Museum Olten
Nachlass des Fotografen Hansruedi Riesen in Olten

Das Historische Museum Olten übernimmt den Nachlass des Fotografen Hansruedi Riesen (1954–2020).

Fränzi Zwahlen-Saner
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Schraubenfertigung für den Eisenbahnoberbau bei von Roll um 1992.

Schraubenfertigung für den Eisenbahnoberbau bei von Roll um 1992.

Hansruedi Riesen

«Hervorheben und zeigen, was verborgen ist, auch von Orten, wo man es gar nicht vermutet, das faszinierte ihn. Respekt haben, nicht aufdringlich sein machten es ihm möglich, Menschen auf den Fotos so natürlich zu zeigen, wie wenn kein Fotograf da wäre.» Diese Sätze schrieb Fotograf Alois Winiger zum Tod seines Kollegen und Freundes Hansruedi Riesen vor einem Jahr. Nun ist Riesens fotografischer Nachlass ins Historische Museum Olten überbracht worden, wo seine Fotoarbeiten fachmännisch gelagert und aufgearbeitet werden.

Durch Freunde und Berufskollegen, die sich um den Nachlass von Riesen kümmerten, kam es dazu, dass das Historische Museum Olten diesen Auftrag übernahm, erklärt die Museumsleiterin Luisa Bertolaccini.

«Es ist eine nicht allzu grosse Sammlung, die auch bereits von Hansruedi Riesen selbst gut aufgearbeitet war. Foto-Abzüge, Negative, aber auch Listen mit exakten Angaben haben wir in den zahlreichen Umzugskartons auffinden können.»

Nun werde alles gesichtet und wo nötig konservatorisch behandelt und zeitnah aufgearbeitet. Wichtig sei, dass Riesens Werk inhaltlich aufgearbeitet und damit der Nachwelt zugänglich gemacht werde.

Hansruedi Riesen (1954–2020) por­trätiert von Franz Gloor.

Hansruedi Riesen (1954–2020) por­trätiert von Franz Gloor.

Franz Gloor

Jetzt sind es vier Fotografen des Jurasüdfuss

«Es ist natürlich wunderbar, mit Riesen nun den vierten Nachlass eines Fotografen des Jurasüdfuss derselben Generation im Haus zu haben. Und es ist interessant zu sehen, wie unterschiedlich diese Fotografen, Franz Gloor, Roland Schneider, Thomas Ledergerber und Riesen ein gleiches oder ähnliches Sujet fotografisch angegangen sind», so die Museumsleiterin.

Zum Repertoire von Hansruedi Riesen gehörte insbesondere die Reportage-, Architektur- und Industriefotografie. Es sind wichtige Fotoarbeiten, welche die Geschichte der Industrie im Kanton Solothurn betreffen. Allen voran sind dies die Dokumentationen zur Firma von Roll oder zur Kammgarnspinnerei Derendingen-Luterbach, kurz «Kammgi» genannt. Die Arbeiten zur Restaurierung des Dampfers «Lötschberg» und zum Solothurner Künstler Heiko Schütz, der aus Bestandteilen dieses Dampfers neue Skulpturen schuf, stellen ebenfalls ein einmaliges Dokument dar. Dies sind nur einige der Serien, die durch ihre dokumentarischen wie hochästhetischen Qualitäten überzeugen.

Riesen wurde vielfach ausgezeichnet

Arbeiter bei von Roll

Arbeiter bei von Roll

Hansruedi Riesen

Riesen zeigte bereits früh in seinem Leben ein grosses Interesse an der Fotografie und brachte sich in der Folge das Handwerk selbst bei. 1982 war er so weit, dass er sein erstes Fotoatelier in Solothurn eröffnete und als Fotograf tätig war. Er publizierte seine Arbeiten bei der «Neuen Zürcher Zeitung», «Weltwoche», bei «Beobachter» oder bei der Zeitschrift «Camera». Zahlreiche Gruppen- und Einzelausstellung haben Riesens Arbeit dem Publikum vermittelt. 1996 erhielt er den Preis für Fotografie des Kantons Solothurn.

Der Nachlass Riesens gesellt sich ideal zu den schon vorhandenen von Gloor, Schneider und Ledergerber. Sie veranschaulichen die Veränderungen der Region und des Kantons. «Wir planen, Arbeiten von Riesen auch in unsere Sammlungspräsentation in Olten zu integrieren und möglichst bald auch einen Ausschnitt aus dem Nachlass zu zeigen», sagt die Museumsleiterin.

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