Kanton Solothurn

Nach Corona-Fernunterricht: Petition fordert weniger strenge Regeln fürs Homeschooling

In den letzten Wochen lernten viele Kinder daheim und wurden von ihren Eltern unterstützt.

In den letzten Wochen lernten viele Kinder daheim und wurden von ihren Eltern unterstützt.

Eine Petition fordert weniger strenge Regeln für Homeschooling und beruft sich auf die jüngsten Erfahrungen mit Fernunterricht wegen des Coronavirus.

Die Kinder selbst daheim unterrichten, statt ihnen jeden Morgen ein Znüni in die Hand zu drücken und sie auf den Schulweg zu schicken. Es gibt Eltern, die sich das wünschen. Im Kanton Solothurn werden etwas mehr als zehn Kinder daheim unterrichtet. Die Zahlen sind laut dem Volksschulamt des Kantons Solothurn seit Jahren konstant.

Grund für die im Vergleich mit den Kantonen Aargau und Bern tiefen Zahlen sind die strengeren Regeln, die im Kanton Solothurn im Vergleich mit den anderen Kantonen herrschen. So müssen Eltern im Kanton Solothurn ein von der Schweizerischen Konferenz der kantonale Erziehungsdirektoren anerkanntes Lehrdiplom auf der entsprechenden Stufe haben, damit sie ihre Kinder daheim unterrichten dürfen.

Schulbesuch als Weg in die Gesellschaft

Dass die Regeln im Kanton Solothurn strenger sind als in anderen Kantonen sorgt regelmässig für Kritik. Auch jetzt gibt es wieder Bestrebungen, die Regeln im Kanton an diejenigen in den Kantonen Bern oder Aargau anzupassen. Auf der Plattform petitio.ch lancierten Unterstützer von Homeschooling eine Petition, die von 342 Personen unterzeichnet wurde. Die Petition fordert eine Liberalisierung des Homeschoolings im Kanton.

Als Argument für Lockerungen bei den Regeln für Homeschooling führen die Initianten der Petition die letzten Wochen auf: «Der Kanton Solothurn hat den Eltern von März bis Mai 2020 das volle Vertrauen bezüglich Heimunterricht ausgesprochen», so die Initianten. «Ein solches Homeschooling wünscht sich eine Minderheit von Eltern für ihre Kinder auch nach der Coronazeit», schreiben sie weiter. «Manche Kinder können sich zum Beispiel aus charakterlichen oder psychischen Gründen im Gruppenunterricht nicht voll entfalten. Sie erfahren im Homeschooling eine bessere Chancengleichheit».

Ist es tatsächlich möglich, dass sich das Volksschulamt nach den letzten Wochen bereit ist, im Bereich Homeschooling umzudenken? Andreas Walter, der Leiter des Amtes, winkt auf Anfrage ab. Fernunterricht und Homeschooling könnten nicht gleichgesetzt werden, so Walter. «Der Fernunterricht und das Homeschooling unterscheiden sich deutlich. Der Unterschied liegt in der Zuständigkeit und Verantwortung für die Konzipierung, Planung und Steuerung des Unterrichts und in der zeitlichen Dimension», schreibt er. «Während der Zeit des Fernunterrichts hatten die Kinder regelmässigen Kontakt mit ihrer Lehrperson. Die Verantwortung für die Schulpflicht lag weiterhin bei der Schule. Die Aufträge sollten ohne fachliche Hilfe der Eltern bearbeitet werden können».

Die Regeln bezüglich Privatunterrichts oder Homeschooling im Kanton Solothurn sind im Volksschulgesetz festgelegt. «Schule dient also auch einem integrativen Zweck», führt Walter aus. «Die Gemeinschaft verpflichtet mit der Verfassung die Eltern und den Staat zu einer ganzheitlichen Ausbildung. Bildung des Individuums und hineinwachsen in die Kultur, als Teil der Vergesellschaftung. Dieser Teil ist für das Dasein als Erwachsener in unserer Gesellschaft von zentraler Bedeutung und begründet so die Schulpflicht», so Walter weiter. «Würde die intellektuelle Förderung in den Vordergrund gerückt, könnte anstelle der Schulpflicht technisch auch eine Unterrichtspflicht treten. Die gemeinschaftsbildende Klammer unserer Volksschule würde sich dadurch jedoch grundsätzlich verändern», so Walter. Homeschooling sei im Kanton deshalb nur in Einzelfällen möglich, wenn spezielle Bedürfnisse eines Kindes dies erforderlich machen.

Trotz der Erfahrungen aus den letzten Wochen und einer erneuten Petition: Lockerungen bezüglich Homeschooling scheinen sich im Kanton Solothurn weiter keine anzubahnen.

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Autor

Rebekka Balzarini

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