Er war zu warm und viel zu trocken! Der vergangene Sommer hat den Klimawandel eindrücklich aufgezeigt. Doch was dagegen zu tun sei, darüber scheiden sich die Geister. In Bern zerbröselte das Klimaschutzgesetz in den Händen der Parlamentarier so weit, bis nicht einmal mehr die Linke etwas damit anzufangen wusste. Neuigkeiten gibt es jetzt aber von einer anderen Front.

Und zwar aus dem Kanton Solothurn, genauer aus dem Bucheggberg. Der Solothurner Waldeigentümerverband hat ein Klimaschutz-Projekt auf die Beine gestellt, in dem der Wald die zentrale Rolle spielt. Nach einem ähnlichen Projekt im Kanton Schwyz ist es erst das zweite signifikante Projekt dieser Art schweizweit.

Die Idee dahinter ist simpel – und bestechend. Bäume ziehen CO2 aus der Atmosphäre und machen via Fotosynthese Sauerstoff daraus, der Kohlenstoff wird im Holz abgelagert. Stark vereinfacht ausgedrückt: je mehr Bäume, desto weniger CO2. Dieses Prinzip macht sich der Waldeigentümerverband zunutze. Forstbetriebe können sich verpflichten, weniger Holz zu schlagen. Die wirtschaftlichen Verluste werden durch sogenannte CO2-Zertifikate kompensiert. Unternehmen oder auch Privatpersonen können solche Zertifikate kaufen und damit ihre Öko-Bilanz aufpolieren.

Und so funktionierts

Und so funktionierts

Ausgangspunkt Buchegg

Gestartet ist dieses Pilotprojekt auf rund 1200 Hektar Wald im Bucheggberg. Das entspricht etwa der doppelten Fläche der Gemeinde Solothurn. Insgesamt 100'000 Tonnen CO2 sollen dort im Verlauf von 30 Jahren zusätzlich abgebaut werden.

Das ist allerdings nur der Anfang. In einem nächsten Schritt soll das Projekt auf den ganzen Kanton ausgeweitet werden, wie Projektleiter Geri Kaufmann erklärt. Weitere Waldeigentümer hätten bereits Interesse bekundet, im Moment sei man dabei, einen Verein zu gründen, der zur zentralen Anlaufstelle für alle Anliegen rund ums Projekt werden soll. «Uns geht es darum, von Anfang an ein Gefäss zu haben, in dem die Zuständigkeiten klar geregelt sind.» So hätten interessierte Waldeigentümer einen klaren Ansprechpartner und auch der Handel mit den Zertifikaten könnte über eine einheitliche Stelle geregelt werden.

Und noch ein weiterer Punkt spricht für eine zentrale Anlaufstelle: Irgendwann soll das Projekt auf die ganze Schweiz ausgeweitet werden. Deshalb unterstützten auch das Bundesamt für Umwelt und die Organisation Wald Schweiz das Projekt, als es darum ging, die Methode zu entwickeln. Die Erkenntnisse, die man im Solothurnischen machen wird, sollen schliesslich schweizweit einen Beitrag zum Klimaschutz erbringen.

Ein kleiner Beitrag

100'000 Tonnen CO2 sollen in 30 Jahren im Pilotprojekt abgebaut werden. Dass mit diesem neuen Ansatz alleine der Klimawandel nicht aufzuhalten ist, liegt auf der Hand. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum entsteht so viel CO2 alleine durch die Fleischproduktion, um den Bedarf von rund 6500 Menschen zu decken. Die Beheizung von rund 450 Altbau Wohnungen oder knapp 2000 Autofahrer produzieren in derselben Zeit ebenso viel CO2.

Dessen ist sich auch Kaufmann bewusst. «Damit alleine kann man noch nicht allzu viel bewegen. Es ist ein kleines Mosaiksteinchen, ein kleiner Beitrag vonseiten des Waldes.» Schliesslich müsse sich jeder und jede selber die Frage stellen, was er oder sie bereit sei, für den Klimaschutz zu leisten.

Komplett freiwillig

Mit der Bereitschaft zum Umweltschutz wird auch der Erfolg dieses Projekts stehen und fallen. Der Kauf der Zertifikate ist komplett freiwillig. «Firmen können sich damit ein Umweltbewusstsein auf die Fahne schreiben», erklärt Kaufmann. Und nicht nur Firmen, sondern auch Private, die etwa regelmässig durch die Weltgeschichte fliegen, können so die angerichteten Umweltschäden kompensieren. Eine Verpflichtung gibt es aber nicht.
Umweltschutz auf freiwilliger Basis – funktioniert das? Wird überhaupt jemand solche Zertifikate kaufen? «Das Interesse ist vorhanden», ist Kaufmann überzeugt.

Dem Projekt kommt zugute, dass es direkt in der Region stattfindet. Wer daran teilnimmt, geht klare Verpflichtungen ein. So werde regelmässig überprüft werden, ob der versprochene reduzierte Holzschlag auch tatsächlich eingehalten werde, erklärt Kaufmann. Im Gegensatz zu Zertifikaten aus dem Ausland, bei denen nicht immer klar sei, wohin das Geld genau fliesse und was man wirklich damit bewirke, könnten sich Käufer hier sicher sein, dass das investierte Geld tatsächlich dem Klimaschutz zugutekommt. Ob dies reicht, ob das Projekt auf Anklang stösst und ausgeweitet werden kann, muss sich aber erst noch zeigen.

Mehr Informationen zum Projekt gibt es hier.