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Menschen als Puppen oder umgekehrt? — neues Theaterstück ist bald in Solothurn und Dornach zu sehen

Spiel mit Puppen und Personen «All you can be!». Im Bild Aaron Hitz und Puppenspielerin Clara Gil.n Hitz,

Spiel mit Puppen und Personen «All you can be!». Im Bild Aaron Hitz und Puppenspielerin Clara Gil.n Hitz,

Im Stück «All You Can Be!» am Tobs Solothurn wird der Sagenstoff von Orpheus und Euridike zwischen Menschen und Puppen dargestellt.

Trotz Coronasituation schafft es das Theater und Orchester Biel Solothurn Tobs, einen Teil seiner Stücke dem Publikum zu präsentieren. Zwar sind jeweils nur 30 Besucher zugelassen, was soll’s – Hauptsache Theater. Und was für ein Theater. «All You Can Be» ist die neueste Produktion des Schauspieler-Duos Max Merker und Aaron Hitz. Diesmal arbeiten sie zusammen mit der spanischen Schauspielerin, Puppenspielerin und Requisiteurin Clara Gil.

Sie ist es auch, die zunächst die Bühne betritt. Auf ihrem Rücken tragend bringt sie die beiden männlichen Darsteller auf die Bühne und hängt ihre Hände und den Rücken an ein Gummiseil. So hängen die beiden tatsächlich «in den Seilen», sind von einem Moment auf den anderen zu Puppen geworden – und verhalten sich nun auch so. Merker, mit einem grüngefärbten Gesicht, trägt Sonnenbrille und hat als lange im Gebrauch stehende Marionette schon ein paar Narben abgekriegt. Hitz, mit weissgeschminktem Gesicht und blau-samtenen Jackett, mahnt da noch eher an eine Kasperlefigur. Er ist neugierig, wissbegierig und macht Musik.

So sehen die zwei männlichen Darsteller aus.

So sehen die zwei männlichen Darsteller aus.

Wer stellt besser Gefühle dar?

Zunächst aber unterhalten sich die Zwei darüber, ob denn nun Puppen oder echte Menschen die wahren Schauspielkünstler seien. Vor allem interessiert es sie, wer den Tod denn besser darstellen kann – und schon finden sie sich in einem harten Fechtkampf, durchbohren einander und sterben doch nicht, sondern stehen – von ihren sichtbaren Fäden gezogen – doch immer wieder auf, fliegen fast gar durch die Luft.

Doch wie steht es mit der Darstellung von Gefühlen, von Liebe? Wäre dies ein Fach, das nicht doch ein menschlicher Akteur besser darstellen könnte? Weit gefehlt: Auch Puppen können Gefühle ausdrücken, gar noch besser als Menschen, sagt die Puppe Merker. Denn sie können sich voll auf ihre Rolle konzentrieren und müssen nicht noch immer ans eigene Ich und seine Wirkung denken. Das trägt ein Mensch doch einfach in sich.

Ein Beispiel gefällig? Wie wäre es mit der griechischen Sage von Orpheus und Eurydike. Der Gesang und das Saitenspiel – hier Gitarrenspiel – des Orpheus sind so schön, dass jeder Mensch davon wie verzaubert ist. Auch seine Liebste Eurydike, doch eine giftige Schlange beisst sie. Sie stirbt und muss nun in der Unterwelt weiterleben. Ein für Orpheus fast nicht zu bewältigender Schicksalsschlag. So steigt er in die Unterwelt hinab, um seine Geliebte zurückzuholen. Aufgrund seines schönen Gesangs wird ihm dies auch gestattet, doch nur unter der Bedingung, dass er die hinter ihm gehende Eurydike nicht ansehen darf. Ansonsten sterben sie beide unwiederbringlich. Orpheus schafft das natürlich nicht.

Als liebende Eurydike ist auf der Bühne nun eine lebensgrosse Eurydike-Puppe von Clara Gil zu sehen, von ihr geführt. Und es bewahrheitet sich: Im Zusammenspiel zwischen Mensch und Puppe steht diese nicht hintenan. Im Gegenteil. Herzzerreissend zeigt sie mit Körpersprache und Kopfhaltung tiefe Zuneigung, Liebe. Die beiden angeblichen Puppen, Merker und Hitz, nehmen diese Intensität an und führen sie weiter. Clara Gil erklärt am Schluss des Stückes eindrücklich, wie sie ihre Eurydike geschaffen hat: «Ich arbeite auf eine sehr organische Art und Weise. Was heute vielleicht nicht gelang, gehört morgen zum Charakter der Puppe.»

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