Negativspirale
Nach Konkurs der RCT Balsthal droht eine Nulldividende

Der Konkurs der Industriefirma RCT Balsthal kann für die Beschäftigten noch schlimmere Folgen als erwartet haben: Eine Einstellung des Verfahrens mangels Aktiven ist möglich – Firmenchef Marco Marchetti kann es gelassen nehmen.

Franz Schaible
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Nun droht sogar eine Nulldividende.

Nun droht sogar eine Nulldividende.

Hanspeter Baertschi

Die an sich schon schwierige Situation für die vom Konkurs der Balsthaler Industriefirma RCT betroffenen 75 Mitarbeitenden könnte sich noch massiv verschlechtern. «Eventuell muss das Konkursverfahren mangels Aktiven eingestellt werden», erklärt auf Anfrage Martin Schmalz, Leiter des kantonalen Konkursamtes. Das überrascht, sind doch zahlreichen Anlagen und Maschinen – auch neueren Datums – im Industriebetrieb vorhanden, welche verwertet werden können.

Der Grund liege hauptsächlich darin, dass der Erlös aus den beweglichen Aktiven vorweg für die Forderung der Vermieterin der Fabrikliegenschaften hafte. Das sogenannte Retentionsrecht des Vermieters sei gesetzlich vorgeschrieben. «Das bedeutet, wenn aus dem Erlös der beweglichen Aktiven die Forderung der Vermieterin nicht gedeckt werden kann, bleibt für die übrigen Gläubiger nichts übrig und infolge Fehlens anderer Aktiven müsse das Verfahren eben eingestellt werden», erläutert Schmalz weiter.

Unter anderem heisst das für die entlassenen Mitarbeitenden, dass sie allfällige Ansprüche an Löhne und Lohnanteile, die über die von der staatlichen Arbeitslosenversicherung geleistete Insolvenzentschädigung hinaus gehen, ans Bein streichen müssten. Zur Erinnerung: Es gibt keinen Sozialplan.

Liegenschaft gehört Marchetti

So ist interessant zu wissen, wer denn die Vermieterin ist. Eine Nachfrage bei der zuständigen Amtsschreiberei liefert den Namen. Es ist die 1C Commercial Real Estate AG in Zug. Diese wiederum gehört vollständig der 1C Industries Zug AG in Zug. Deren Gründer, Verwaltungsratspräsident und Mehrheitsaktionär ist Marco Marchetti. Damit schliesst sich der Kreis. Denn bis vor kurzem war die 1C Industries Mehrheitsaktionärin der Accu Holding, zu welcher die RCT gehört. Marchetti war sowohl CEO der Accu wie auch der RCT (siehe Update). Im Klartext: Marchettis Firma RCT geht in Konkurs, aber als Eigentümer der Liegenschaft muss er auf ausstehende Mietzinsen nicht verzichten.

Gibt noch letzte Hoffnung

Noch ist es nicht so weit. «Nach wie vor ist die Situation um die konkursite RCT unklar», sagt Schmalz. Das Verwertungsverfahren sei erst im Anfangsstadium. Das Konkursamt werde die Aktiven bestmöglich verwerten und weitere Interessenten kontaktieren. «Wir hoffen, dass ein Erlös erzielt werden kann, welcher die Forderungen der Vermieterin übersteigt.»

Dann könnte der Konkurs im summarischen Verfahren durchgeführt werden. Dieses verlaufe rascher, einfacher und kostengünstiger als das ordentliche Verfahren, ohne dass die Gläubiger schlechter gestellt seien.

Schuldenruf noch ausstehend

Angaben über die Konkursmasse seien derzeit nicht möglich. Einerseits gebe es Interessenten für die Aktiven, allerdings lägen noch keine konkreten Angebote auf dem Tisch. Andererseits würden die Gläubiger laufend ihre Forderungen anmelden. Diese seien aber noch lange nicht vollständig. Der Schuldenruf könne erst dann stattfinden, wenn feststehe, dass das Konkursverfahren tatsächlich durchgeführt werden könne.

Nach früheren Angaben der Mutterfirma Accu Holding habe man in Bezug auf Verpflichtungen von RCT Patronatserklärungen respektive Garantien ausgestellt. Soweit solche Garantien tatsächlich bestünden, könnten die Gläubiger ihre Forderungen direkt bei der Muttergesellschaft geltend machen, so Schmalz. «Wir haben davon bisher keine detaillierten Kenntnisse.»

Eine Negativspirale

Seit Monaten liefern die RCT Hydraulic Tooling AG und ihre Mutterfirma Accu Holding negative Schlagzeilen. Zuerst wurden Löhne von RCT-Angestellten über Monate hinweg nicht ausbezahlt. Die börsenkotierte Accu Holding AG wurde von der Börsenaufsichtsbehörde wegen Verletzung mehrerer Vorschriften mit 100'000 Franken gebüsst, dann eröffnete die Zürcher Staatsanwaltschaft eine Strafuntersuchung gegen Firmenchef und Mehrheitsaktionär Marco Marchetti wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung und Urkundendelikte. Daraufhin ist Marchetti von den Ämtern als CEO und Verwaltungsratspräsident zurückgetreten. Eine geplante und von der Generalversammlung genehmigte Kapitalerhöhung musste abgesagt werden. Inzwischen hat Marchetti seine zuvor über die 1C Industries Zug AG gehaltene Mehrheit an der Accu Holding an eine neue Aktionärsgruppe abgegeben. Am 10. Mai wurde über die RCT wegen Zahlungsunfähigkeit der Konkurs eröffnet, 75 Mitarbeitende standen auf der Strasse. (FS)

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