Der Solothurner Regierungsrat will den Fall William W. extern untersuchen lassen, wie am Freitag bekannt wurde. Ein unabhängiger Experte soll der Frage nachgehen, weshalb der mehrfach straffällig gewordene Kinderschänder trotz mittlerem bis hohem Rückfallrisiko in die Freiheit entlassen werden konnte, wo er sich erneut an einem Knaben vergangen haben soll.

Gesucht werde eine «anerkannte Person mit fachlicher Erfahrung», sagt Bernardo Albisetti, Departementssekretär im Justizdepartement. Noch vor Weihnachten sollen mögliche Experten angefragt werden. Die Untersuchung sei im Einvernehmen mit Oberstaatsanwalt Hansjürg Brodbeck angeordnet worden.

Justizdirektor Roland Fürst hatte bereits vor zwei Wochen, als W.s jüngste Tat bekannt wurde, gesagt, das Regelwerk müsse «kritisch hinterfragt und allenfalls überarbeitet werden». Der Fall zeige die grundsätzlichen Herausforderungen der Zusammenarbeit von Gerichts-, Strafverfolgungs- und Strafvollzugsbehörden auf, so Fürst damals gegenüber der «SonntagsZeitung». Kritisiert wurde Fürst von der SVP jedoch, weil er bereits damals sogleich personelle Konsequenzen ausgeschlossen hat.

Kinderschänder William W. schlug wieder zu

Kinderschänder William W. schlug wieder zu

Der Fall von William W. bewegt die Gemüter. Nun nimmt sogar der Chef der Solothurner Staatsanwaltschaft vor der Kamera Stellung.

Justizdirektor musste vorsprechen

Hat der Regierungsrat damit nicht einer Untersuchung vorgegriffen? Fürst war am Freitag auf Anfrage nicht erreichbar. Departementssekretär Bernardo Albisetti sagt, Stand heute gehe er nach wie vor davon aus, dass keine personellen Konsequenzen gezogen werden müssten. Der Fokus liege auf möglichen Unstimmigkeiten im Justizsystem, die dazu geführt hätten, dass W. freigelassen wurde. Dies bedeute aber nicht, dass die Frage möglicher Fehler der Involvierten in der Untersuchung nicht auch geklärt werde. Allenfalls müsse man danach über die Bücher. Andererseits könne die Untersuchung auch diejenigen Personen entlasten, die heute in der Kritik stünden.

Dass die Regierung eine Untersuchung beschlossen hat, ist am Freitag erst durch eine Mitteilung der kantonsrätlichen Justizkommission bekannt geworden. Diese hatte am Donnerstag Justizdirektor Fürst und Oberstaatsanwalt Hansjürg Brodbeck geladen, um Informationen zum Fall W. zu erhalten. Worüber die Kommission genau diskutiert hat, will Beat Wildi (FDP, Wangen), Präsident der Justizkommission, mit Blick auf das Kommissionsgeheimnis nicht erläutern.

Die Justizkommission unterstütze, «dass der Regierungsrat an einer minutiösen Aufarbeitung des Falles interessiert ist und dass er deshalb eine externe Untersuchung in Auftrag geben wird», so Wildi. Der Entscheid sei einstimmig gefallen. Die Justizkommission selbst habe keine Vorgaben gemacht, welche Fragestellungen geklärt werden sollen. Wildi rechnet damit, dass der Bericht in einigen Monaten vorliegt. Er soll dann veröffentlicht werden.

1999 wurde der gebürtige Südamerikaner William W. verurteilt, weil er fünf Kinder sexuell missbraucht hatte. Er kam frei und wurde 2006 rückfällig. In Starrkirch-Wil vergewaltigte er eine Achtjährige brutal. Wegen eines Behördenfehlers kam der heute 45-Jährige dann 2016 frei, obwohl ihm ein Gutachten Rückfallgefahr attestierte.