Amtsgericht Solothurn-Lebern

Mit Sackmesser auf Landsmann eingestochen: Eritreer wird zu über 7 Jahren Haft und Landesverweis verurteilt

Der Tatort: Zur Messerstecherei kam es vor dem Volkshaus in Solothurn.

Der Tatort: Zur Messerstecherei kam es vor dem Volkshaus in Solothurn.

Das Amtsgericht Solothurn-Lebern verurteilt einen 21-jährigen Eritreer wegen versuchter vorsätzlicher Tötung. Er hatte im November 2018 in Solothurn auf einen Landsmann eingestochen.

Wegen versuchter vorsätzlicher Tötung ist der 21-jährige Elias K.* vom Amtsgericht Solothurn-Lebern schuldig gesprochen worden. In einem Streit unter Eritreern vor dem «Volkshaus» in Solothurn hatte er am 3. November 2018 mit einem Sackmesser auf einen Landsmann gefährlich eingestochen.

Vieles an der Tat blieb unklar, wegen der grossen Anzahl Beteiligter und karger, widersprüchlicher, vager Aussagen. Klar ist, so Staatsanwalt Raphael Stüdi, dass fünf bis zehn Personen vor dem Volkshaus mit Gürteln aufeinander losgegangen seien und einer einen andern mit einem wuchtigen Messerstich in die linke Flanke lebensgefährlich verletzt habe. Aber den Tatablauf herauszufinden, sei «extrem mühsam» gewesen.

Es scheint, dass es im Eritreer-Treff zu einem Streit kam und es zwei Lager gab. Elias Cousin erzählte ihm von einem zwei Tage zurückliegenden Streit. Elias fragte einen Gegner des Cousins, was passiert sei. Dieser beschimpfte ihn aber nur als «Hurensohn», eine Flasche drohend in der Hand haltend. Elias verbat sich diese Titulierung, worauf ein Streit ausbrach. Er sah, dass sein Cousin ein geöffnetes Taschenmesser hielt, und überredete ihn, es ihm zu geben. Elias will es laut eigenen Aussagen geöffnet in seine Hosentasche gesteckt haben.

Draussen ging der Streit in einen Raufhandel über, bei dem Elias zu Boden geworfen und mit Schlägen und Tritten traktiert wurde. Sein Auge war blutig geschwollen. Er kniete, zückte das Messer hervor, fuchtelte damit herum und stiess auf Samson G.* ein. Die 7 Zentimeter lange Klinge führte im Lungengewebe zur inneren Blutung. In der U-Haft bezichtigte Elias seinen Cousin der Tat. Das führte zur internationalen Ausschreibung und Festnahme des Cousins. Somit lautete die Anklage nicht nur auf versuchte vorsätzliche Tötung und Raufhandel, sondern auch auf falsche Anschuldigung und qualifizierte Freiheitsberaubung und Entführung. «Das war ein grosser Fehler, ich entschuldige mich von ganzem Herzen», so Elias. Schlägerei und Messereinsatz gab er zu, aber es sei Notwehr. «Ich wollte niemanden verletzen, nur mich verteidigen.»

Gericht folgt weitgehend der Anklage

Staatsanwalt Stüdi argumentierte, Elias sei sich der Gefährlichkeit bewusst gewesen, das Todesrisiko sei da gewesen. Notwehr sei es nicht, weil nie die Rede davon war, dass Samson ihn geschlagen habe, sondern andere Beteiligte. Das Messer habe er entweder zugeklappt oder offen in der Hand gehalten. Es könne sich nur jener auf Notwehr berufen, der den Streit nicht beginnt oder anheizt. «Wer sich auf Raufhandel freiwillig einlässt, kann sich nicht auf Notwehr berufen.» Er hätte Samson vorwarnen müssen. Stüdi forderte 7 Jahre und 6 Monate Haft. Zudem einen Landesverweis von 12 Jahren.

Verteidiger Roman Baumann Lorant fand die Beweislage zu wirr, nicht erhärtet. Elias habe nicht gemerkt, dass er auf jemanden einstach. Er habe sich bloss wehren wollen. Weder das Messer, das Einstechen, noch die Verletzung seien sehr gefährlich gewesen. Am Raufhandel habe er sich nur verteidigend beteiligt. Er forderte einen Freispruch und Genugtuung für Elias Überhaft. Nur die falsche Anschuldigung sei erwiesen, doch habe er damit nicht die Inhaftierung des Cousins bewirken wollen und es sei in dessen Einverständnis erfolgt. Er forderte maximal 9 Monate bedingt.

Das Gericht mit Raphaela Schumacher, Statthalterin der Amtsgerichtspräsidenten, Rosmarie Châtelain und Markus Zubler sprach Elias in allen Punkten schuldig und verurteilte ihn zu 7 Jahren und 4 Monaten Haft und einem 10-jährigen Landesverweis. Eine Episode an der Verhandlung war seltsam. Ein Eritreer kam ohne gerichtliche Vorladung in den Saal und gab sich als Opfer aus, woraufhin das Gericht und die Parteien ihn befragen wollten. Nur die Intervention von Baumann Lorant verhinderte dies, als sich herausstellte, dass der Mann sich nicht ausweisen konnte.

*Namen geändert.

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