Im April stand die Solothurner SVP Knall auf Fall führungslos da. Präsident Silvio Jeker schmiss hin, und mit ihm nahmen auch die beiden Vize Christine Rütti und Rolf Joachim sowie Kassier Hugo Schumacher den Hut. Die erfolgsverwöhnte Partei hatte bei den Kantonsratswahlen einen Sitzverlust hinnehmen müssen, und auch Regierungsratskandidat Manfred Küng war komplett durchgefallen. Dass Präsident Jeker den Wahlausgang aus der Ferne von den Ferien in Thailand aus verfolgte, setzte dem Ganzen noch das Sahnehäubchen auf. Der Ruf nach einem Neuanfang wurde laut.

Der ist nun vier Monate später aufgegleist. Interimistisch führten die Nationalräte Christian Imark und Walter Wobmann die Partei. Imark soll nun definitiv übernehmen, er wird der Generalversammlung vom kommenden Donnerstag als neuer Kantonalpräsident vorgeschlagen.

Führung wird aufgestockt

Eine Überraschung ist das nicht, der Schwarzbube Imark ist die naheliegende Wahl. Alternativ wäre vielleicht auch der Oltner Christian Werner in Frage gekommen, aber dann hätte sich eine neue Lücke aufgetan, die Spitze der Kantonsratsfraktion wäre neu zu besetzen gewesen. Warum dauerte es dann bis am Donnerstagabend, bis die Katze aus dem Sack war und man sich in der verbliebenen Parteiführung auf den Vorschlag einigte? Zögerte Imark so lange oder gab es interne Konkurrenz? Weder noch, sagt der designierte Präsident. Man habe von Anfang an gesagt, dass man sich Zeit nehmen werde, um sich die Organisation der Parteiführung gut zu überlegen. Dabei sei er keineswegs zum vornherein als Präsident gesetzt gewesen, so Imark. Aber er habe immer gesagt, dass er zur Verfügung stehe, wenn es ihn braucht.

Imark will die Partei zusammen mit vier Vizepräsidenten führen, die ein Ressort betreuen. Kantonsrat Beat Künzli aus Laupersdorf wird Imarks Stellvertreter und ist als erster Vize Kontaktmann für die Amteiparteien. Kantonsrätin Christine Rütti aus Balsthal zeichnet für die Parteianlässe verantwortlich. Der eben erst in den Kantonsrat nachgerückte Rémy Wyssmann aus Kriegstetten betreut die Themen Asyl- und Ausländerpolitik, Sicherheit und Justiz. Kantonsrat Richard Aschberger aus Grenchen kümmert sich um Wirtschaftsthemen, KMU und Verkehrsinfrastruktur. Als weitere Präsidiumsmitglieder sollen Thomas Giger, Gemeinderat von Nuglar St. Pantaleon, für die Kampagnen verantwortlich sein und Silvia Stöckli, Gemeindepräsidentin von Lüterswil-Gächliwil, sich um Neugründungen und die Betreuung der Ortsparteien kümmern. Von Amtes wegen im Parteipräsidium verbleiben auch Nationalrat Walter Wobmann und Fraktionschef Christian Werner. Und last but not least hat sich Kantonsrat Hugo Schumacher bereit erklärt, nun vorderhand doch weiter als Finanzchef zu amten.

Auf Kernthemen fokussieren

Die Analyse habe ergeben, dass die Arbeit bisher auf zu wenig Schultern lastete, erklärt Christian Imark die Verbreiterung der Parteispitze. Und mit der bei zwei Vizepräsidenten angesiedelten Themenverantwortung wolle man klare Prioritäten setzen und den Fokus auf die Kernthemen der SVP legen. Die Partei will damit die Lehren aus den letzten Wahlgängen ziehen: Sie legte zwar bei den Nationalratswahlen weiter zu, bei den kantonalen Wahlen sei man aber zu wenig über Themen und Inhalte wahrgenommen worden. «Es geht uns darum, als Solothurner SVP den Solothurner Weg mit Solothurner Themen zu beschreiten», so Imark.
Der designierte SVP-Präsident zeigt sich offen, das traditionell eher angespannte Verhältnis unter den bürgerlichen Parteien, insbesondere zwischen der SVP und den Freisinnigen, zu entkrampfen. «Ich würde eine engere strategische Zusammenarbeit begrüssen», so Imark.

Es ist nicht ganz einfach, sich im Hinblick auf die nächsten kantonalen Wahlen vorzustellen, wie eine solche Zusammenarbeit aussehen könnte. Die Freisinnigen werden versuchen, ihren zweiten Regierungssitz zurückzuerobern, und auch für den designierten SVP-Präsidenten Imark ist klar: «Wir wollen Verantwortung in der Kantonsregierung übernehmen, das bleibt eines unserer wichtigsten Ziele.»