würden gerne so schnell wie möglich in ihren Praxen impfen, schreibt sie. «Einerseits aus der Erfahrung heraus, dass weniger mobile Patienten so einen einfacheren Zugang haben, andererseits, weil dadurch gerade auch impfkritischere Personen besser erreicht werden können.»

HASO und GAeSO stehen in regelmässigem Austausch mit dem Kanton, bestätigen die beiden Co-Präsidentinnen. «Wir nehmen wöchentlich an verschiedenen Sitzungen mit dem Kanton teil, und schätzen diese Möglichkeit sehr», betont Cornelia Meier.

Lieferung macht noch keinen Sinn

Vorerst scheitere der Impfstart in den Hausarztpraxen denn auch nicht am fehlenden Willen, sondern an der Menge der Impfdosen, die dem Kanton zur Verfügung stehen. «Aufgrund der zur Zeit noch bestehenden Lieferengpässe der Impfungen macht es leider noch keinen Sinn, dass viele Praxen mit Kleinstmengen von Impfstoffen beliefert werden», schreibt Simone Eugster.

«Die Logistik der Impfungen ist nicht nur aufgrund der Kühltemperaturen erschwert, sondern auch wegen diverser Schnittstellen mit dem BAG und der konformen Dokumentation.» Diese Abläufe würden aktuell in den Pilotpraxen optimiert, so Eugster, «damit – sobald genügend Impfstoff für alle Praxen zur Verfügung steht –, auch unverzüglich gestartet werden kann».

Nicht vor Ende März Impfstoff für die Hausarztpraxen

Beim Kanton heisst es, dass es noch einige Wochen dauern könne, bis weitere Hausarztpraxen ihre Patientinnen und Patienten mit einem Covid-19-Impfstoff impfen können. «Sobald die dem Kanton zur Verfügung stehenden Impfkontingente es erlauben, werden weitere Hausarztpraxen einbezogen», schreibt David Kummer, der Kommunikationsverantwortliche des Fachstabs Pandemie. Gestützt auf die aktuell bekannten Zahlen sei mit diesem Ausbau aber nicht vor Ende März zu rechnen.

«Die vom Bund bereits gelieferten oder in Aussicht gestellten Impfmengen wurden entweder bereits verimpft, oder sind für die Zweitimpfungen und die weiteren Impfungen der aktuell impfberechtigten Personengruppen eingeplant», schreibt Kummer weiter. «Der verfügbare Impfstoff wird prioritär in den Alters- und Pflegeheimen eingesetzt, damit bereits vor Ende Januar die Erstimpfungen in diesen besonders kritischen Institutionen abgeschlossen werden können.»

Mit dem noch verfügbaren Impfstoff habe vorerst nur das Impfzentrum in Solothurn versorgt werden können. Dass Solothurn, anders als etwa der Kanton Zürich, zuerst hauptsächlich in Impfzentren, und erst in einem zweiten Schritt in Hausarztpraxen impft, sei mit den Vorgaben des Bundes vereinbar: Die kantonale Impfstrategie sei darauf ausgerichtet, dass in allen Regionen des Kantons die jeweils berechtigte Personengruppe geimpft werden könne.

«Nicht zuletzt limitiert und diktiert aber der zurzeit nur eingeschränkt verfügbare Impfstoff den Zeitplan und auch den Aufbau des Angebots an Impfmöglichkeiten», so Kummer. Wenn genügend Impfstoff vorhanden ist, dann könnte zusätzlich zu den Hausarztpraxen auch in den Apotheken geimpft werden.