Kunsthaus Grenchen

Malerin, Drucker und Animationsfilmerin: Drei Ausstellungen, die leider nicht zugänglich sind

Das Kunsthaus Grenchen eröffnete drei Ausstellungen, die leider nicht zugänglich sind. Auch ein Sonderfall in der Corona-Zeit.

Im Kunsthaus Grenchen wäre seit dem letzten Samstag, 22. März eine Ausstellung mit Arbeiten der jungen Künstlerin Rebekka Steiger zu sehen. Wäre, denn kurz bevor die Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte, erfolgte das Schliessungs­gebot für alle Museen und Ausstellungsräume in der Schweiz. Dennoch steht die Ausstellung und diese Zeitung konnte vor wenigen Tagen beim Gang durch den Neubau im Kunsthaus sich ein Bild von Steigers Werk machen.

Rebekka Steiger (*1993) kann im Kunsthaus Grenchen zum ersten Mal in einer Einzelpräsentation ihre Arbeiten in einem grösseren Haus präsentieren. Die 27-jährige Zürcherin absolvierte ihre künstlerische Ausbildung die HSLU, Hochschule für Kunst und Design in Luzern. In Luzern konnte sie auch schon kleinere Ausstellungen realisieren, und dort ist sie der Leiterin des Kunsthauses Grenchen, Claudine Metzger, aufgefallen.

Ein Stipendium führte sie 2018 nach Peking, wo sie auch ein Atelier hat. Seit­-
her pendelt sie zwischen der Schweiz und der chinesischen Metropole mit 20 Millionen Einwohner. «Anfang Dezember, als die ersten Nachrichten zum Coronavirus Peking erreichten, reiste ich in die Schweiz ab und dachte, in Europa sicher zu sein. Dass es so kommt …», sinniert die Künstlerin beim Ausstellungsrundgang.

Amazonen, Feen und Landschaften

Wieso auf ihren teils übergrossen Gemälden immer wieder Reiterinnen, Amazonen zu finden sind? «Es ist die Bewegung, die Ästhetik dieser Verschmelzung von Tier und Mensch, die mich interessiert.» Obwohl sie selbst keine Reiterin sei. Doch diese Form, die Vitalität und die Bewegung faszinieren sie. Auch ist Steiger an nautischen Symbolen und Ausdrücken interessiert; diese verwendet sie oft für die Titel ihrer Arbeiten. So ist denn auch der Titel dieser Ausstellung mit «Boxing the compass» übertitelt, ein Begriff aus der Seefahrt.

Er bezeichnet das Ziel, alle 32 Punkte des Kompasses zu lokalisieren, um bei ständig wechselndem Wind die Orientierung nicht zu verlieren. Man könnte den Titel aber auch als Versuch verstehen, die Reichweite seines eigenen Orientierungsradius zu vergrössern, noch weiter in neue Richtungen zu gehen, dabei aber den Überblick nicht zu verlieren. Genau die Situation, in der sich die junge Künstlerin auf ihrem Weg durch die globalisierte Welt befindet.

«Ich bin Malerin – durch und durch»

In jüngster Zeit sind häufig Landschaften, Hügelzüge oder nebulöse Flora auf ihren intensiv farbigen Bildern auszumachen. Oft entwickeln sich ihre Gemälde auch aus der Farbe, aus dem Material heraus. Wie sich Leinwand, Pigmente unter einander verhalten und entwickeln, interessiert die Künstlerin sehr und begeistert sie. Steiger bevorzugt es, in Mischtechniken zu arbeiten. Die Begründung: «Ich bin Malerin. Durch und durch.»

Meisterliche Reduktion im Film

Marion Nyffenegger In der Reihe «20 m2 – Fenster ins Atelier» hat die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Kunsthauses Grenchen, Sarah Elser, im zweiten Stock eine Ateliersituation der jungen Animateurfilmerin Marion Nyffenegger aus Kienberg nachgebaut. Es sind Arbeitstisch, Skizzen, Tagebucheintragungen und natürlich der Animationsfilm selbst zu sehen. Nyffeneggers preisgekrönter Film «Das Leben ist eines der Leichtesten» wurde 2019 ein Förderpreis des Kantons Solothurn verliehen; ebenfalls lief der 7½-minütige Streifen an den diesjährigen Solothurner Filmtagen.

Mit insgesamt 7000 einzelnen Zeichnungen, mit Interviews von mehreren Personen thematisiert Nyffenegger im Film Heimat und Kindheitsprägungen. «In künstlerischer Hinsicht war mir wichtig, die Kohlezeichnungen, die diesem Animationsfilm zugrunde liegen, soweit wie möglich zu reduzieren», so Nyffenegger.

Das Druckhandwerk lebt weiter

20 Jahre Gentinetta Nebenan im Girard-Haus ist eine Jubiläumsausstellung zum 20-jährigen Bestehen der Kupferdruckwerkstatt Gentinetta aus Zürich zu sehen. Mit dem Ziel, drucktechnisches Wissen zu erhalten und das Druckhandwerk einem breiten Publikum bekannt zu machen, gründete Mathias Gentinetta im Jahr 2000 seine Druckwerkstatt. Seither ist diese Werkstatt die Adresse für viele Künstlerinnen und Künstler, die dort unterschiedliche Hoch- und Tiefdrucktechniken kennen lernen und anwenden. «Die Druckwerkstatt versteht sich auch als Atelier. Hier können Kunstschaffende und andere Interessierte von unserem Wissen und unserer Erfahrung profitieren», sagt Werkstattinhaber und Künstler Mathias Gentinetta. In Grenchen sind nun eine Auswahl von Künstlern, von Gentinetta selber, aber auch von Amateuren zu sehen, welche unterschiedliche Druckverfahren für ihre Werke beanspruchen.

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