Eigentlich müsste man annehmen, dass kein Blatt zwischen die Solothurner Bauern und CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt passt. Soeben hat die «Bauernzeitung» Müller-Altermatt zum bauernfreundlichsten Solothurner Bundesparlamentarier gekürt. Zu 100 Prozent beantwortete der Thaler die Fragen im Sinne der Bauern.

Tatsächlich aber weht Müller-Altermatt, zumindest im Thal, ein heftiger Gegenwind von Bauernseite entgegen, seit er sich für die Ansiedlung des Wisents einsetzt. Am Donnerstag hat der Solothurner Bauernverband die Schraube nochmals angezogen. Grund dafür sind Aussagen von Wisentprojektleiter Darius Weber, der in dieser Zeitung zu einem Frontalangriff auf die Landwirte geblasen hatte. Zwar hat Müller-Altermatt danach sofort reagiert: Weber musste unverzüglich gehen.

"Nur leere Worte"

Doch die Wogen sind damit offenbar noch nicht geglättet, wie der am Donnerstag verschickte Newsletter des Bauernverbandes zeigt. Dort kritisiert Bauernsekretär Peter Brügger das Projekt erneut. Die Äusserungen von Darius Weber würden das «wahre Gesicht der Wisent-Freunde» zeigen, so Brügger. Die Versprechen, dass die Initianten selbst das Projekt kritisch beurteilen würden, seien letztlich nur «leere Worte». Die landwirtschaftlichen Anliegen würden von den Wisent-Promotoren «nur als lästiges Störmanöver, nicht aber als ernst zu nehmende Anliegen einer Branche beurteilt.»

Brügger weiter: «Das gibt auch einen Vorgeschmack auf die Behandlung von Schäden.» Zwar attestiert der Bauernverband dem Wisent-Projekt, mit Webers Entlassung «Schadensbegrenzung» zu betreiben. «Ob auch tatsächlich ein Umdenken stattfindet, muss sich erst noch zeigen.» Brügger fordert, dass sich der Naturpark Thal vom Projekt distanziere. Denn das Projekt führe zur «Konfrontation zwischen Naturschutz und Landwirtschaft». Dies aber passe nicht ins Konzept eines Naturparks, der Natur mit Land- und Forstwirtschaft in Einklang bringen müsse.