Die Umgebung passte perfekt zum Start der Berufsmesse IB Live, Ausgabe 2017. Es war ziemlich laut, es roch nach Industriearbeit, es wurde gehämmert, gebohrt, geschliffen in den Bellacher Produktionshallen der Busbauerin Hess AG und der Werkzeugherstellerin Fraisa AG.

Die Orte wurden für die Berufsmesse bewusst gewählt, denn deren Name ist Programm: Industrieberufe live erleben. Lernende bringen Schülern und Schülerinnen der 7. bis 10. Klasse 24 Berufe in ihrer Umgebung und in ihrer Sprache näher. Der zum dritten Mal in der Region Solothurn stattfindende Anlass soll dazu beitragen, die Lehrstellen in der Industrie mit künftigen Lernenden zu besetzen. Es machen zehn Firmen mit, 200 Lernende sind direkt engagiert.

Für «Beschäftigungsoffensive»

Das Konzept ist ein Erfolg, wie Josef Maushart, Präsident des organisierenden Industrieverbandes Solothurn und Umgebung (Inveso), an der Eröffnung erklärte. Über 50 Schulklassen hätten zum jetzigen Zeitpunkt bereits 105 der möglichen 126 Zeitfenster gebucht. «Das ist ein neuer Anmelderekord.»

Hochgerechnet werden inklusive Einzelbesuchern rund 2500 Teilnehmende an der Messe erwartet. Die in der Grossregion Solothurn stark vertretene Industrie brauche Nachwuchskräfte. Kantonsweit zähle der Sektor über 20'000 Beschäftigte, biete über 1000 Ausbildungsplätze und erwirtschafte eine Wertschöpfung von mehr als sechs Milliarden Franken. Die meisten der Unternehmen seien nach schwierigen Zeiten dank Automatisierung, Optimierung und Internationalisierung wieder auf Vorwärtskurs.

An der IB Live 2017 erhalten Schüler Einblick in Industriebetriebe. Zum Beispiel in die Fraisa in Bellach.

Trotzdem seien landesweit in der Industrie rund 20'000 Arbeitsplätze verloren gegangen, gleichzeitig seien im Ausland 200'000 Stellen aufgebaut worden. Deshalb brauche es nun hierzulande «eine Beschäftigungsoffensive». Dazu werde auch die Digitalisierung beitragen. «Sie entwickelt sich vom Risiko zur Chance.»

Jobs verschwinden, aber es werden neue aufgebaut. «Dazu muss die technologische Entwicklung mit der sozialen Verantwortung verbunden werden», so Maushart. Die Menschen müssten mitgenommen und eben ausgebildet werden, damit sie den neuen Anforderungen gerecht werden können. Er sprach neben der Berufsbildung explizit die Nachholbildung an, die im Kanton Solothurn sehr gut funktioniere.

Die Industrie 4.0 werde die gesamte Berufswelt Schritt für Schritt verändern, nahm Bildungsdirektor Remo Ankli den Ball auf. Der Anteil der Routinetätigkeiten nehme ab, gleichzeitig seien neue Kompetenzen gefragt. Es gebe neue Interaktionsformen zwischen Mensch und Maschine. «Der Mensch bleibt aber der Innovationstreiber. Jemand muss beispielsweise die Roboter bauen.» Dieser Entwicklung müsse sich die Aus und Weiterbildung anpassen. Darin spiele eine Berufsmesse der praktischen Art wie die IB Live eine wichtige Rolle. Sie ermögliche einen realistischen Einblick in die Berufswelt. Das Modell stütze die wichtige Berufsorientierung. «Mit der IB Live helfen die Firmen aktiv mit, den anspruchsvollen Übergang von der Volksschule in das Berufsleben zu bewältigen», lobte der Regierungsrat die Organisatoren.


Die IB Live dauert noch bis zum kommenden Samstag. Infos gibt es hier