Logistik
Cargo Sous Terrain will die Logistik revolutionieren – renommierte Logistikunternehmer äussern Zweifel

Unter den Logistikern ist man sich nicht einig, wie zukunftsträchtig das unterirdische Warentransportsystem tatsächlich ist. Zweifel gibt's an der Finanzierbarkeit, aber auch an der Zielführung. Ein Logistikunternehmer äussert sich aber entschieden für Cargo Sous Terrain.

Jocelyn Daloz und Sébastian Lavoyer
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Peter Galliker, CEO Galliker Transport AG, glaubt an die Zukunft von Cargo Sous Terrain.

Peter Galliker, CEO Galliker Transport AG, glaubt an die Zukunft von Cargo Sous Terrain.

Philipp Schmidli / Neue Luzerner Zeitung

Ein neuer Ansatz in der Logistik, ein ambitioniertes Infrastrukturprojekt, das auch ökologisch sein soll: Peter Galliker sieht keinen Grund, weshalb er Cargo Sous Terrain nicht unterstützen sollte.

Politik stellt sich dem Projekt nicht in den Weg

Der Geschäftsführer des luzernischen Logistikunternehmens begründet sein Vertrauen ins Projekt auch damit, dass die Politik ihm den Weg ebnet. So hat der Bundesrat dem Parlament noch vor Weihnachten einen Gesetzesentwurf überreicht. Erste Echos aus der Verkehrskommission des Ständerats klingen vielversprechend für das 33-Milliarden-Projekt.

Zwar sind Kantone wie der Aargau oder Solothurn nach wie vor skeptisch, wie wir vergangenen Samstag berichteten – aber auch sie stellen nicht das Projekt an sich in Frage, fordern aber eine zentralisierte Verantwortung beim Bund.

Erste finanzielle Mittel sind zugesichert

Auch aus finanzieller Sicht sieht Galliker ermutigende Zeichen: «Ich habe gestaunt, dass so viele Investoren so früh bereit waren, erste Gelder freizugeben.» Die Planphase des Unterfangens ist bis 2025 mit 100 Millionen Franken bereits zugesichert.

Zu den Aktionären zählen zahlreiche Logistikfirmen: Neben der Post und SBB Cargo sind zwei europäische Giganten wie DSV aus Dänemark und die deutsche Rhenus-Gruppe Hauptaktionäre von CST. In der Schweiz haben Firmen wie Dreier, DPD oder Gilgen ebenfalls investiert.

Planzer und Giezendanner glauben aber nicht daran

Peter Galliker ist der einzige Logistiker, der sich öffentlich derart für das Projekt starkmacht: Er ist Mitglied des Unterstützungskomitees, dem unter anderem auch Nationalräte wie die Grünliberale Katja Christ, SP-Energiepolitiker Roger Nordmann oder Post-CEO Roberto Cirillo angehören.

Aber es gibt auch Skepsis unter den Logistikern. So sagt Benjamin Giezendanner, Geschäftsführer von Giezendanner Transporte und Mitglied der Verkehrskommission im Nationalrat:

«Das ist ein Traum, der ohne staatliche Zuschüsse schnell ausgeträumt sein wird.»
Der Unternehmer und SVP-Nationalrat Benjamin Giezendanner sieht keine Zukunft für Cargo Sous Terrain.

Der Unternehmer und SVP-Nationalrat Benjamin Giezendanner sieht keine Zukunft für Cargo Sous Terrain.

Chris Iseli

Giezendanner: Es gäbe andere bessere Ideen

Zwar will auch der SVP-Politiker dem Projekt gesetzlich nicht im Wege stehen: «Es darf keine Technologieverbote geben.» Aber er erachtet das Projekt als nicht finanzierbar. Und zudem nicht unbedingt zielführend. Giezendanner: «Vielleicht wird es für Städte interessant sein, wenn das Projekt dank besserer Koordination die Warenflüsse effizienter steuert. Aber die Randregionen werden kaum weniger Verkehr haben.»

Für ihn stehen bessere Ideen im Raum, um die Güterverkehrsbranche ökologischer und effizienter zu gestalten: autonome Fahrzeuge, CO2-neutrale Wasserstofflastwagen, digitalisierte Prozesse.

Wirft man ein, dass der Güterverkehr in den nächsten 15 Jahren um mehr als 40 Prozent wachsen soll, so entgegnet er: «Man muss die Strassenkapazitäten besser auslasten, indem man Nachtfahrverbote lockert.» Er könnte sich vorstellen, dass man während der Nacht in stark besiedelte Gebieten lediglich mit lärmarmen Fahrzeugen verkehren dürfte, wohingegen die Transitachsen generell geöffnet würden.

Nils Planzer: Beim Verkehr sind die Privatautos das Problem

Auch Nils Planzer zweifelt. Zum einen an den prognostizierten Kosten, zum anderen an der verkehrsentlastenden Wirkung von Cargo Sous Terrain: «Dazu müsste der Fokus auf den rund 4,5 Millionen immatrikulierten Privatautos liegen – und nicht auf den rund 60'000 Lastkraftwagen.» Dabei zählt er die ausländischen Transporteure nicht mit, die die Schweiz beliefern oder durchqueren.

Diese klare Haltung vertritt der Planzer-Boss, obwohl sein Unternehmen – wie Camion Transport und Galliker – Teil des Joint Ventures «Cargo Domizil» ist. Cargo Domizil wiederum gehört zu den Aktionären von CST. Für Planzer kein Widerspruch:

«Auch wenn wir das Konzept als nicht zielführend betrachten, finden wir es konstruktiv, den Dialog zu führen.»

Gleichwohl fügt er an: «Zudem bestimmen wir bei Cargo Domizil als Teilaktionär nicht alleine.»

Peter Galliker will zur kritischen Haltung seiner Berufskollegen keine Stellung nehmen, sagt aber ganz allgemein: «Klar zweifeln einige Menschen an, ob das Unterfangen zahlbar ist. Aber im Moment geht es noch nicht darum. Die erste Phase des Projektes ist gesichert und ich bin gespannt, wie es weitergeht.»

Für ihn wäre das Projekt ohnehin eine Erweiterung bereits existierender Kooperation unter den Logistikern. Denn tatsächlich sieht es vor, dass sich die Logistiker an den Hubs, wo die Ware aus dem Grund befördert wird, koordinieren und die Warenflüsse optimieren.

Ähnliche Synergien würden bereits jetzt genutzt. Galliker:

«Wir sind davon weggekommen, Strasse und Schiene gegeneinander auszuspielen. Es bringt nichts, auf der Strasse fahren zu wollen und dann im Stau zu stehen.»

Zudem seien die Zeiten längst vorbei, als Kunden nur einer Logistikfirma vertrauten.

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