Amtsgericht

Mann zahlt 15'000 Franken an Drogendealer, damit seine Frau stirbt – ohne Erfolg

Ein Ehemann wollte sich seiner Frau entledigen – er beauftragte aber die «Falschen» damit.

Ein Ehemann wollte sich seiner Frau entledigen – er beauftragte aber die «Falschen» damit.

Ein 52-jähriger Schweizer zahlte 15000 Franken für einen Auftragsmord an einen Dealer. Dieser beauftragte wiederum einen anderen Dealer, der das Geld einsackte und nichts unternahm. Ein Fall, bei dem die Justiz an seine Grenzen stösst.

Er war ein braver Bürger, der sich in seiner Wohngemeinde ehrenamtlich betätigte und respektiert wurde. «Bis dass der Tod euch scheidet», schwor Gerhard P.*, als er 1998 die Thailänderin Mai Ling* heiratete. Bald darauf wurde er Vater. Doch die Ehe kriselte, und im Herbst 2005 hatte Gerhard P. die unsägliche Idee, das «abgekürzte Verfahren» einzuleiten: Er erteilte seinem alten Kumpel Markus F.*, einem Drogendealer, den Auftrag, seine Frau mittels eines vorgetäuschten Unfalls zu ermorden.

Der Auftragsmord wurde zwar nie ausgeführt, aber 2009 sagte der Drogenabhängige Hans W.* in einem anderen Strafverfahren aus, dass er vor längerer Zeit von seinem Dealer Markus F. den Auftrag erhalten hätte, eine Thailänderin umzubringen. So kam der Fall ins Rollen. Gerhard P. wurde von der Arbeitsstelle weg verhaftet und verbrachte einen Monat in Untersuchungshaft. Am Montag musste sich der heute 52-jährige, geständige Schweizer vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern wegen versuchter Anstiftung zu Mord und Anstiftung zu versuchter Anstiftung zu Mord verantworten.

Eheleute sind weiterhin zusammen

Erst nach der Verhaftung ihres Ehemannes erfuhr die Frau, dass Gerhard Jahre zuvor ihre Ermordung geplant hatte. Doch Mai Ling verzieh ihrem Mann. Und weil Gerhard P. nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft keine vernünftige Stelle mehr fand, geht sie heute arbeiten, während sich Gerhard zu Hause um die beiden Kinder sorgt. So nahm die Geschichte eine unglaubliche Wende: «Ich liebe ihn und will nicht, dass er ins Gefängnis muss», sagte Mai Ling vor dem Amtsgericht. «Seine Kinder brauchen ihn, er ist ein guter Vater.» Früher sei ihr Mann fast nie zu Hause gewesen. «Er hat sich geändert. Jetzt schaut er gut zu uns.»

Drögeler nahm dankend das Geld

Als Motiv für den Auftragsmord gab Gerhard P. an, dass seine Frau die Kinder schlecht behandelt, geschlagen und in den Keller eingesperrt habe. «Als ich einmal nach Hause kam, sass meine kleine Tochter weinend am Boden und sagte, sie wolle nicht mehr leben.» Das habe sein Herz gebrochen. «Ich war so verzweifelt, ich sah keinen anderen Weg, meine Kinder zu schützen.» Eine Scheidung sei nicht infrage gekommen, weil er überzeugt gewesen sei, dass ihm dann die Kinder weggenommen werden. «Markus F. war ein alter Kollege, den ich nach langer Zeit wieder traf. Da habe ich ihm die Probleme erzählt. Er sagte, man müsste Mai Ling eine Abreibung verpassen», beschrieb der Angeklagte den Lauf der Dinge.

Da sei ihm die Idee gekommen, seine Frau töten zu lassen. Es habe zwar keinen genauen Ausführungsplan gegeben, aber Gerhard P. gab zu, Markus F. 15'000 Franken bezahlt zu haben. Er übergab ihm Fotos und erklärte, wann seine Frau mit dem Velo unterwegs war. Markus F. wollte den Mord aber nicht selber ausführen. Er beauftragte den Drögeler Hans W., der das Geld dankend nahm – aber nichts weiter unternahm.

«Bei diesem Fall stösst die Juristerei an ihre Grenzen», sagte Verteidiger Reto Gasser in seinem Plädoyer. Das Ergebnis des Urteils sei wichtiger als die juristische Beurteilung. «Täter und Opfer leben heute eine harmonische Ehe.» Dieses Gebilde würde in sich zusammenfallen, wenn Gerhard P. eine Freiheitsstrafe antreten müsste. «Er betreut die Kinder. Die Strafempfindlichkeit ist extrem hoch.»

Der Verteidiger forderte deshalb eine bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe von zwei Jahren – zum Wohl der unschuldigen Kinder. Ein allenfalls teilbedingter Vollzug einer Freiheitsstrafe sei nur dann akzeptabel, wenn das Gericht vorher sicherstelle, dass das sogenannte «Electronic Monitoring» in diesem Fall angeordnet werden kann und der Angeklagte mit einer Fussfessel zu Hause seine Kinder versorgen könne.

Staatsanwalt fordert sechs Jahre

Ein ganz anderes Bild des Angeklagten zeichnete der Staatsanwalt. «Gerhard P. nimmt das Kindeswohl nur als Vorwand, um seine perfiden, mörderischen Pläne zu rechtfertigen», sagte Jan Gutzwiller in seinem Plädoyer. Er forderte eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren mit den Worten: «Er hat sich gemütskalt, skrupellos und rücksichtslos über das Leben anderer Menschen hinwegsetzt. Gerhard P. wollte auf bequeme Art und Weise der zerrütteten Ehe ein Ende setzen. Ein Rechtsstaat kann es sich nicht leisten, einen solchen Fall auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn wäre Gerhard P. mit seinen Mordplänen an die richtigen Leute geraten, dann würde seine Frau heute nicht mehr leben.» Das Amtsgericht wird sein Urteil am Dienstag bekannt geben.

* Name von der Redaktion geändert

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