Balsthal
Löst sich jetzt endlich der Stau in der Klus? Kantonsrat entscheidet über 74-Millionen-Kredit

Nächste Woche entscheidet der Kantonsrat über den 74-Millionen-Kredit für die «Verkehrsanbindung Thal». Die Stausituation im Städtchen Klus gilt seit langem als unzumutbar, aber das Umfahrungsprojekt ist umstritten.

Urs Moser
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Im Städtchen Klus gibt es fast kein Durchkommen.

Im Städtchen Klus gibt es fast kein Durchkommen.

Hanspeter Bärtschi

«Umfahrung Klus», sondern «Verkehrsanbindung Thal». Das soll die übergeordnete ­Bedeutung unterstreichen; dass es um einen besseren verkehrstechnischen Anschluss an das Mittelland für den ganzen Bezirk Thal geht, der damit an Standortattraktivität gewinnen soll.

Nächste Woche wird der Kantonsrat über einen Verpflichtungskredit von 74 Millionen Franken befinden. Eine überfällige und zwingend nötige Investition, sagen die Befürworter. Für die Gegner ist es aus dem Fenster geworfenes Geld für ein überholtes Luxusprojekt.

Viadukt, Tunnel und flankierende Massnahmen

Kernstück ist die Entlastungsstrasse, die westlich des Städtchens Klus verläuft. Ab der bestehenden Solothurnerstrasse (Knoten Wengimattstrasse) wird eine neue Strasse gebaut, die Richtung Balsthal die OeBB-­Gleise, die Dünnern und das Industriegebiet Klus über einen rund 300 Meter langen Viadukt überquert. Bei der geschützten Felsnase Guntenflüeli geht es in einen 220 Meter langen Tunnel.

Ab dem nördlichen Tunnelportal führt die neue Strasse rund 300 Meter westlich des Augstbachs zu einem neuen Kreisel Thalstrasse. Das Projekt beinhaltet flankierende Massnahmen wie die Revitalisierung des Geschiebesammlers bei der Einmündung des Mümliswilerbachs in den Augstbach, neue Fuss- und Radwegverbindungen und ein grösseres Raumangebot für den Langsamverkehr im Städtchen Klus. Der eigentliche Strassenbau macht 49 Millionen der Gesamtkosten aus.

Politischer Prozess und Rechtsverfahren parallel

Auch wenn sie aus der Strassenrechnung finanziert wird und nicht den allgemeinen Staatshaushalt belastet: 74 Millionen sind eine stolze Summe für einen Kilometer Strasse in finanziell angespannten Zeiten. Nachdem die Umfahrungen in Solothurn und Olten längst realisiert wurden, geht es für die Thaler aber auch um einen Akt der Solidarität. Die Diskussion um eine Umfahrung Klus wird seit Jahrzehnten geführt. Jetzt, wo ein spruchreifes Projekt vorliegt, soll es auch endlich durchgezogen werden.

Das sieht auch die Regierung so. Der Verpflichtungskredit werde dem Parlament und gegebenenfalls auch dem Stimmvolk (er unterliegt nicht dem obligatorischen Referendum) unabhängig davon unterbreitet, ob zum jeweiligen Zeitpunkt noch Beschwerdeverfahren hängig sind, erklärte Baudirektor Roland Fürst, als er die Vorlage im September präsentierte. Wenige Tage später entschied das kantonale Verwaltungsgericht, dass zur Beurteilung der Rechtmässigkeit des geplanten Projekts zwingend ein Gutachten der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege einzuholen sei. Die Zweigleisigkeit des Verfahrens dürfte mit ein Grund gewesen sein, dass es sich die vorberatende Umwelt-, Bau- und Wirtschaftskommission nicht leicht machte und dem Verpflichtungskredit im November erst nach einer zweiten Lesung zustimmte.

Einer der Stau-Hotspots des Kantons

Unbestritten ist, dass die Verkehrssituation im Nadelöhr Klus mehr als unbefriedigend ist. Die Fahrt vom Autobahnzubringer Oensingen nach Balsthal dauert mit dem Auto normalerweise vier Minuten, in den Stosszeiten verdoppelt sie sich regelmässig. Es kann aber auch vorkommen, dass man für die Strecke eine halbe Stunde braucht. Die Verlustzeiten in der Klus gehören damit im Vergleich mit anderen staubelasteten Abschnitten zu den längsten im ganzen Kanton.

Dem vorliegenden Projekt gingen Variantenstudien und die Erarbeitung einer Mobilitätsstrategie für das ganze Thal voraus. Mit dem Ergebnis, dass ohne den Bau einer Umfahrung des Städtchens Klus keine attraktive Verkehrserschliessung realisierbar sei. Dass sie gebaut wird, ist den Thaler Gemeinden so viel wert, dass sie sich freiwillig mit zwei Millionen am Beitrag von 7,7 Millionen beteiligen, den die Standortgemeinde Balsthal leisten muss.

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