Nachruf
Zum Tod von Künstler Dani Jehle: «Er hatte ein eigenständiges Werk»

Zum Tod von Dani Jehle 10. Juni 1963 - 26. Juni 2021.

Urs Byland
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Dani Jehle während einer Ausstellung 2017 in Solothurn.

Dani Jehle während einer Ausstellung 2017 in Solothurn.

Frb

Am 26. Juni ist der Künstler Dani Jehle im Alter von 58 Jahren gestorben. Wenige Tage zuvor noch besuchte er in Solothurn eine Vernissage in der Galerie Löiegruebe, sass bequem auf einem Stuhl und grüsste seine Kolleginnen und Kollegen. Ein typisches Bild, denn Jehle lebte zwar seit Anfang 90er Jahre in Moutier, bewegte sich aber oft und gern in den Künstlerkreisen von Solothurn.

Die Galerie Löiegruebe wurde in den letzten Jahren zu seinem wichtigen Ankerpunkt in Solothurn. Aufgewachsen ist er in Riedholz. Von 1976 bis 1983 besuchte er das Kapuziner-Internat in Stans. Vor der Zeit in der Galerie Löiegruebe war Jehle mehrfach Gast in der Freitags-Galerie von Rolf Imhof. «Er war ein feiner Herr», beschreibt dieser Jehle.

«Kunst war für ihn alles.»

Fünf Mal stellte Dani Jehle in der Freitagsgalerie aus, das erste Mal 1986. «Er hatte ein eigenständiges Werk.»

Jehle sei zwar als Einzelgänger unterwegs gewesen, habe aber immer Kontakte gesucht und auch viele Menschen vernetzt. Dani Jehle, der ursprünglich Kunstgeschichte studieren wollte, hat sich immer weitergebildet. «Er war ein wandelndes Archiv», sagt seine Mutter Rita Jehle, seine wichtigste Bezugsperson. «Er hat wahnsinnig viel gewusst und immer Themen aufgegriffen, die ihn beschäftigten oder betrafen», sagt auch Löiegruebe-Galerist Daniel Eymann. Entstanden ist beispielsweise in der Ausstellung «Daniel in der Löwengrube» ein Bild 14 auf 1,4 Meter, das kaum Platz in der Löiegruebe fand. Eine zweite Ausstellung widmete sich dem Thema Moutier und der Abstimmung zum Kantonswechsel.

Seine Bilder spiegelten sein Innerstes

Jehle pendelte in den letzten Jahren vermehrt zwischen Moutier und Solothurn, nachdem er sich Jahre zuvor wegen seiner psychischen Erkrankung, die eine der Antriebsfedern seines künstlerischen Schaffens war, zurückgezogen hatte. «Vor einigen Jahren hat er symbolisch die Fensterläden wieder geöffnet. Er hat in dieser Phase auch die Fensterläden des Nachbarn gelb bemalt», erzählt Eymann, der diese Fensterläden während der Coronazeit in der Löiegruebe aufstellte.

Dani Jehle malte zeitlebens mit seinen Fingern, die direkt die Dispersionsfarbe auftrugen, und nie mit Pinseln. Er habe nicht gefallen wollen, seine Werke spiegelten direkt sein Innerstes, sagt sein Mutter.

«Er war auf der Suche nach einer unumstösslichen Wahrheit über die Erneuerung der Natur, die Geburt und Tod beinhaltet.»

Am Abend des 22. Juni, nach einem langen Tag mit einer Reise nach Solothurn, besucht ihn ein Freund im Atelier in Moutier. Gemeinsam wollen sie ein Bier trinken, als Jehle zusammenbricht. Vier Tage später stirbt er im Inselspital in Bern, in der Stadt, in der er geboren wurde.

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